Alvarez & Marsal: Das Ziel ist die Echtzeit

Alvarez & Marsal

03.01.19
CFO

Alvarez & Marsal: „Das Ziel ist die Echtzeit“

Schlechte Daten sind der größte Digitalisierungsbremser in den Finanzabteilungen. Stefan Lacher von Alvarez & Marsal erklärt, was sich ändern muss und welche Rolle der CFO dabei spielt.

Herr Lacher, als IT- und Performance Improvement-Berater bei Alvarez & Marsal sehen Sie viele deutsche Unternehmen. Wie ist Ihr Eindruck vom Digitalisierungsgrad der Finanzabteilungen?
Es gibt Licht und Schatten. Vor allem im Mittelstand fällt aber auf, dass viele Prozesse manuell ablaufen. Ein Beispiel: Dort werden nach wie vor Lieferscheine und Rechnungen händisch gebucht und bezahlt; Bestellungen werden manuell aufgegeben. Die Finanzabteilungen verrichten zu viel Transaktionsarbeit und können dadurch weniger Zeit für höherwertige Analysen und Prognosen verwenden.

Wie sollte eine digitale Finanzabteilung stattdessen aussehen?

„Ziel muss es letztlich sein, Management-Entscheidungen in Echtzeit treffen zu können.“

Ziel muss es letztlich sein, Management-Entscheidungen in Echtzeit treffen zu können. Dazu müssen Transaktionen automatisiert, sinnvolle Controlling-Modelle aufgebaut und die Qualität der Daten auf ein hohes Niveau gehoben werden. Das geht nur, wenn die Datenverantwortlichkeiten klar geregelt sind.

Schlechte Datenqualität bremst Digitalisierung aus

Wie können neue Technologien das unterstützen?
Mit Hilfe von intelligenter Analytik können hoffentlich deutlich präzisere Prognosen über die Geschäftsentwicklung getroffen werden als bisher. Das Management kann dadurch quasi ad-hoc auf Fehlentwicklungen reagieren. Mit Hilfe von künstlicher Intelligenz werden in den kommenden Jahren nicht nur Fehlentwicklungen angezeigt, sondern konkrete Handlungsempfehlungen durch das System erstellt werden. 

Wo sehen Sie noch Hemmschuhe?
Ganz klar in der Datenqualität. Damit die neuen Digitalisierungswerkzeuge in der Finanzabteilung überhaupt erst greifen können, benötigt man vernünftig strukturierte und gut gepflegte Daten und sauber definierte Buchhaltungsanweisungen. Sie würden sich wundern, wie viele Unternehmen sich immer noch schwer tun, ein sinnvolles Buchhaltungshandbuch zu schreiben. Schlechte Datenqualität ist der größte Bremser bei der Digitalisierung von Finanzabteilungen.

Ist das auch ein Versäumnis des CFOs?
Letztendlich ja, denn er ist für die Finanzabteilung verantwortlich. Mancher Mittelständler tut sich noch sehr schwer damit, seine gesammelten ERP-Daten effizient für Planungs- und Prognosezwecke zu nutzen. Eine präzise Kosten- und Leistungsrechnung die Arbeits- beziehungsweise Produktionsschritte minutiös protokolliert und auswertet, bildet die Grundlage für weiterführende Analytik. Die Aufgabe der Finanzabteilung ist es in Zukunft, nicht nur gute operative Controlling-Modelle zu implementieren, sondern die erfassten Unternehmensdaten mit Markttrends und demographischen Entwicklungen kombiniert in Vorhersagemodellen zu verarbeiten.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

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