CFO des Jahres, Manager des Jahres und Co: Ist der Sieger auch wirklich der Beste?

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18.01.17
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Warum CFO-Rankings nichts taugen

CFO des Jahres, Manager des Jahres und Co: Rankings sagen uns, wer die besten Unternehmensentscheider im Lande sind. Sie bilden aber nur einen kleinen Teil der Wahrheit ab – und können dem Sieger sogar schaden.

Es ist eigentlich egal, zu welchem Buch über den Ersten Weltkrieg man greift, die Erkenntnis ist nahezu immer die gleiche: Die Ereignisse, die zum Ausbruch geführt haben, erscheinen wie eine logische Folge von Unvermeidlichkeiten. Die zweite Marokko-Krise, das Hochrüsten in vielen Ländern und schließlich der Anschlag auf Erzherzog Franz Ferdinand. Europa war eine Zeitbombe, die früher oder später hochgehen musste. Daran besteht ja wohl kaum ein Zweifel…

Stopp! Bevor wir uns diese Zwangsläufigkeit der Ereignisse zu Eigen machen, sollten wir zunächst einmal die Uhr zurückdrehen und ein Stimmungsbild dieser Zeit einfangen. Und wie könnte das besser gelingen, als mit einem Blick auf die Kapitalmärkte. Dort kann man dann allerdings Überraschendes beobachten: Der deutsche Anleihemarkt, schon in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg durchaus liquide, notierte im Jahr 1914 deutlich höher als im Jahr zuvor. Nach dem Attentat auf Franz Ferdinand gingen die Kurse auch nur leicht zurück. Und es dauerte noch bis zur Kriegserklärung von Österreich-Ungarn an Serbien einen Monat später, bis der Markt – bei Kursen, die immer noch über denen des Jahres 1913 lagen – geschlossen wurde. Die allgemeine Stimmung war also – glaubt man den Märkten – im Vorfeld des Krieges eben gerade nicht von einem zunehmenden Pessimismus geprägt.

War die Welt damals wirklich so, wie wir sie heute sehen?

Doch wie kann das sein? Waren die Menschen damals einfach dümmer als heute? Die Antwort ist: Nein! Eher machen wir heute einen Fehler. Das verhaltenswissenschaftliche Phänomen, das hier beobachtet werden kann, ist der sogenannte Hindsight Bias (Rückschaufehler): Im Nachhinein betrachtet erscheinen den Menschen bestimmte Ereignisse logisch und erklärbar, die im Vorfeld des Ereignisses alles andere als klar sind. Jeder CFO kennt dieses Phänomen, wenn es um die ex ante Beurteilung eines Investitionsprojekts geht – und er kennt die Stimmen, die ihm nachher ganz genau erklären, warum sein Handeln richtig oder falsch war.

Der Hindsight Bias ist immer dann besonders ausgeprägt, wenn es um komplexe Situationen mit hoher Zufallskomponente geht, es also viele denkbare Szenarien mit unterschiedlich hoher Eintrittswahrscheinlichkeit gibt. Das gilt für große M&A-Deals genauso wie für risikoreiche Finanzierungsvorhaben und teure IT-Projekte.

Manche CFOs machen alles richtig – und haben dann einfach Pech

Drei Aspekte müssen sich Manager vergegenwärtigen. Erstens: Die Welt ist komplex. Zweitens: Ökonomische Entscheidungen werden immer in eine unsichere Zukunft hinein getroffen. Und drittens: Es gibt eine große Menge an grundsätzlich fähigen CFOs und CEOs.  Wer in einem solchen Umfeld herausragende Erfolge nachweisen kann, der hatte ganz sicher auch eine gehörige Portion Glück gehabt. Gleichzeitig gibt es da draußen eine ganze Menge von Managern, die hochqualifiziert sind, alles richtig analysiert haben und dann starke Entscheidungen getroffen haben – die aber einfach weniger Glück oder sogar Pech hatten.

Was in den Management-Jahresrankings in der Rückschau so klar erscheint, ist also in Wirklichkeit nur ein kleines Mosaikteilchen der großen Wahrheit. Das bedeutet ganz sicher nicht, dass die Gewinner keine guten Manager sind, denn man muss natürlich eine Menge können, wenn man in der Rangliste ganz oben steht. Aber es fehlen eben ein paar wichtige Kriterien.

Gewinner sind gefährdet, eine schlechte Performance zu zeigen

Wenn Sie also einen fähigen Mitarbeiter, CFO oder Portfolio Manager suchen, dann ziehen Sie seinen Track Record nur als eines von vielen Kriterien in die Auswahl ein. Lesen Sie das Buch „Good to Great“ von Jim Collins, das sich mit den wesentlichen Management-Qualifikationen auf hochinteressante Art und Weise auseinandersetzt und insbesondere die Bedeutung eines gewissen Maßes an Demut hervorhebt.

Und lernen Sie aus der Studie „Superstar CEOs“ von Malmendier und Tate aus dem Jahr 2009, warum gerade die Ranking-Gewinner in der Folge so häufig eine schlechte Performance abliefern – nämlich weil vielen der Erfolg zu Kopf gestiegen ist. Von daher, liebe Preisträger: Freuen Sie sich, aber bleiben Sie auf dem Boden! Meinen Glückwunsch haben Sie auf alle Fälle.

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Wann schadet ein Skandal einem Unternehmen wirklich? Treiben Nachhaltigkeitsprojekte den Unternehmenswert nach oben? Wie wichtig ist Risikomanagement wirklich? In seinem Blog „Was wirklich zählt“ zeigt Bewertungsexperte Matthias Meitner wann Soft Facts tatsächlich einen Einfluss haben – und wann der CFO getrost darauf verzichten kann.