Stolzes Familienunternehmen: Die Wiener Feinbäckerei Heberer.

Wiener Feinbäckerei Heberer

20.06.14
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Wiener Feinbäckerei Heberer: Friede, Freude, Apfelstreusel

Bei der Wiener Feinbäckerei Heberer läuft es nicht rund. Wer die Meldung zu den jüngsten Umsatzzahlen liest, könnte aber schnell ein anderes Bild bekommen.

Eine „erfolgreiche Premiumstrategie“, ein Unternehmen „mit gutem Start“ ins laufende Jahr, ein neues Sortimentskonzept – die jüngste Meldung der Wiener Feinbäckerei Heberer, seit 2012 auch mit einer in Eigenregie vermarkteten Mittelstandsanleihe am Start, fängt vielversprechend an.

Mit konkreten Zahlen hält sich die hessische Bäckereikette in bester Tradition vieler Familienunternehmen dezent zurück, erfreut die geneigte Leserschaft dafür aber mit blumigen Aussagen zum neuen Fokus auf regionalen Backprodukten, vom Brötchen bis zum Apfelstreuselkuchen. Die monetäre Verwertbarkeit der Regionaloffensive wird nur angedeutet: Der Umsatz in den Nahfilialen liege 1 Prozent über Vorjahr und 8 Prozent über dem Umsatzplan, heißt es.

Die dem Kapitalmarkt und den Finanzierungspartnern seit langem bekannten Krisenherde werden geschickt verpackt: Das von einer nicht ausgelasteten Logistikkette erzwungene Rückzugsgefecht wird elegant als geplante „Reduzierung der Filialzahl“ von 306 auf 266 Standorte umschrieben.

Und es gibt noch mehr erstaunliche Pläne: Heberer verkündet für die ersten vier Monate 2014 ein operatives Ergebnis auf Vorjahresniveau, bei „einem planmäßig leicht zurückgegangenen Umsatz um 4 Millionen Euro auf rund 33 Millionen Euro“. Nicht viele Unternehmer würden einen Umsatzrückgang um über 10 Prozent als „leicht“ bezeichnen. Planen würden sie ihn wohl auch nicht, allenfalls vielleicht erwarten. Immerhin verbesserte sich der operative Gewinn (Ebitda) gegenüber dem Vorjahr auf 1,8 Millionen Euro.

Wie steht es um mögliche Investoren der Wiener Feinbäckerei?

Zumindest streut die Bäckereikette einige Hinweise, die hohe Relevanz andeuten – auch wenn sie den Leser (und den Investor) letztlich im Nichts stehen lassen. „Dank eines Rückkaufs von Mezzanine-Kapital konnten die Verbindlichkeiten der Gruppe um fast 10 Millionen Euro nachhaltig gesenkt und somit eine deutlich verbesserte Kapitalstruktur erreicht werden“, heißt es.

Details zum Rückkauf wären interessant gewesen. Hat das Unternehmen die Verbindlichkeiten unter Nennwert zurückgekauft? Das würde für eine handfeste Krise sprechen. Oder wurde das Mezzanine-Kapital einfach planmäßig getilgt? Das wäre wohl der normale Weg, aber die publizierten Geschäftszahlen der vergangenen Jahre liefern zumindest keinen öffentlich zugänglichen Hinweis darauf, wie die Wiener Feinbäckerei 10 Millionen Euro hätte ansparen können.

Als Konstanten in den aktuellen Entwicklungen präsentieren sich die Eigentümer der Bäckereikette. Sie teilen mit, dass das Unternehmen familiengeführt bleibt. Zuletzt hatte Heberer mit einer eher zähen Investorensuche von sich reden gemacht. Ist inzwischen ein Minderheitsinvestor eingestiegen? Hat sich keiner gefunden? Wird keiner mehr gebraucht?

Der Kern des Themas wird dezent übergangen. Dafür bemerkt Geschäftsführer Alexander Heberer: „Wir freuen uns, eine zukunftsfähige Lösung gefunden zu haben, die es uns ermöglicht, unsere über einhundertjährige Tradition als Familienunternehmen fortzusetzen.“ Das klingt, als wäre dies ein besonderer Erfolg – und würde im Umkehrschluss nahelegen, dass die Zukunft als Familienunternehmen zwischendurch auf Messers Schneide gestanden hätte. Dann würde freilich nicht alles so gut laufen, wie es uns die Mitteilung vermitteln möchte. Aber so hat es ja vermutlich niemand gemeint.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Aufgeblähte Formulierungen, Doppeldeutigkeiten, Verwirrendes: Im Blog „Subtext“ durchstöbert Sabine Reifenberger die Untiefen der Nachrichtenwelt und ergründet verborgene Botschaften, die vermutlich niemand je so tätigen wollte.