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„Der CFO darf nicht zu viele Freunde haben“

Fraport-CFO Matthias Zieschang berichtet im FINANCE-Podcast von seiner Karriere.
Fraport

Die neue Folge unseres Karriere-Podcasts „Future CFO“ ist da. Diesmal zu Gast: der Fraport-Finanzchef Matthias Zieschang. Im FINANCE-Podcast blickt der 60-Jährige mit Ole Jendis und Paul Taaffe auf seine Karriere zurück – über den gescheiterten Börsengang bei der Bahn bis zur Milliardenrefinanzierung bei Fraport.

„Steinbruchjahre“ bei der Deutschen Bahn

Zieschang studierte VWL und BWL in Darmstadt. Letzteres studierte er aus Pragmatismus nicht aus Begeisterung, „weil man mit VWL kein Geld verdienen kann“. Nach seiner Promotion begann er seine Karriere als Referent im Finanzbereich des Chemiekonzerns BASF. Zieschang würde Menschen am Anfang ihrer Karriere durchaus empfehlen, ebenfalls in ein solch großes, weitgehend perfektioniertes Unternehmen zu gehen und dieses als Sprungbrett zu nutzen. „Man kann von einem Dax- oder MDax-Unternehmen in den Mittelstand wechseln, aber nicht umgekehrt“, erklärt der Fraport-CFO im FINANCE-Podcast.

Im Jahr 1994 wechselte Zieschang zur neu gegründeten Deutschen Bahn AG. „Der Schock hätte nicht größer sein können. Hätte ich gewusst, wie es ist, hätte ich die Stelle definitiv nicht angenommen“, gibt er mit einigen Jahren Abstand offen zu. „In den ersten Monaten habe ich den Wechsel mehr als einmal bereut“, sagt Zieschang im Podcast. 

„Den Wechsel zur Deutschen Bahn habe ich anfangs bereut.“

Bei der Bahn musste Zieschang als Hauptabteilungsleiter den Bereich Finanzstrategie und Planung personell neu aufstellen. Nur drei Kolleginnen behielt er aus dem vorherigen Team. Die restlichen Mitarbeiter rekrutierte er direkt von Hochschulen. „Was ich in diesen Steinbruchjahren gelernt habe, war enorm“, so Zieschang.

Zieschang als CFO von Fraport

Im Jahr 2007 folgte der nächste Karriereschritt: Zieschang wird Finanzchef beim Flughafenbetreiber Fraport. Im Podcast erzählt der Vater von vier Kindern davon, wie er die Coronakrise meisterte. Die Erfahrungen, die er bei der Bahn gemacht hatte und besonders die Restrukturierung als CFO bei Scandlines hätten ihm sehr geholfen. Nachdem die Passagierzahlen Ende März 2020 um 98 Prozent einbrachen, besorgte Zieschang innerhalb von vier Wochen 1,2 Milliarden Euro am Kapitalmarkt. FINANCE kürte ihn für sein entschlossenes Handeln zum CFO des Jahres 2020

FINANCE-Köpfe

Dr. Matthias Zieschang, Fraport AG

Zieschang ist von 1990 bis 1994 bei der BASF Referent im Finanzbereich. 1994 wechselt er zur neu gegründeten Deutsche Bahn AG, wo er als Hauptabteilungsleiter den Bereich Finanzstrategie und Planung aufbaut. 1997 übernimmt er den Bereich Projekt- und Beteiligungsfinanzierung. Außerdem wird er in Personalunion zum Geschäftsführer der Deutsche Bahn Projekt Finanzierungs-GmbH ernannt. Von 1999 bis 2001 entsendet ihn Bahn-CFO Diethelm Sack als CFO (Ressorts Finanzen, Controlling, IT) zur sich in der Krise befindlichen Reederei Scandlines, die saniert und anschließend verkauft werden kann.

2001 bis 2007 ist er CFO des ebenfalls restrukturierungsreifen Teilkonzerns Deutsche Bahn Netz AG, wo er das Ressort Finanzen und Controlling sowie den Unternehmensbereich Zugbildungsanlagen verantwortet und sich stark für den beabsichtigten Börsengang des Bahnkonzerns engagiert. Dann kommt das reizvolle Angebot, allein verantwortlicher CFO eines börsennotierten Konzerns und gleichzeitig für die internationalen Beteiligungen zuständig zu sein: Seit April 2007 ist Zieschang Finanzvorstand des Flughafenbetreibers Fraport

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Zusätzlich musste am Personal gespart werden. Zieschang berichtet, dass beispielsweise 50 Prozent der Controller entlassen wurden. Überraschenderweise ist das Controlling laut Zieschangs Einschätzung nicht schlechter geworden: „Durch Corona wurde Fraport effizienter aufgestellt. Der Vorteil einer essentiellen Krise ist, dass man eine harte Restrukturierung durchsetzen kann“, erklärt Zieschang im Podcast.

„Durch Corona wurde Fraport effizienter aufgestellt.”

Das bringt Finanzchefs nur selten die Sympathien seiner Kollegen ein. „Der CFO ist nicht der Kassenwart, sondern muss steuern. Wenn der CFO zu viele Freunde hat, macht er seinen Job falsch“, findet Zieschang.

Wie Matthias Zieschang den gescheiterten Börsengang der Bahn verkraftete, warum er findet, dass Netzwerken überbewertet ist, und warum die Zeit bei der Bahn wie bei einem Start-Up war, erfahren Sie im Podcast. Die ganze Folge mit Matthias Zieschang können Sie hier hören. Außerdem finden Sie unseren „Future CFO“-Podcast bei Spotify, Apple Podcast und Audible.

eva.brendel[at]finance-magazin.de

Info

Diese und weitere Folgen des Podcasts „Future CFO“ finden Sie hier. In der letzten Folgen waren Tanja Dreilich und Eckhard Schultz zu Gast. Abonnieren Sie unseren Podcast, damit Sie keine Folge mehr verpassen!