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CFOs halten sich in Strategiefragen für immer wichtiger

CFOs sehen sich immer mehr als strategische Entscheider ihres Unternehmens. In Wirklichkeit ist es oft noch ein weiter Weg dorthin.
Thinkstock / Getty Images

Wer Sümpfe trocken legen will, darf nicht die Frösche fragen; wer den strategischen Bedeutungszuwachs einer Funktion zeigen will, muss die Funktionsträger fragen. Eine aktuelle Studie von Oracle und Accenture unter weltweit 930 Finanzvorständen aus Unternehmen mit mehr als 250 Millionen Dollar Umsatz kommt zu den Ergebnis, dass 71 Prozent der CFOs von sich selbst behaupten, ihre generellen Einflussmöglichkeiten auf die Unternehmensstrategie sei über die vergangenen drei Jahre gewachsen. 65 Prozent sind sogar der Meinung, dass ihr direkter Einfluss auf die Festlegung der Strategie gewachsen sei.

Das sind beeindruckende Zahlen, und sie decken sich mit dem Eindruck, den die Mitglieder der  FINANCE-Redaktion aus Gesprächen mit CFOs über die Entwicklung ihres Selbstverständnisses mitnehmen. Gerade seit dem Ausbruch der Finanzkrise, so sieht es die Studie, hätte sich die Bedeutung des CFO in Unternehmen deutlich erhöht. Dennoch sind die Ergebnisse bei allem Rollenpatriotismus mit Vorsicht zu genießen. Wenn es um die konkrete Tagesarbeit geht, sind CFOs beispielsweise deutlich zurückhaltender, als es der erste Eindruck erwarten ließe. So sagen nur 24 Prozent, dass sie bei der Strategieausführung eine führende Rolle innehätten; 66 Prozent sehen sich hier in der Supportfunktion. Genau dies hört man gerade in Gesprächen mit denjenigen CFOs, die inzwischen CEO geworden sind: Sie sind trotz allen strategischen Selbstverständnisses als Finanzvorstand meist doch überrascht, wie viel mehr strategische Verantwortung die Rolle des Vorstandsvorsitzenden in sich trägt.

Gute Beziehungen zur IT nutzen

Dies wird besonders deutlich bei Veränderungsprozessen. Wenn es um Fragen geht wie die Einbindung wichtiger Stakeholder beim Thema Business Transformation, um Erfolgsmessung oder das Ausformulieren von Gründen für einen nötigen Veränderungsprozess, sehen sich nur jeweils gut 30 Prozent der CFOs in einer Führungsrolle.

Aufgrund ihrer einmaligen Einblicke in die finanzielle Gesamtsituation eines Unternehmens sollten CFOs eine sehr viel stärker führende Rolle im Transformation Management ihres Unternehmens einnehmen, argumentieren Oracle und Accenture. Die Finanzvorstände könnten dies zum Beispiel erreichen, indem sie sich gezielt in Themen wie die Modellierung neuer Geschäftsmodelle einarbeiten. Auf Basis dieses Wissens könnten sie dann sehr viel stärker an der Formulierung einer Strategie mitwirken als bisher. Zudem hätten CFOs es in den vergangenen Jahren fraglos geschafft, ihre eigene Finanzabteilung schlanker, effizienter, leistungsstärker und innovativer zu machen. Auch dieses Wissen könnten sie gezielt in den Transformationsprozess des Gesamtunternehmens einbringen. Und die Nähe des CFO zum CIO bringe schlussendlich eine – freiwillige oder unfreiwillige – IT-Kompetenz mit sich, die sich auch und gerade in Veränderungsprozessen positiv bemerkbar machen sollte. Die grundlegenden Voraussetzungen für eine erfolgreiche strategische Arbeit bringen die CFOs also mit.

Oracle und Accenture zeigen damit zweierlei: Erstens bestätigt ihre Studie, dass CFOs sich immer stärker in Strategieprozesse involviert sehen möchten; zweitens zeigt sich aber auch, dass es in vielen Fällen hierzu noch ein weiterer Weg ist, als mancher CFO sich selbst gerne eingestehen möchte.

armin.haeberle[at]finance-magazin.de