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Chinesische Führungskräfte kehren heim

Sogenannte „Sinodirektoren“ scheinen für in China tätige Unternehmen die idealen Kandidaten für das Management der dortigen Tochtergesellschaften zu sein.
Thinkstock / Getty Images

Für deutsche Unternehmen ist es schwer, die richtigen Mitarbeiter für ihre Tochtergesellschaften in China zu finden – gerade in der Finanzabteilung. Viele glauben, dass ein gemischtes Management aus Expatriats aus der deutschen Zentrale und lokalen Managern die ideale Lösung ist, um das Finanzmanagement im Reich der Mitte aufzubauen.

Doch es gibt noch einen dritten Weg. „Sogenannte Sinodirektoren sind der Königsweg für Unternehmen, die in China tätig werden wollen“, glaubt Tobias Busch, Geschäftsführer der auf China spezialisierten Personalberatung Personal Global. Sinodirektoren sind chinesisch-stämmige Führungskräfte, die in China aufgewachsen sind, im Westen studiert haben und sowohl im Reich der Mitte als auch im Westen Berufserfahrung gesammelt haben.

Durch diesen persönlichen Werdegang sind die Sinodirektoren schon per se in beiden Kulturen verankert. Der große Vorteil: Sie verstehen die Sprache und sind mit der Kultur verbunden, bringen aber gleichzeitig westliches Managementknowhow mit, das im Gegensatz zum chinesischen Führungsstil stark anwendungs- und lösungsorientiert ist. „Sinodirektoren verbinden das Wissen um deutsche Prozesse mit chinesischer Flexibilität und können so ohne Probleme die Brücken zwischen den beiden Kulturen schlagen“, sagt Busch.

Gute Karrierechancen für Sinodirektoren

Dem Personalberater zufolge gibt es derzeit rund 10.000 Sinodirektoren mit deutschem Hintergrund. Der Anteil von Männern und Frauen ist ungefähr gleich groß.  Viele Chinesen zieht es aus familiären Gründen zurück in die Heimat: „Ein starkes Verantwortungsgefühl gegenüber den Eltern, die immer älter werden und gegebenenfalls schon pflegebedürftig sind, lässt die Sinodirektoren heimkehren“, sagt Busch. Zudem seien ihre Karriereoptionen in China besser. „Chinesen tun sich häufig schwer, in Deutschland in Führungspositionen befördert zu werden, da sie oft etwas zurückhaltend sind und nicht so selbstbewusst auftreten wie ihre deutschen Kollegen.“

In China wollten sie insbesondere für internationale Unternehmen tätig sein, da sie die dortigen Freiheiten und die Leistungsorientierung zu schätzen wissen. Den Zwängen in einem traditionell chinesischen Unternehmen wollten sie nicht mehr unterliegen, in denen manche Positionen beispielsweise nicht allein aufgrund von fachlicher Qualifikation vergeben werden, sondern auch familiäre Verbindungen eine Rolle spielen.

Doch auch für die Arbeitgeber bietet sich ein Vorteil. Ein großes Problem, das vielen Unternehmen in China begegnet: Arbeitnehmer wechseln in China schon für eine leichte Gehaltssteigerung die Stelle. „Das ist bei Sinodirektoren nicht der Fall. Sie sind keine Jop-Hopper“, betont Busch. „Im Gegenteil, sie wissen aufgrund ihrer Erfahrungen die Vorzüge eines guten Arbeitgebers zu schätzen – erwarten dafür aber auch ein Gehalt auf westlichem Niveau.“

sabine.paulus[at]finance-magazin.de

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Sabine Paulus ist seit 2008 Redakteurin beim Fachmagazin FINANCE und der Online-Publikation DerTreasurer. Ihre Themenschwerpunkte sind Personal, Organisation, Karriere und Finanzierung. Sie ist M.A. und hat an der Universität Konstanz unter anderem das Hauptfach Deutsche Literatur studiert.

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