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Analyse: „Personalberichterstattung ist noch nicht ausreichend“

Viele Unternehmen haben bei der Personalberichterstattung noch Nachholbedarf.
iStock / Thinkstock / Getty Images

FINANCE: Wenn schon die DAX-30-Unternehmen Nachholbedarf bei der Personalberichterstattung haben, wie sieht es im MDAX, Tec-Dax und SDAX aus?
Plafky: Basierend auf unserer Analyse der Personalberichterstattung zeigt sich, dass der Umfang der Personalberichterstattung im MDAX-, Tec-Dax- und SDAX-Segment geringer ausfällt als im Dax und noch nicht ausreichend ist. Allgemein gilt: Je kleiner das Unternehmen ist, desto geringer ist die Transparenz in der Personalberichterstattung. Unternehmen, die zu dem Thema Nachhaltigkeit/CSR publizieren, weisen tendenziell eine höhere Transparenz in der Personalberichterstattung auf.

FINANCE: Sollte der CFO, der mitunter auch das Thema Personal verantwortet, sich darauf konzentrieren, dass Personalthemen besser und breiter kommuniziert werden?
Plafky: Eine generelle Tendenz, dass CFOs häufiger als früher das Thema Personal vollumfänglich verantworten, sehen wir so nicht. Denn viele Unternehmen haben in den letzten Jahren einen eigenen Vorstand/Geschäftsführer für den Bereich Personal berufen oder auf oberster Führungsebene die Verantwortung in einem eigenen Personalbereich gebündelt. Hier spiegelt sich der steigende Anspruch an die Personalarbeit, sich von einem Verwalter zu einem Gestalter zu entwickeln, und damit auch ebenbürtiger Partner der Geschäftsleitung zu werden.

FINANCE: Worauf sollte der CFO noch achten?
Plafky: Insgesamt kann der CFO in hohem Maße dazu beitragen, dass das Thema Personal stärker als Investition betrachtet wird und nicht primär als Kostentreiber. Denn die strategische Relevanz von Personalthemen nimmt immer mehr zu und erfordert teilweise einen mittel- bis langfristigen Fokus. Gerade hier zeigt sich, dass der CFO wertvolle Impulse geben kann: Ein Unternehmen ohne solide Finanzplanung ist schwer vorstellbar, nur wenige Unternehmen haben einen ähnlichen Reifegrad in ihrer Personalplanung erreicht, und können somit von der Planungskompetenz des CFO profitieren. Denn grade eine mittel-bis langfristige Personalplanung ist notwendig, um den Nutzen der Investitionen in die Mitarbeiter in Zeiten von Fachkräftemangel und globalen Arbeitsmärkten zu quantifizieren.

FINANCE: Kann der CFO über eine bessere Personalkommunikation Sorge tragen, dem Fachkräftemangel, insbesondere auch in seinem eigenen Bereich, zu begegnen?
Plafky: Personalkommunikation und -marketing hat einen großen Einfluss auf die Attraktivität des Unternehmens auf dem Arbeitsmarkt. Erforderlich ist hier eine abgestimmte und einheitliche Botschaft, um die Konsistenz der Marke und der Botschaft zu gewährleisten. Für den Finanzbereich kann es aber hilfreich sein, verstärkt in Fachpublikationen oder fachspezifischen Foren mit Fachthemen Präsenz zu zeigen, und attraktiver für Fachkräfte im Finanzwesen zu werden. Allgemein gilt aber auch: Jede Führungskraft ist ein Botschafter ihres Unternehmens. Und dies betrifft auch, und grade hinsichtlich seiner prominenten Rolle nach außen und innen, den CFO.

sabine.paulus[at]finance-magazin.de

sabine.paulus@finance-magazin.de | + posts

Sabine Paulus ist seit 2008 Redakteurin beim Fachmagazin FINANCE und der Online-Publikation DerTreasurer. Ihre Themenschwerpunkte sind Personal, Organisation, Karriere und Finanzierung. Sie ist M.A. und hat an der Universität Konstanz unter anderem das Hauptfach Deutsche Literatur studiert.