Die Digitalisierung nimmt für CFOs einen größeren Stellenwert ein. Bevor es an konkrete Projekte geht, müssen viele aber erst einmal ihr Datenmanagement verbessern.

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16.11.17
CFO

CFOs befassen sich intensiver mit Digitalisierung

Immer mehr Finanzchefs überlegen, wie sie die Prozesse ihrer Abteilung digitalisieren können. Allerdings steht eine mangelhafte Datenbasis noch immer vielen Automatisierungsvorhaben im Wege.

Die Digitalisierung nimmt im Arbeitsalltag der CFOs einen immer größeren Stellenwert ein. Inzwischen zählt jeder vierte Finanzchef die Digitalisierung von Prozessen in seiner Abteilung zu den drei Top-Prioritäten. Das zeigt die jüngste Befragung des FINANCE CFO Panels, für das die Redaktion in Kooperation mit Horváth & Partners Finanzchefs in Deutschland anonym zu ihrer Markteinschätzung und ihren Arbeitsschwerpunkten befragt hat.

Der jetzt erreichte Wert von 24 Prozent entspricht einer Steigerung um 15 Prozentpunkte innerhalb eines Jahres: Als der Themenbereich im Herbst 2016 erstmals Teil der Befragung wurde, zählten ihn nur knapp 9 Prozent der CFOs zu ihren drei Top-Prioritäten. Im Frühjahr waren es schon rund 13 Prozent. Auch über ihren eigenen Bereich hinaus befassen sich die CFOs mit der digitalen Transformation: Die Digitalisierung des Geschäftsmodells ihres Unternehmens zählt derzeit für gut 17 Prozent der Finanzchefs zu den Schwerpunkten.

Digitalisierung lässt CFOs verstärkt auf Daten blicken

Allerdings müssen viele Unternehmen noch Basisarbeit erledigen, bevor sie sich mit konkreten Projekten befassen können. Vor dem Hintergrund der digitalen Transformation gewinnt auch das Datenmanagement an Bedeutung. Für die Befragung gewichteten die CFOs vier Treiber der digitalen Transformation im Finanzbereich und verteilten dafür 100 Prozent Stimmanteile auf die vier Aspekte. Die stärkste Gewichtung (31 Prozent) entfällt auf den Faktor, dass sich Datenverfügbarkeit und Datenverknüpfungen massiv ändern.

Nahezu gleichauf gewichten die CFOs die übrigen Aspekte: sich radikal verändernde Rollen und Kompetenzen der Finanzfunktion (24 Prozent), veränderte Steuerung (23 Prozent) und hohen Effizienzdruck (22 Prozent).

Für Kai Grönke, Partner im Competence Center Controlling & Finance von Horváth & Partners, ist der größere Fokus auf Daten ein kleiner Paradigmenwechsel: „In den vergangenen Jahren hatten CFOs in Befragungen noch regelmäßig den Effizienzdruck als stärksten Treiber gewichtet“, sagt er. Daten würden von den Finanzchefs allerdings zunehmend als wichtiger Produktionsfaktor erkannt.

Konkrete Projekte zu Robotics und Big Data noch selten

Jedoch haben viele Unternehmen offenbar noch Schwierigkeiten damit, sich eine gute Datenbasis zu erarbeiten. Befragt nach aktuellen Herausforderungen, nennen drei Viertel der Befragten das Problem fragmentierter IT-Landschaften. Mehr als die Hälfte kämpft zumindest gelegentlich mit fehlerhaften oder unvollständigen Daten.

Viele CFOs wollen zunächst eine einheitliche Struktur und Datenbasis aufbauen.

Achim Wenning, Horváth & Partners

Dies könnte auch ein Grund dafür sein, dass der Einsatz von Robotics in Finanzanwendungen für zwei Drittel der Befragten derzeit nicht auf der Agenda steht. Auch Pilotanwendungen für Big Data stehen für 52 Prozent der Befragten noch nicht konkret an.

„Viele CFOs wollen zunächst einmal eine einheitliche Struktur und Datenbasis aufbauen, bevor sie über Automatisierungen oder weitergehende Analysealgorithmen nachdenken“, berichtet Achim Wenning, Leiter des Business Segments CFO Strategy & Transformation bei Horváth & Partners. Dies müsse aber nicht grundsätzlich richtig sein. „Selbst für heterogene Systemlandschaften lassen sich Automatisierungslösungen finden.“ Für Deutschlands CFOs dürfte dies eine der Top-Herausforderungen 2018 werden.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Welche Themen derzeit das Risikomanagement der CFOs dominieren und wie hoch die Arbeitsbelastung der Finanzchefs derzeit ist, lesen Sie in den vollständigen Ergebnisse des FINANCE CFO Panels, die Sie zum Download im Bereich FINANCE-Research finden.