Der Bereich Finance & Accounting hinkt beim Thema Digitalisierung oft noch hinterher.

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11.10.18
CFO

Finanzexperten sind Digitalisierungsmuffel

Der Bereich Finance & Accounting konnte sich bisher noch nicht so richtig mit der Digitalisierung anfreunden. Neben besorgten Mitarbeitern sind es allen voran CFOs, die ihr Verhalten und Denken ändern müssen.

Viele Unternehmen verweigern sich noch der Digitalisierung. Der Bereich Finance & Accounting (F&A) hinkt im unternehmensinternen Vergleich aber noch einmal deutlich hinterher, wie eine Studie des Personaldienstleisters Hays jüngst herausgefunden hat.

Mitarbeiter des F&A-Bereichs sind mit einem Wert von 39 Prozent wesentlich seltener regelmäßig in Projekten im Vergleich zu IT (65 Prozent) oder Forschung & Entwicklung (70 Prozent) involviert. Der Grund: Laut Studie arbeitet der Finanzbereich nicht so agil wie andere Unternehmensbereiche und hält lieber an den bekannten Arbeitsmodellen fest.

CFOs müssen für mehr Transparenz sorgen

„Ein großes Problem stellt die schwierige Vereinbarkeit zwischen dem Kerngeschäft und Projekten dar“, meint Studienautor Frank Schabel, der auch die Kommunikation und das Marketing von Hays leitet. Denn um den Digitalisierungsprozess im Unternehmen in Gang zu bringen, arbeiten viele Mitarbeiter neben ihren alltäglichen Aufgaben zusätzlich in Projektteams. Diese Doppelbelastung führt häufig zu Konflikten.

Dabei bildet das größte Problem die unklare Priorisierung. „Sind Mitarbeiter neben ihren Kernaufgaben auch noch in Projekte eingebunden, bekommen sie häufig Anweisungen von zwei verschiedenen Vorgesetzten. Die Frage, was Vorrang hat, kann zu Spannungen führen“, sagt Frank Schabel. Von solchen Problemen berichten auch 88 Prozent der befragten Führungskräfte.

Darum sollten vor allem CFOs und andere Personalverantwortliche für mehr Transparenz und eine bessere Kommunikation zwischen den Mitarbeitern sorgen, rät Schabel. Dabei sollten Projektmitarbeiter Probleme offen ansprechen, damit sich potentielle Konflikte früh auflösen.

„Kerngeschäft oder Projekte: Die Frage, was Vorrang hat, kann zu Spannungen führen.“

Frank Schabel, Hays

Mitarbeiter fürchten um ihren Arbeitsplatz

Ein weiteres Hindernis bei den Digitalisierungsvorhaben in Finanzabteilungen: Die Mitarbeiter haben Angst um ihren Arbeitsplatz, da viele Arbeitsvorgänge – speziell in der Buchhaltung oder im Treasury – automatisiert werden können. Dadurch drohen Jobs wegzufallen.

Zudem stellen Unternehmen immer mehr Fachkräfte ein, die insbesondere im Bereich Big Data gut ausgebildet sind. Die neuen Berufsprofile und Ansprüche seitens der Unternehmen verunsichern Veterane in der Finanzabteilung, die das Gefühl haben, mit den Entwicklungen nicht Schritt halten zu können.

CFOs sollten sich kritisch hinterfragen

„Viele Mitarbeiter tendieren dazu, sich einzuigeln, anstatt den Digitalisierungsprozess voranzutreiben“, beobachtet Studienautor Frank Schabel. Sie greifen auf das Silodenken zurück, das Unternehmen eigentlich ausmerzen wollen, und denken nicht bereichsübergreifend. Eine solche Denkweise können sich Finanzspezialisten in Zukunft immer seltener leisten.

„Viele Mitarbeiter tendieren dazu, sich einzuigeln, anstatt den Digitalisierungsprozess voranzutreiben.“

Frank Schabel, Hays

Doch auch die Führungskräfte aus F&A wissen, dass sie noch an ihren eigenen Fähigkeiten arbeiten müssen, um die Digitalisierung im eigenen Unternehmen voranzutreiben: So fanden 90 Prozent der Befragten, dass sie ihre eigenen Denkmuster stärker hinterfragen, ihr digitales Know-how verbessern und sich mit anderen Fachbereichen stärker vernetzen sollten. Allerdings gab ein Drittel der Befragten zu, dass diese Maßnahmen noch nicht ausreichend adressiert seien. Hier dürfte also noch Nachholpotential bestehen.

ann-sophie.crecelius[at]finance-magazin.de

Die Studie von Hays „Zwischen Effizienz und Agilität. Unter Spannung: Fachbereiche in der Digitalisierung“ untersucht die Probleme im Digitalisierungsprozess der Fachbereiche Finance & Accounting (F&A), Information Technology (IT) sowie Research & Development (R&D). Bei der telefonischen Befragung nahmen 226 Führungskräfte mit Personalverantwortung aus Unternehmen ab 500 Mitarbeitern teil.