Unternehmen geben immer mehr Geld für Investitionen in ihre SAP- und IT-Landschaft aus. Denn die geplanten IT-Projekte kommen jetzt in die Umstellungsphase.

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21.02.18
CFO

CFOs öffnen Geldbeutel für ihre IT-Chefs

Finanzchefs reagieren auf die Digitalisierung, indem sie die IT-Budgets deutlich erhöhen. Der große Umstieg auf neueste Technologie wie SAP S/4 Hana lässt trotzdem noch auf sich warten.

Jahrelang haben sich deutsche IT-Chefs über mangelnde Investitionen beklagt, nun scheinen ihre Wünsche Gehör zu finden. In einer Umfrage der „Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe“ (DSAG) gaben 40 Prozent der befragten IT-Experten an, dass sie über ein höheres SAP-Budget als noch 2016 verfügen. Die DSAG zählt über 3.300 Mitglieder, die allesamt auf SAP als Enterprise-Resource-Planning-System (ERP-System) setzen.

Die Budgeterhöhung ist keineswegs marginal. Im Schnitt haben die IT-Abteilungen stolze 17 Prozent mehr Geld zur Verfügung. Bei vier von zehn Antwortgebern stieg das SAP-Investitionsbudget im Schnitt sogar um 37 Prozent. „Der starke Anstieg bei 40 Prozent unserer Mitglieder hat mich am meisten überrascht“, sagt Marco Lenck, Vorstandsvorsitzender der DSAG.

Erst 3 Prozent der DSAG-Mitglieder nutzen S/4 Hana

Dass der IT-Abteilung generell mehr Geld zur Verfügung steht, hat Lenck indes erwartet. Seiner Beobachtung zufolge öffnet die Digitalisierung den Geldhahn: „Es gibt in Unternehmen viele neue Projekte, die zu Effizienzsteigerungen führen sollen, aber auch die Geschäftsmodelle abbilden und die Produkte zukunftsfähig machen sollen.“

Warum stellen CFOs aber gerade jetzt Gelder zur Verfügung? Schließlich ist die Digitalisierung kein neues Phänomen: „Unternehmen planen schon seit einiger Zeit IT-Projekte. Diese gehen nun in die konkrete Umsetzungsphase, wodurch zusätzliches Kapital benötigt wird“, erklärt Lenck die Verzögerung.

Als Beispiel dient eine weitere zentrale Erkenntnis der Studie: Erst 3 Prozent der DSAG-Mitglieder haben auf das SAP-Flaggschiff S/4 Hana umgestellt, 5 Prozent wollen aber in diesem Jahr umsteigen. Da SAP das Vorgängersystem R3 nur noch bis 2025 warten will, drängt die Zeit.

IT-Experte Lenck, der hauptamtlich IT-Chef des Zusatzstoffherstellers Döhler ist, vermutet auch hinter der bislang noch schwachen Annahme von S/4 Hana den gleichen Verzögerungseffekt. „Viele Unternehmen sind schon in der Umstellungsphase. Ein Drittel der Befragten hat angegeben, dass sie in den kommenden drei Jahren auf S/4 Hana umsteigen wollen.“ Dies deutet darauf hin, dass die Zahl der Hana-Nutzer deutlich steigen wird. 

„Ein Drittel der Befragten will in den kommenden drei Jahren auf S/4 Hana umsteigen.“

DSAG-Chef Marco Lenck

Was bietet SAP Leonardo deutschen CFOs?

Die DSAG-Umfrage hat auch ergeben, dass das auf Hana aufbauende SAP-Produkt „Leonardo“ bei Unternehmen ebenfalls noch nicht stark verbreitet ist. Nur 10 Prozent der DSAG-Mitglieder planen, damit zusammenhängende Technologien einzusetzen. Immerhin: 2016 gaben noch 90 Prozent der Befragten an, das Produkt nicht zu kennen. Das sagten jetzt nur noch 16 Prozent.

SAP will seinen Kunden mit Leonardo Technologien, Dienstleistungen sowie Anwendungen bieten, die Methoden wie Design Thinking, Data Intelligence Tools und Benchmarking aufgreifen. Auch die Blockchain – oder Distributed-Ledger-Technologie – spielt bei Leonardo eine zentrale Rolle. SAP-Konkurrenten wie Microsoft, Amazon und Google bieten solche Services ebenfalls an.

Finanzabteilungen können Technologien wie Leonardo erhebliche Effizienzverbesserungen bringen, glaubt Lenck. „CFOs können über Machine Learning beispielsweise eingehende Rechnungen oder Zahlungen prüfen und automatisch zuordnen“, erklärt der IT-Spezialist.

Ebenso kann die Gefahr von Betrugsmaschen wie Fake President reduziert werden: „Die künstliche Intelligenz prüft Kontoinformationen auf Unregelmäßigkeiten im Zahlungsverkehr und schlägt notfalls Alarm.“ Der für IT-Sicherheitsprobleme oft verantwortliche Faktor Mensch würde durch die Einführung der neuesten Tools größtenteils entfallen, werben SAP, Microsoft und die anderen Software-Giganten.

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