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So können Buchhalter IFRS-Expertise ergattern

Buchhalter haben verschiedene Möglichkeiten IFRS-Kenntnisse zu erlangen. Diese können die Karriere der Accountants kräftig fördern.
Ingram Publishing/Thinkstock/Getty Images

Buchhalter gehören Personalberatern zufolge derzeit zu den begehrtesten Experten im Finanzbereich. Das Problem: Der Beruf gilt nicht als zukunftsträchtig, viele Stellen sind auf lange Sicht von der Digitalisierung bedroht. Dadurch entscheiden sich derzeit wenige Nachwuchskräfte für die Ausbildung zum Accountant.

Auch die vergleichsweise mäßigen Gehaltsaussichten für Buchhalter schrecken Talente eher ab. So verdient ein Finanzbuchhalter mit sechs bis neun Jahren im Beruf laut dem Personaldienstleister Robert Half gerade einmal zwischen 42.750 und 49.750 Euro im Jahr – deutlich weniger als die Kollegen im Treasury oder Controlling.

Buchhalter können mit CINA IFRS-Kenntnisse belegen

Doch so trist, wie sie aussieht, ist die Lage nicht: Einfache Buchhalter können sich weiterbilden und damit sowohl ihren Marktwert steigern als  auch ihre langfristige Job-Perspektive verbessern. Der Grund: Mittlerweile sind nicht mehr reine HGB-Kenntnisse gefragt, sondern auch internationales Bilanzierungswissen nach IFRS, da nicht nur Konzerne, sondern auch Mittelständler diese Expertise zunehmend brauchen. Speziell in diesem Bereich lohnt es sich für Buchhalter, ihr Wissen zu vertiefen.

Eine Möglichkeit, die notwendigen Fähigkeiten zu erlangen, ist das „Certificate in International Accounting“ (CINA) von der Akademie für Internationale Rechnungslegung. Die Voraussetzungen, die Accountants für diesen Lehrgang mitbringen müssen, sind überschaubar: Bewerber sollten umfangreiche kaufmännische und buchhalterische Kenntnisse besitzen, schreibt die Akademie. Kenntnisse der Rechnungslegung nach HGB und Steuerrecht seien von Vorteil, aber nicht zwingend.

Der Aufwand zur Erlangung des Zertifikats ist allerdings beachtlich: Im Vorfeld bekommen die Teilnehmer zwölf Musterlehrbriefe zugeschickt, die sie bearbeiten und an die Akademie zur Korrektur zurückschicken sollen. Dabei werden Themen wie etwa die Bewertung von Rückstellungen und Schulden nach IFRS und dem amerikanischen Standard US-GAAP abgehandelt. Die Bearbeitung eines solchen Bogens dauert – je nach Vorwissen – fünf bis zehn Stunden.

IFRS bietet Accountants Interpretationsspielräume

Später folgt die sogenannte Präsenzwoche, für die sich die Finanzexperten eine Woche freischaufeln müssen. Diese findet in verschiedenen Großstädten wie Hamburg, Frankfurt, Köln, Berlin, München oder Stuttgart statt. Vor Ort werden die Fragestellungen aus den Lehrbriefen im Detail bearbeitet und anhand zahlreicher Fallbeispiele vertieft. Ziel ist es, dass die Teilnehmer selbstständig mit den Bilanzierungsstandard umzugehen lernen und die teilweise immensen Interpretationsspielräume richtig nutzen.

Um das CINA-Zertifikat zu erhalten, müssen die Teilnehmer am Ende der Anwesenheitswoche eine Prüfung ablegen. Diese dauert zwei bis drei Stunden, enthält einen kleineren Multiple-Choice-Teil, besteht jedoch hauptsächlich aus offenen Fragen und Antworten.

Bislang haben im Schnitt 80 Prozent der Teilnehmer diese Prüfung bestanden. Der Kurs zum CINA kostet inklusive Mehrwertsteuer knapp 4.000 Euro. Bislang haben 5.500 Buchhalter die Fortbildung erfolgreich abgeschlossen.

Auch andere Anbieter wie Peemöller, Haufe und ILS am Markt

Der CINA ist aber nicht die einzige Möglichkeit für Buchhalter, bei IFRS-Themen fit zu werden. Auch andere Anbieter wie der Wirtschaftscampus Peemöller, der Haufe-Verlag, die Studiengemeinschaft Darmstadt und das Institut für Lernsysteme (ILS) sind in dem Bereich aktiv. Der zeitliche Aufwand, um ein Zertfikat zu erlangen, ist unterschiedlich und liegt zwischen drei und zwölf Monaten.

Auch österreichische Buchhalter haben die Möglichkeit, sich internationale Kenntnisse anzueignen. Ihnen steht das „Certificate IFRS Accountant“ (CIFRSA) zur Verfügung, das vom Controller-Institut angeboten wird. In fünf Modulen á drei Tagen werden dort die wichtigsten Unterschiede zum österreichischen Bilanzierungsstandard UGB aufgearbeitet. Die Kosten belaufen sich inklusive Mehrwertsteuer auf 5.950 Euro.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

Info

Wollen Sie aufsteigen? Mehr Gehalt? Nützliche Tipps für Controller, Buchhalter und Wirtschaftsprüfer finden Sie auf der FINANCE-Themenseite Weiterbildung im Finanzbereich.

jakob.eich@finance-magazin.de | + posts

Jakob Eich ist Redakteur der Fachzeitungen FINANCE und DerTreasurer des Fachverlags F.A.Z Business Media, bei dem er auch sein Volontariat absolviert hat. Eich ist spezialisiert auf die Themen Digitalisierung im Finanzbereich und Treasury. Durch seine Zwischenstation bei der Schwesterpublikation „Der Neue Kämmerer“ ist 1988 geborene Journalist auch versiert beim Thema Kommunalfinanzen. Erste journalistische Erfahrungen hat der gebürtige Schleswig-Holsteiner in den Wirtschaftsmedien von Gruner+Jahr sowie in der Sportredaktion der Hamburger Morgenpost gesammelt.

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