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Ein Anwalt wird zum Star, ein Star wird zur Schnarchnase

Freshfields / Getty

Aufgeweckt

Das nennt man einen Coup: Durch eine trickreiche Finte spart VW bei der Übernahme von Porsche 1,5 Milliarden Euro Steuern. Das gelingt, indem der Dax-Konzern auf den Kaufpreis noch eine Stammaktie drauflegt, und schon sieht der Deal aus steuerlicher Sicht ganz anders aus. Monatelang haben die Steuerexperten bei VW nach einem solchen Schlupfloch gesucht. Gefunden haben es schließlich die beiden Freshfields-Anwälte Wilfried Schäfer (Foto) und Martin Schiessl gemeinsam mit den Steuer-Spezialisten einer großen WP-Gesellschaft. Von diesem Geistesblitz wird die Steuer-Community noch lange schwärmen, und Schäfer kann noch in zwanzig Jahren seinen Freunden am Tresen davon erzählen, wie er zum Preis einer Stammaktie (115 Euro) 1,5 Milliarden Euro gefunden hat. Und seine Kanzlei dürfte bei VW nun einen ganz dicken Stein im Brett haben. Wenn man so nicht Mitarbeiter des Monats wird, wie dann?

Verpennt

Als großer M&A-Stratege wollte der frühere Eon-Chef Wulf Bernotat in die Firmengeschichte eingehen, jetzt steht er endgültig als Visionär ohne Blick für das Operative da. Ein internes Papier, das gestern an die Presse gelangte, zeigt, wie sehr Bernotat und die anderen Vorstände um den noch immer amtierenden CFO Marcus Schenck die Zügel schleifen ließen. In einer großangelegten Prozessanalyse hat die Beratungsfirma Hackett Bernotats Nachfolger Johannes Teyssen jetzt aufgezeigt, wie viel Sparpotential 13 Jahre nach der Fusion von Veba und Viag zu Eon immer noch brachliegt: Demnach ist zum Beispiel die Kreditorenbuchhaltung nur zu 40 Prozent integriert – vergleichbare Konzerne erreichen einen Wert von 87 Prozent. In der Personalverwaltung arbeiten die Konzernteile so gut wie gar nicht zusammen, während andere Großunternehmen einen Integrationsgrad von 90 Prozent erreichen. Jetzt versucht Teyssen in einem Kraftakt, das Versäumte nachzuholen. Bis 2015 sollen Personalverwaltung und Rechnungswesen in zwei zentralen Shared Service-Centers in Berlin und Cluj (Rumänien) zusammengeführt werden. Seit der Großfusion wären dann 16 Jahre vergangen – das ist selbst für einen verknöcherten Versorgungsriesen ein Armutszeugnis.

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