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Frauen erobern die Vorstände

Simone Menne leitet seit Mai dieses Jahres das Finanzressort von Lufthansa.
Lufthansa

Der Anteil weiblicher Führungskräfte in den Vorständen großer europäischer Unternehmen ist in den vergangenen zwei Jahren auf 15,6 von zuvor 12,2 Prozent gestiegen. Das geht aus der jüngst veröffentlichten European Board Diversity Study 2012 der Beratungsgesellschaft Egon Zehnder International hervor. Damit ist inzwischen knapp jeder sechste Vorstandsposten von Frauen besetzt. Im Rahmen der Studie wurden die Vorstandspositionen der 353 größten börsennotierten Unternehmen in Europa mit einer Marktkapitalisierung von mindestens 4 Milliarden Euro analysiert. Im Jahr 2004, als Egon Zehnder mit der Studienreihe begann, waren lediglich 8 Prozent der Vorstandspositionen von Frauen besetzt.

Regional gibt es jedoch deutliche Unterschiede: Während die Unternehmen in Skandinavien und in Frankreich wenigstens eine Frau in den Vorstand berufen haben, sind griechische, italienische und niederländische Unternehmen von dieser Quote noch weit entfernt. Rund ein Drittel der untersuchten Unternehmen in diesen Ländern werden ausschließlich von Männern geführt. In Deutschland hatten von den 41 im Rahmen der Studie analysierten Unternehmen immerhin 36 eine weibliche Führungskraft im Vorstand – so wie beispielsweise bei der Lufthansa, dessen Finanzressort seit Mai dieses Jahres von Simone Menne geleitet wird. Sie ist bislang die einzige Finanzchefin eines DAX-Konzerns.

Frauenquoten mit begrenztem Nutzen

Kein eindeutiges Ergebnis liefert die Studie im Hinblick auf die Wirksamkeit von Frauenquoten. So führte Norwegen im Jahr 2008 zwar die Regel ein, dass in börsennotierten Unternehmen bis 2010 mindestens 40 Prozent der Vorstandspositionen von Frauen besetzt werden müssen. Einen ähnlichen Prozentsatz haben börsennotierte Unternehmen in Finnland, Schweden oder Dänemark aber auch ohne den „Druck durch die Quote“ erreicht. Frankreich und Spanien wiederum, die im Jahr 2010 Quotenregelungen eingeführt hatten, verzeichneten seitdem einen rasanten Anstieg weiblicher Führungskräfte in Vorstandspositionen.

Größtes Hindernis einer höheren Frauenquote in Vorstandspositionen ist der Studie zufolge der Mangel an qualifiziertem Personal. Angesichts des unter dem Strich noch geringen Frauenanteils fehlt es perspektivisch an der Seniorität weiblicher Führungskräfte. Das zeigt sich unter anderem an der überschaubaren Zahl weiblicher Vorstandsvorsitzender: Lediglich sieben von 415 Vorstandsvorsitzen waren 2012 von Frauen besetzt – genauso viele wie zwei Jahre zuvor. Nach Einschätzung der Studienautoren wird sich an diesen Zahlen kurzfristig auch nichts gravierendes ändern.

andreas.knoch[at]finance-magazin.de