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Finanzabteilung und Home Office sind schwer zu vereinbaren

Immer mehr Firmen institutionalisieren flexible Arbeitszeitmodelle wie Gleitzeit, Vertrauensarbeitszeit und Home Office.
Thinkstock / Getty Images, Photodisc

Zuhause zu arbeiten ist nicht sinnvoll. Das glaubt zumindest Yahoo-Konzernchefin Marissa Mayer, die sich dazu entschieden hat, das Home-Office-Programm des Internetkonzerns vorerst einzustellen. Die 37-Jährige ist überzeugt davon, dass eine Face-to-Face-Kommunikation die Zusammenarbeit der Mitarbeiter fördert. In deutschen Unternehmen setzt sich beim Thema flexible Arbeitszeitmodelle eher der Gegentrend durch. „Bei Puma gehören flexible Arbeitszeitmodelle schon sehr lange zur Unternehmensphilosophie“, sagt Frank Waechter, Head of Group Treasury & Insurance bei dem Sportartikelhersteller. Puma greift dabei auf ein Gleitzeitmodell zurück. „Die Besonderheit dabei ist, dass die Arbeitszeiten der Mitarbeiter erfasst werden, es aber keine Kernarbeitszeit gibt“, sagt Waechter. Von morgens sechs Uhr bis abends 23 Uhr ist dabei alles möglich.

Otto hat 2000 auf eine flexible Gestaltung der Arbeitszeit umgestellt

Der Einzelhandelskonzern und handelsnahe Dienstleister Otto hat im Jahr 2000 von einer betrieblichen Kernarbeitszeit auf eine flexible Gestaltung der Arbeitszeit umgestellt. „Otto setzt auf ergebnisorientiertes Arbeiten – Ort und Zeit sind dabei nebensächlich, sofern die betrieblichen Belange diese Flexibilität ermöglichen“, sagt Arne Herbst, Bereichsleiter Recruitment & Beratung Personal bei Otto. „Innerhalb des Arbeitszeitrahmens von 6 Uhr morgens bis 21 Uhr abends können unsere Mitarbeiter ihre Arbeitszeit und Pausen unter Berücksichtigung gesetzlicher Regelungen somit eigenverantwortlich bestimmen. Wir ermuntern unsere Mitarbeiter zudem, diese Möglichkeit auch zu nutzen und bieten ihnen darüber hinaus den mobilen Zugriff auf alle arbeitsnotwendigen Systeme, so dass sie jederzeit von unterwegs oder von zu Hause aus arbeiten können.“

Keine vollen Homeofficeplätze bei Puma

Auch bei Puma ist Home Office möglich. „Unsere Mitarbeiter können nach individueller Absprache regelmäßig einen Tag von zuhause arbeiten“, sagt der Leiter Treasury von Puma. Das ist insbesondere für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf praktisch und hilfreich. „Es gibt aber keine vollen Home-Office-Plätze bei uns.“ Das sei nur eine Ergänzung zum regulären Arbeiten im Büro. „Die Arbeit muss dann so verteilt werden, dass explizite Absprachen im Büro stattfinden können“, sagt Waechter.

Flexible Arbeitszeitmodelle setzen sich auch in der Finanzabteilung durch

Doch Puma und Otto sind in Deutschland keine Einzelfälle. Immer mehr Firmen institutionalisieren flexible Arbeitszeitmodelle wie Gleitzeit, Vertrauensarbeitszeit und Home Office im eigenen Unternehmen. Die Finanzabteilungen sind trotz des immensen Arbeitspensums, dem Vier-Augen-Prinzip, den vertraulichen Gesprächen mit Finanzierungspartnern und der erforderlichen hohen Datensicherheit nicht davon ausgeschlossen.

„In einigen Bereichen, wie zum Beispiel in der strategischen Unternehmensfinanzierung, sind die Möglichkeiten einer flexiblen Arbeitszeitgestaltung deutlich höher als in anderen Bereichen“, sagt Boris Jendruschewitz, Direktor Konzern-Finanzen bei der Otto Group. „Hier machen die Mitarbeiter durchaus gern von den Möglichkeiten Gebrauch und passen ihre Arbeitszeiten an den wechselnden Arbeitsanfall an.“ In anderen Bereichen seien die Mitarbeiter in ihrer Tätigkeit abhängig von externen Dritten oder Cut-Off-Zeiten und müssten sich an festgelegte Arbeitszeiten anpassen. „Deshalb können sie eher seltener ihre Arbeitszeit flexibel gestalten oder vom Homeoffice aus arbeiten“, sagt Jendruschewitz. „Dies trifft beispielsweise auf die Mitarbeiter in den buchhaltungsnahen Bereichen zu.“

Mehr als ein Tag im Home Office in der Finanzabteilung nicht möglich

Dennoch setzt sich das Home-Office-Modell immer mehr in Deutschland durch. Bei rund einem Viertel der Unternehmen in Deutschland gehört das Modell „Home Office“ beispielsweise zur festen Unternehmensstrategie, ergab die Workplace Studie des Personaldienstleisters Robert Half, die im Mai und Juni 2012 unter mehr als 1.770 Führungskräften durchgeführt worden ist. Rund 40 Prozent der befragten Unternehmen haben sogar schon Richtlinien für Home-Office-Strukturen für ihre Mitarbeiter entwickelt.

„Immer mehr Unternehmen bieten ihren Führungskräften Home-Office-Positionen an“, sagt Inessa Kulich, Associate Director bei Robert Half International. „Das ist dort deutlich einfacher, da für die leitenden Angestellten außertarifliche Regelungen gefunden werden können.“ Ein bis maximal zwei Tage sei bei der Heimarbeit möglich. „Mehr ist nicht sinnvoll“, ist Kulich überzeugt, „da das Daily Business und die Schnittstellenarbeit mit anderen Abteilungen nur vor Ort im Büro sinnvoll abgewickelt werden kann.“ Karl Markel, Geschäftsführer bei der Personalberatung Treasury Executives 53°, ergänzt: „Gerade im Treasury ist das Homeoffice von untergeordneter Bedeutung, da die Unternehmen ihre Geldgeschäfte, aus Vertraulichkeitsgründen, gerne innerhalb der eigenen Räume abgewickelt haben möchten“. Vereinzelt komme es aber auch dort vor.

Bei leitenden Treasurern, Controllern und Accountern ist Markel zufolge Vertrauensarbeitszeit die Regel. „Mehr als 40 Stunden die Woche zu arbeiten, ist vollkommen normal“, sagt Markel. Da herrsche allerdings auch Konsens zwischen den Führungskräften und den Unternehmen. „Flexibilität drückt sich höchstens darin aus, dass der Stelleninhaber seine Zeit im vollsten Umfang zur Verfügung stellt, am besten im Büro“, sagt Markel, der während seiner beruflichen Laufbahn selbst als Leiter Treasury und CFO tätig war, schmunzelnd und mit einem leicht ironischen Unterton. Einen Anspruch auf Teilzeit gebe es nur auf der Referenten- und Sachbearbeiterebene, da man sich dort im Tarifbereich befände. „Ich habe noch keinen CFO und keinen Leiter Treasury in Teilzeit gesehen.“

Junge Mitarbeiter wollen flexible Arbeitszeitmodelle

Auch beim Employer Branding, der Mitarbeitergewinnung und -bindung spielen flexible Arbeitszeitmodelle eine immer wichtigere Rolle. Das zeigt die Workplace Survey des Personaldienstleisters Robert Half ebenfalls. „Über 90 Prozent glauben, dass flexible Arbeitszeitmodelle dabei helfen, die Suche nach neuen Mitarbeitern und deren Bindung an das Unternehmen zu erleichtern“, sagt Inessa Kulich von Robert Half. Das sieht Frank Waechter, Head of Group Treasury & Insurance von Puma, ähnlich: „Gerade für jüngere Mitarbeiter sind flexible Arbeitszeitmodelle ein Argument für eine Stelle. Ich suche derzeit noch ein Teammitglied. In den Bewerbungsgesprächen spreche ich die verschiedenen flexiblen Möglichkeiten bei der Arbeitszeitgestaltung explizit an.“ Das passe zu einem Sportartikelhersteller. „Bewegung gehört bei Puma zum Programm.“

sabine.paulus[at]finance-magazin.de

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Sabine Paulus ist seit 2008 Redakteurin beim Fachmagazin FINANCE und der Online-Publikation DerTreasurer. Ihre Themenschwerpunkte sind Personal, Organisation, Karriere und Finanzierung. Sie ist M.A. und hat an der Universität Konstanz unter anderem das Hauptfach Deutsche Literatur studiert.

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