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CFOs, die Mitarbeiter bevorzugen, sind erfolgreicher

Wenn Finanzchefs einzelne Mitarbeiter bevorzugen, ist das in Summe gut für die Finanzabteilung. Das ist das Ergebnis einer Studie.
iStock / Thinkstock / Getty Images

FINANCE: Herr Tröster, CFOs, die einzelne Mitarbeiter bevorzugen, haben mehr Erfolg, da sie damit die Bereitschaft der Mitarbeiter fördern, sich für die Finanzabteilung einzusetzen. Indirekt  fördern die Finanzchefs durch solch ein Verhalten auch die Leistung der gesamten Finanzabteilung. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie (siehe Infokasten). Das ist eine starke These, die zu Kontroversen führt.
Christian Tröster: Wenn ein Finanzchef manch einem seiner Mitarbeiter mehr Respekt und mehr Aufmerksamkeit schenkt, etwa durch häufigeres Lob oder längeren Augenkontakt, heißt das nicht, dass die anderen Mitarbeiter schlecht behandelt werden. Schon ein Lächeln bewirkt oft Wunder. Die Mitarbeiter, die im Scheinwerferlicht stehen, sind zufriedener mit ihrem Job, sie sind eher bereit, den Kollegen zu helfen, und halten sich eher an die Regeln. In Summe ist das gut für die Finanzabteilung.

FINANCE: Damit steht der CFO in einem klassischen Zielkonflikt.
Christian Tröster: Das ist richtig. Als Führungskraft muss man sich bewusst machen, dass es ein Dilemma gibt. Entweder man behandelt aus Gründen der Fairness alle Mitarbeiter gleich, oder man behandelt einen Mitarbeiter besser und fördert damit dessen Bereitschaft sich für die Abteilung einzusetzen. Diese Entscheidung muss jedoch jede Führungskraft und jeder CFO selbst treffen. Sie fällt einem aber vielleicht leichter, wenn man sich bewusst darüber wird, was passiert, wenn man einen Mitarbeiter bevorzugt. Psychologisch gesehen fühlen sich die Leute besser, wenn sie mehr Aufmerksamkeit erfahren.

FINANCE:Treasurer und Controller wollen einen Vorgesetzten haben, der ihre Karriere fördert. Das gilt insbesondere für die jüngeren Mitarbeiter zwischen 20 und 30 Jahren. Sollte ein CFO den jüngeren Mitarbeitern mehr Aufmerksamkeit schenken?
Christian Tröster: Die Studie sagt nichts über konkrete Förderung aus, es geht vielmehr darum, wie man Respekt einsetzt. Führungskräfte sollten Respekt und Aufmerksamkeit aber nicht als unbegrenzte Ressourcen ansehen. Sie dürfen sie nicht inflationär verwenden, da ein Lob oder ein Lächeln zur Bestätigung sonst entwertet wird.

FINANCE: „In Deutschland herrscht in Sachen Karrierecoaching eine Ganz- oder Gar-nicht-Mentalität“, sagen Personalberater. Andere europäische Länder wie Frankreich, England, Italien oder die Niederlanden bewegen sich nicht in solchen Extremen. Haben Sie in Ihrer Studie Unterschiede zwischen einzelnen Ländern festgestellt?
Christian Tröster: Nein, wir haben für die Studie zwar Teilnehmer in den Niederlanden, in Großbritannien und in den USA befragt, konnten aber keine Unterschiede erkennen. Ich würde jedoch vermuten, dass es in manchen Ländern akzeptabler ist, Mitarbeiter unterschiedlich zu behandeln. Steve Jobs beispielsweise war bekannt dafür, dass er ein paar Mitarbeiter seht gut und andere weniger gut behandelt hat. Dennoch war er erfolgreich. Aus der Erfolgsperspektive hat er das gut gemacht. Sein Verhalten gegenüber Mitarbeitern wurde ihm aber gleichzeitig auch vorgeworfen.

FINANCE: Sie behaupten, dass der Vergleich der Mitarbeiter mit anderen Kollegen ein entscheidender Punkt bei der Leistungsförderung ist. Aber wenn man sich im Vergleich zu den Kollegen weniger gefördert fühlt, ist das doch demotivierend?
Christian Tröster: Die Mitarbeiter fühlen sich in der Tat nicht so gut, wie diejenigen, die besser behandelt werden. Das heißt aber nicht, dass sie absolut gesehen demotiviert sind. Das ist vergleichbar mit dem Motivationseffekt von Geld: Ab einem gewissen Einkommen ist es den Mitarbeitern nahezu gleichgültig, wie viel Geld sie absolut bekommen. Es ist für sie viel wichtiger zu sehen, wie viel sie im Vergleich zu ihren Kollegen bekommen. Das gleiche gilt auch für die Behandlung durch den Chef. Wer mit mehr Respekt behandelt wird als seine Kollegen, fühlt sich besser. Wir haben aber nicht festgestellt, dass sich die Teilnehmer wegen der weniger bevorzugten Behandlung schlecht gefühlt haben. Ein gewisses Level an Respekt gegenüber seinen Mitarbeiter ist jedoch jederzeit wichtig.

sabine.paulus[at]finance-magazin.de

Info

Im Rahmen der Studie wurden von 2006 bis 2010 knapp 1.000 Angestellte aus den Niederlanden, den USA und Großbritannien befragt. Wissenschaftler der Kühne Logistics University aus Hamburg, der London Business School, der University of British Columbia und der Rotterdam School of Management werteten die Ergebnisse der Experimente und Umfragen aus.

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Sabine Paulus ist seit 2008 Redakteurin beim Fachmagazin FINANCE und der Online-Publikation DerTreasurer. Ihre Themenschwerpunkte sind Personal, Organisation, Karriere und Finanzierung. Sie ist M.A. und hat an der Universität Konstanz unter anderem das Hauptfach Deutsche Literatur studiert.

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