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Siemens verlängert mit CFO Ralf Thomas

Der Aufsichtsrat von Siemens hat den Vertrag mit CFO Ralf P. Thomas vorzeitig bis 2026 verlängert. Foto: Siemens

Strategische Neuausrichtung, erfolgreiche Carve-outs und gleich mehrere milliardenschwere Übernahmen: Der Siemens Aufsichtsrat kann mit der Arbeit seines CFOs Ralf P. Thomas durchaus zufrieden sein. Und das sind die Aufseher des Industriekonzerns offenbar auch, denn nun hat der Aufsichtsrat den Vertrag mit Thomas einmal mehr vorzeitig verlängert – bis zum Jahr 2026.

Im Fall des aktuell 60-jährigen Finanzchefs ignoriert das Gremium damit die vom Corporate Governance Kodex empfohlene Altersgrenze für Vorstände von 65 Jahren. Diese hatte Siemens in einem Beschluss 2015 hausintern sogar auf 63 gesenkt. Von der Senkung hatte auch Ex-CEO Joe Kaeser Gebrauch gemacht. Der Ex-Siemens Chef hatte seinen Posten im vergangenen Jahr an Nachfolger Roland Busch übergeben. Im Vorfeld war bereits spekuliert worden, dass Kaeser nach zweijähriger Abkühlungszeit 2023 für den Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden kandidieren könnte.

In Bezug auf die Altersgrenze ist Ralf Thomas jedoch nicht alleine: Hans-Dieter Pötsch, Aufsichtsratschef bei Volkswagen und CEO/CFO bei der Beteiligungsholding Porsche SE knackt im Alter von 70 Jahren ebenfalls die Kodex-Empfehlung. Auch in seinem Fall ist der Aufsichtsrat der Auffassung, dass es „im Interesse der Gesellschaft“ sei, dass Pötsch aufgrund seiner „umfassenden Qualifikationen, Kenntnisse und Erfahrungen“ sein Wissen zum „Wohl der Gesellschaft“ einbringen solle,  so die Begründung.

In seiner Mitteilung spart Siemens nicht mit Lob für seinen Finanzvorstand. „Ralf Thomas verfügt über eine herausragende Erfolgsbilanz und war maßgeblich an der Umsetzung der Strategie zur Schaffung eines fokussierten Technologieunternehmens beteiligt“, betont Aufsichtsratschef Jim Hagemann Snabe. Thomas verbinde eine ruhige Hand und viel Erfahrung mit einer klaren Vision für die kommenden Jahre.

Ralf Thomas ist ein Siemens-Eigengewächs

In denen will Ralf Thomas den Unternehmenswert weiter steigern. Die nötige Erfahrung dazu dürfte der Finanzchef in jedem Fall haben, kennt er den Industriekonzern doch so gut wie kaum ein Anderer. Das Siemens-Eigengewächs ist bereits seit 1995 im Unternehmen und hat nahezu seine gesamte Karriere im Konzern verbracht.

Aus der Konzernzentrale wechselt der studierte Betriebswirt 1999 zunächst in die südafrikanische Tochtergesellschaft und ist dort für Bilanzierung, Steuern, Treasury und Controlling zuständig. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland 2001 wird Thomas Performance-Controller in der Healthcare-Sparte und 12 Monate später CFO des Röntgenbereichs, bevor er Ende 2004 die Leitung der zentralen Abteilung Reporting and Controlling in der Siemens-Zentrale in München übernimmt.

CFO-Profil

Ralf Thomas, Siemens

Dr. Ralf P. Thomas

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Siemens AG

Thomas fädelte mehrere Milliarden-Übernahmen ein

Nach der Compliance-Affäre, bei deren Aufarbeitung er unter anderem eng mit dem damaligen CFO Joe Kaeser zusammenarbeitet, wird Thomas im Jahr 2008 Finanzchef des Industry-Sektors von Siemens. Im September 2013 übernimmt er schließlich als CFO der Siemens AG und folgt damit auf Joe Kaeser, der zum CEO aufsteigt. Seit Dezember 2016 ist Thomas zudem für das M&A-Ressort von Siemens verantwortlich.

In Letzterem orchestrierte Ralf Thomas zuvor bereits unter anderem den Kauf von Dresser Rand für 5,8 Milliarden Dollar und den Verkauf der Beteiligung Bosch Siemens Hausgeräte an Bosch für 3 Milliarden Euro plus Vorab-Dividende von 250 Millionen Euro im Jahr 2014. Zuletzt unterstützte der Siemens-CFO den Varian-Deal von Siemens Healthineers, indem er der Medizintechniktochter eine Brückenfinanzierung über 15,2 Milliarden Euro gewährte. Außerdem brachte er die jüngst erfolgte Abspaltung von Siemens Energy sowie den Verkauf der Antriebssparte Siemens Flender auf den Weg. Ursprünglich hatten die Münchener die Einheit im Zuge ihres Konzernumbaus zunächst an die Börse bringen wollen.

„Ich schätze ihn sehr als Kollegen und vertrauenswürdigen Berater, der den Scharfsinn hat, die erfolgreiche Umsetzung unseres Finanzrahmens und ein beschleunigtes, hochwertiges Wachstum zu steuern, das auf der großartigen Leistung von Siemens im Jahr 2021 aufbaut“, lobt CEO Roland Busch. Der bisherige Vertrag des CFOs, den der Aufsichtsrat im September 2017 ebenfalls frühzeitig verlängert hatte, wäre ursprünglich noch bis September 2023 gelaufen.

thomas.holzamer[at]finance-magazin.de

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Thomas Holzamer ist Redakteur bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Banken-Sektor, speziell das Firmenkundengeschäft. Er hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Thomas Holzamer mehr als 12 Jahre in den Redaktionen der Mediengruppe Offenbach-Post, zunächst als verantwortlicher Redakteur für Sonderpublikationen, später im Lokalen.