Was bedeutet digitale Transformation in der Finanzabteilung überhaupt? Die CFOs scheinen da nicht alle einer Meinung zu sein.

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14.11.18
CFO

CFOs befassen sich intensiver mit Digitalisierung

Die Digitalisierung nimmt für viele CFOs im Tagesgeschäft eine immer größere Rolle ein. Allerdings herrscht offenbar Uneinigkeit, was man sich unter digitaler Transformation überhaupt vorstellen soll.

Viele Finanzverantwortliche sehen die Digitalisierung ihres Bereichs mittlerweile als Kernthema an, zeigt die jüngste Auswertung des FINANCE CFO Panels, für das die Redaktion in Kooperation mit Horváth & Partners Finanzchefs in Deutschland anonym zu ihrer Einschätzung und ihren aktuellen Arbeitsschwerpunkten befragt hat. Im Arbeitsalltag zählt die Digitalisierung von Prozessen in der Finanzabteilung inzwischen für 36 Prozent der CFOs zu den drei wichtigsten Prioritäten. 

Im Frühjahr 2018 zählten nur 20 Prozent der Befragten das Thema zu ihren drei wichtigsten Aufgaben. Gemessen an der Befragung von 2016 hat sich der Wert sogar mehr als verdreifacht. „Es zeichnet sich immer stärker ab, welche Möglichkeiten verschiedene Technologien auch im Finanzbereich eröffnen“, sagt Kai Grönke, Partner im Competence Center Controlling & Finance von Horváth & Partners. 


Zudem sei Effizienzdruck für die Mehrheit der Finanzchefs ein wichtiges Thema. Neue Technologien könnten dort Erleichterung bringen, meint Grönke: „Die Digitalisierung von Prozessen kann viel dazu beitragen, eine Organisation effizienter aufzustellen.“

Jeder vierte CFO hält sich für nicht zuständig

Auch wenn viele CFOs sich intensiv mit Herausforderungen und Lösungsansätzen befassen, bleibt ein nennenswerter Anteil, der sich für Digitalisierungsthemen nicht zuständig fühlt: 27 Prozent der von FINANCE Befragten tendieren zu der Aussage, dass die digitale Transformation den Finanzbereich nicht betreffe. 

Ebenso viele räumen ein, ihr Kenntnisstand zu diesem Thema sei noch lückenhaft. „Ich vermute allerdings, dass der Anteil vor zwei bis drei Jahren noch höher ausgefallen wäre“, sagt Horváth-Partner Grönke. Er sieht die positive Seite: „Immerhin sieht die Mehrheit der Befragten bei sich keine großen Wissenslücken, und mehr als drei Viertel wollen Veränderungen fachbereichsübergreifend aktiv mitgestalten.“ 

„Mehr als drei Viertel der CFOs wollen Veränderungen fachbereichsübergreifend aktiv mitgestalten.“

Kai Grönke, Horváth & Partners

Mittelstand kümmert sich weniger um Digitalisierung

Besonders mittelständische Unternehmen sehen sich offenbar weniger in der Pflicht, Digitalisierungsthemen anzupacken. 22 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass die digitale Transformation im Finanzbereich kleinere Unternehmen eher nicht betreffe. Besonders Finanzverantwortliche im kleineren Mittelstand könnten daher ihre Prioritäten im Arbeitsalltag anderweitig setzen. 


Ausblenden sollten sie das Thema dennoch nicht, mahnt Achim Wenning, Leiter des Business Segments CFO Strategy & Transformation bei Horváth & Partners: „Einige Technologien und Methoden sind tatsächlich erst ab einer kritischen Größe des Unternehmens oder einem Mindestmaß an Datenvolumen sinnvoll anwendbar. Dennoch wird die Digitalisierung auch Mittelständler treffen, auch wenn sie nicht jede Technologie in vollem Umfang einführen.“

Wie innovativ sind Digitalisierungsthemen?

Doch wie innovativ sind die Themen wirklich, die unter dem Stichwort „digitale Transformation“ kursieren? Darüber sind sich die Finanzverantwortlichen uneins: 46 Prozent neigen zu der Einschätzung, dass lediglich bereits bekannte Themen zur Effizienz- und Effektivitätssteigerung unter dem Schlagwort neu aufgegriffen würden. Ebenso viele sehen das dagegen anders. 

„Wer sich intensiver mit digitaler Transformation befasst, wird auch viele neue Aspekte finden.“

Achim Wenning, Horváth & Partners

Horváth-Experte Wenning glaubt, dass dies auch auf Missverständnissen und unterschiedlichen Begriffsdefinitionen beruht: „Manche fassen die digitale Transformation sehr weit und zählen Themen wie Harmonisierung der IT-Landschaft und Reallokation von Prozessen dazu“, sagt er. 

Zwar seien moderne Strukturen die Basis für eine erfolgreiche Digitalisierung, aber diese Themen beschäftigen die Unternehmen bereits seit längerer Zeit. Doch darauf beschränken sollte man die digitale Transformation nicht, findet Wenning. „Wer sich intensiver mit digitaler Transformation befasst, wird auch viele neue Aspekte finden. Künstliche Intelligenz oder Blockchain können beispielsweise nicht altbekannt sein, weil es sie noch nicht sehr lange gibt und viele Anwendungen noch in der Pilotphase sind.“ 

Für das FINANCE CFO Panel befragt die Redaktion des FINANCE-Magazins zweimal jährlich Finanzchefs aus dem deutschsprachigen Raum anonym zu ihrer Markteinschätzung. Das vollständige CFO Panel mit interessanten Einschätzungen zur Arbeitsbelastung, zum Brexit und zu weiteren makroökonomischen Themen können Sie hier kostenlos herunterladen