Newsletter

Abonnements

Fixe Vergütung setzt sich bei Aufsichtsräten durch

Gute Aufsichtsräte sind schwer zu finden. Eine steigende Fixvergütung soll dazu beitragen, die gestiegene Komplexität des Amts zu kompensieren.
Jirsak/iStock/Thinkstock/Getty Images

Ein Netzwerk aus früheren Kollegen und Bekannten aus der Branche reicht nicht mehr aus, um einen Aufsichtsrat zu besetzen: Regulatorische Vorgaben und spezielle Fach- und Branchenkenntnisse spielen eine immer größere Rolle bei der Auswahl der Aufseher, so das Ergebnis des „Board Index 2016“ des Personaldienstleisters Spencer Stuart. Für den Index wurden öffentlich zugängliche Daten von 67 deutschen Unternehmen aus dem Geschäftsjahr 2015 ausgewertet.

Eine Erkenntnis: Die Vergütung der Aufsichtsgremien wird immer transparenter. Mehr als 70 Prozent der Unternehmen verzichten im Aufsichtsrat mittlerweile vollständig auf erfolgsorientierte Vergütungskomponenten. Stattdessen soll eine höhere fixe Vergütung die steigende Komplexität der Aufgabe ausgleichen.

Fixvergütung bei Linde am höchsten

Gegenüber der Voruntersuchung im Jahr 2014 ist die fixe Vergütung erneut deutlich gestiegen: Im Durchschnitt erhält ein Aufsichtsratsmitglied der betrachteten Unternehmen nun eine Vergütung von 64.346 Euro, ein Plus von 18 Prozent gegenüber 2014. Deutlich lohnender ist das Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden: Dies bringt durchschnittlich 160.756 Euro ein, stolze 19 Prozent mehr als im Jahr 2014.

Allerdings sind die Spannbreiten enorm: Zwischen 18.000 Euro Fixvergütung bei Volkswagen und 450.000 Euro bei Linde liegt die Vergütung der Aufsichtsratsvorsitzenden Spencer Stuart zufolge bei den untersuchten Unternehmen. Allerdings zahlt VW auch eine erfolgsabhängige Vergütung.  Unternehmen, die dies tun, setzen in der Regel ein niedrigeres Fixgehalt an.

Auch die Teilnahme an Ausschüssen kann sich für Aufsichtsräte auszahlen: Diese vergüten 92,5 Prozent der analysierten Unternehmen noch zusätzlich. 72 Prozent der Unternehmen zahlen ein separates Sitzungsgeld.

Prüfungsausschuss der Deutschen Bank tagt am häufigsten

Differenziert betrachten die Unternehmen die Mitarbeit im Prüfungsausschuss, der sich mit Fragen zum Jahresabschluss, dessen Prüfung sowie zum internen Kontrollsystem befasst. Dort engagieren sich häufig vormalige CFOs, wenn sie in einen Aufsichtsrat einziehen. Knapp zwei Drittel der analysierten Unternehmen gewähren ihren Prüfungsausschussmitgliedern eine höhere Vergütung als den Mitgliedern der übrigen Ausschüsse. Der Prüfungsausschuss, das sogenannte Audit Committee, ist inzwischen Standard: 98,5 Prozent der untersuchten Konzerne haben einen Prüfungsausschuss eingerichtet.

Durchschnittlich tagt der Prüfungsausschuss an 5,2 Sitzungen pro Jahr und damit häufiger als alle anderen Ausschüsse. Doch gibt es auch hier eine große Spannbreite: Der Prüfungsausschuss der Deutschen Euroshop tagte Spencer Stuart zufolge im betrachteten Zeitraum nur einmal, die Prüfungsausschüsse der Software AG sowie von Fresenius kamen je drei Mal zusammen.

Deutlich häufiger mussten dagegen die Aufsichtsratsmitglieder ran, die sich für den Prüfungsausschuss der Deutschen Bank gemeldet haben: Dort tagte das Gremium ganze 17 Mal, so häufig wie in keinem anderen der betrachteten Unternehmen. Damit tagte der Prüfungsausschuss deutlich häufiger als der Aufsichtsrat insgesamt, der bei der Deutschen Bank in diesem Zeitraum immerhin zehn Mal zusammentraf. Spencer Stuart sieht die vielen Treffen des Audit Committee als einen Beleg dafür, „dass die Kontrollaufgaben des Aufsichtsrats und der damit verbundene Aufwand nachhaltig gestiegen sind“.

Compliance-Kenntnisse sind deutlich stärker gefragt

Wer in einen Aufsichtsrat einziehen will, braucht  Führungserfahrung. Dies ist nach wie vor die wichtigste Voraussetzung für ein Aufsichtsratsmandat. 68 Prozent der Anteilseignervertreter verfügen über Leitungserfahrung in Unternehmen (Mehrfachnennungen bei Kompetenzen waren möglich). Allerdings gewinnen andere Erfahrungen an Bedeutung: Der Anteil von Aufsichtsratsmitgliedern mit Digitalisierungskompetenz ist gegenüber der vorangegangenen Untersuchung um 2 Prozentpunkte auf 20 Prozent gestiegen. Auch Kenntnisse im Bereich Recht und Compliance sind nun stärker gefragt: Gut 9 Prozent der Anteilseignervertreter bringen diese inzwischen mit, gegenüber 5,6 Prozent bei der vorherigen Analyse 2014.

Über spezifisches Finanzwissen verfügen rund 48 Prozent der Anteilseignervertreter, ein nahezu konstanter Wert. Betrachtet man nur die Frauen, gab es eine starke Entwicklung: Noch 2014 brachten nur 35 Prozent der Vertreterinnen spezielle Finanzkompetenz mit, inzwischen sind es rund 49 Prozent. Allerdings haben Spencer Stuart zufolge nur rund 54 Prozent der Anteilseignervertreterinnen Erfahrung in der Leitung eines Unternehmens, ein Rückgang um 5 Prozentpunkte gegenüber der vorherigen Befragung. Die Studienautoren werten dies als mögliches Indiz dafür, dass Aufsichtsratskandidatinnen mit Führungskompetenz derzeit schwer zu finden sind. 

Ex-Chefs sitzen in jedem zweiten Dax-Aufsichtsrat

Mehr als 40 Prozent der Unternehmen haben zudem mindestens ein ehemaliges Vorstandsmitglied im eigenen Aufsichtsrat, im Dax ist es jedes zweite Unternehmen. Prominentestes und umstrittenstes Beispiel dafür ist der vormalige CFO Hans Dieter Pötsch im VW-Aufsichtsrat. Auch beim Schulbuchverlag Klett sitzt der vormalige Finanzchef Arthur Zimmermann im Aufsichtsrat.

Bei Linde hat der langjährige CEO Wolfgang Reitzle als Aufsichtsratschef gerade den 65-Milliarden-Deal mit Praxair mit auf den Weg gebracht – gegen den Widerstand von Teilen des Managements.

+ posts
Augenöffner für Finanzentscheider
Inside Corporate Banking: Die Serie zum Banken-Survey 2022
Jetzt Insights sichern »
Jetzt lesen »
Inside Corporate Banking: Die Serie zum Banken-Survey 2022