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Fall Günther: Polizei verhaftet möglichen Säureattentäter

Im März 2018 war der heutige Fortum-Finanzchef Bernhard Guenther von zwei Tätern angegriffen und mit Säure überschüttet worden. Foto: Fortum/Rudolf Wichert

Neue Entwicklung im Fall des Säureattentats auf den ehemaligen Innogy-CFO Bernhard Günther: Fast vier Jahre nach dem Säureattentat auf den Finanzchef hat die Polizei nun in Belgien einen Tatverdächtigen festgenommen. Wie die Staatsanwaltschaft Wuppertal mitteilte, klickten die Handschellen in der belgischen Provinz Limburg. Letztlich hatte eine am Tatort gefundene DNA-Probe die Ermittler auf die Spur des mutmaßlichen Täters geführt.

Der 41-Jährige steht unter dringendem Verdacht, am 4. März 2018 zusammen mit einem Komplizen den ehemaligen Innogy-CFO Bernhard Günther beim Joggen in der Nähe von dessen Haus in Haan bei Düsseldorf aufgelauert und ihn mit Säure übergossen zu haben. Der mutmaßliche Täter, gegen den ein europäischer Haftbefehl vorliegt, dürfte schon bald nach Deutschland ausgeliefert werden. Insgesamt werde gegen vier Verdächtige ermittelt, heißt es.

Festnahme ist nicht die erste im Fall Günther

Der damalige Innogy-Finanzchef Günther hatte den Anschlag schwer verletzt überlebt, schwebte aber zeitweise in Lebensgefahr. Die beiden Täter sollen laut seiner damaligen Beschreibung nicht maskiert und zwischen 20 und 30 Jahre alt gewesen seien. Die Ermittler tappten zunächst im Dunkeln, die Staatsanwaltschaft hatte die Ermittlungen sieben Monate nach der Tat vorerst einstellen müssen.

Ein Jahr nach dem Säureanschlag konnte die Polizei schon einmal einen Tatverdächtigen präsentieren und diesen verhaften. Der damals 32-jährige Verdächtige war später jedoch aus Mangel an Beweisen wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Auch das Motiv ist bis heute nicht abschließend geklärt, vermutet wurde jedoch, dass ein mit Günther konkurrierender Manager die Tat beauftragt haben könnte.

Es war nicht das erste Mal, dass Günther überfallen wurde: Bereits sechs Jahre zuvor war er schon einmal beim Joggen zusammengeschlagen worden, die Tat geschah ebenfalls an einem Sonntagmorgen auf einem abgeschiedenen Fußweg. Auch sie konnte bis heute nicht aufgeklärt werden.

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Säureanschlag auf CFO traf auch Innogy hart

Der Säureanschlag kam für Günthers damaliges Unternehmen Innogy zu einem schwierigen Zeitpunkt. Denn nur zwei Jahre nach der Innogy-Abspaltung 2016 verkaufte die Innogy-Mutter RWE die Ökostrom- und Netztochter an den Konkurrenten E.on und Innogy drohte die Zerschlagung. Im Gegenzug erhielt RWE zahlreiche E.on-Aktivitäten und eine Beteiligung an dem Energiekonzern.

Innogy-Vorstand Hans Bünting musste bis auf Weiteres kommissarisch die Verantwortung für den Finanzbereich übernehmen, nur wenige Tage bevor Innogy ins Zentrum des milliardenschweren M&A-Deals geriet. CFO Günther kämpfte sich aber schnell zurück ins Berufsleben: Nach der Behandlung in einer Spezialklink hatte der CFO seine Arbeit schon zwei Monate nach dem Attentat wieder aufgenommen

Günther seit Februar 2021 Finanzchef von Fortum

CFO Bernhard Günther blieb auch nach dem Abschluss des Deals 2019 zunächst an Bord, wechselte jedoch nach 20 Jahren bei RWE-Einheiten im Februar dieses Jahres als Finanzvorstand zum finnischen Energiekonzern Fortum, zu dem auch der deutsche Energieversorger Uniper gehört. Die Finnen, die aktuell einen Börsenwert von 23,3 Milliarden Euro haben, hatten sich jahrelang eine Übernahmeschlacht mit der ehemaligen E.on-Tochter Uniper geliefert.

Jetzt hofft Günther, dass der Säureanschlag gegen ihn endlich aufgeklärt wird: „Ich freue mich sehr über diesen wichtigen Fortschritt des Ermittlungsverfahrens. Durch die Festnahme erhoffe ich mir, unserem Ziel ein großes Stück näher gekommen zu sein, die Mittelsmänner und den Auftraggeber dieses Angriffs auf mich zu identifizieren“, wird er in einem Statement seines Anwalts zitiert, das FINANCE vorliegt. „Unsere Beharrlichkeit zahlt sich aus. Wir geben nicht auf.“

Günthers rechtlicher Vertreter, Martin Meinberg, appellierte noch einmal an etwaige Mitwisser: „Wie wir erfahren haben, hat dieser überraschende und gut orchestrierte Einsatz der Polizei im Zusammenwirken mit belgischen Kollegen für große Unruhe in den einschlägigen Kreisen gesorgt“, sagt er. „Deshalb bleibt unsere Botschaft an alle, die etwas in diesem Fall wissen: Wenn Sie etwas zu sagen haben, dann können Sie sich an uns, die Anwälte des Herrn Dr. Günther, wenden.“

thomas.holzamer[at]finance-magazin.de

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Thomas Holzamer ist Redakteur bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Banken-Sektor, speziell das Firmenkundengeschäft. Er hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Thomas Holzamer mehr als 12 Jahre in den Redaktionen der Mediengruppe Offenbach-Post, zunächst als verantwortlicher Redakteur für Sonderpublikationen, später im Lokalen.