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Ehre für Joe, Ärger für Lagarde

Deutsche Bank/Mario Andreya (links), MEDEF

Anerkennung

Was wurde auf ihn geschimpft, wie oft wurde er gescholten, und doch: Irgendwie –  so hat man den Eindruck – wird dem Finanzzirkus in Frankfurt schon etwas fehlen, wenn Joseph Ackermann weg ist. Die Hauptversammlung war so gut besucht wie nie zuvor, Aufsichtsratschef Clemens Börsig dankte dem „lieben Joe“, und der schaffte es, gleichzeitig selbstkritisch, zufrieden und wehmütig zu  wirken. Und er drückte sogar ein Tränchen aus dem Augenwinkel, das volle Abschiedsprogramm, ganz großes Kino. So kennt die Branche ihn, so hassliebt sie ihn. Zu seinem letzten großen Auftritt hatte der große Dramaturg nochmal die geballte Aufmerksamkeit auf sich vereint. Fast konnte man meinen, der Abgang des Schweizers sei das einzige Großereignis des Tages gewesen. Es sei ihm gegönnt, immerhin geht man nur einmal. Also, alles Gute! Wir alle werden von nun an mit deutlich weniger Ackermann auskommen müssen. Es wird uns gelingen.

Missgunst

Es ist nicht gerade so, dass Politiker in der Bevölkerung ein wahnsinnig hohes Ansehen genießen. Das mag nicht immer berechtigt sein. Christine Lagarde dagegen hat den Sturm der Entrüstung, der seit Tagen auf sie einprasselt, selbst losgetreten. Die Griechen sollten sich selber helfen, indem sie ihre Steuern zahlen, sagte Lagarde dem Guardian. Diese Äußerung allein sorgte in Griechenland schon für Stimmung. Nicht wenige lasen im Sub-Text heraus, dass Steuern zahlen für viele Griechen eine völlig neue Erfahrung sei. Entsprechend groß war der Aufschrei, als sich kurz darauf herausstellte, dass Lagarde diejenige ist, die keine Steuern zahlt.  Als IWF-Mitarbeiterin muss sie das auch nicht,  ein steuerfreies Salär zählt zu den Vorzügen ihres Amtes. Es ist ein Privileg, das ihr viele seit dieser Woche weniger gönnen werden als zuvor.

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