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Wenn Finanzchefs einfach aussteigen

Mancher CFO ist ausgebrannt und zieht sich für einige Monate aus dem Berufsleben zurück.
iStock / Thinkstock / Getty Images

Auszeiten entwickeln sich im Topmanagement zu einem neuen Trend. Demnach steigen Spitzenkräfte meist für eine festgelegte Zeit aus dem Unternehmen aus, um neue Kräfte zu sammeln. Eine Studie der Betriebskrankenkassen zum Thema Burnout hebt hervor, dass Stress, Leistungs- und Zeitdruck sowie ständige Erreichbarkeit auf lange Sicht schädlich sein können – und Karrieren dauern heutzutage immer länger. Der Stress durch die komplexe und multipolare Welt nimmt zu. Die Folge: Familie und Freizeit kommen notorisch zu kurz. Der häufigste Grund für Finanzchefs das Berufsleben zu pausieren ist daher Burnout. Den erlitt zum Beispiel der frühere EnBW-CFO Dr. Rudolf Schulten und trat zurück.

Zwar gehen Manager inzwischen offener mit dem Thema um, ihren Namen neben dem Thema Burnout wollen sie dann aber doch nicht lesen. Der CEO und frühere CFO eines MDax-Unternehmens betont gegenüber FINANCE die Bedeutung der Work-Life-Balance: „Unternehmen müssen das Thema aktiv angehen, um private Belange mit den Belangen von Unternehmen in Einklang zu bringen.“

CFOs nehmen Sabbatical, um Burnout vorzubeugen

Um einem Burnout vorzubeugen, lassen sich einige Führungskräfte dienstlich beurlauben und nehmen ein Sabbatical. So arbeitete beispielsweise Lydia Sommer, CFO der im TecDAX gelisteten SMA Solar, mehr als zwanzig Jahre bei Siemens, nahm sich 2011 einen Sabbatical und kam im Herbst 2012 zurück ins Berufsleben, um als CFO bei SMA Solar einzusteigen. Stefan Balaschak, ehemaliger Vorstandsvorsitzender bei Berentzen, ist Ende 2012 ebenfalls ausgestiegen, nachdem er mehr als 20 Jahre als Manager gearbeitet hatte.

Von Seiten der Unternehmen hat sich allerdings auch etwas getan. Betroffene Vorstände erklären gegenüber FINANCE, eine Auszeit sei nicht länger ein Tabuthema und Zeichen der Schwäche, da personelle Ressourcen für den Unternehmenserfolg als wichtig angesehen würden. Seit der Finanzkrise ist die Arbeit belastender und härter geworden. Die Konzerne befinden sich seit mehr als vier Jahren im dauerhaften Krisenmodus, was eine erhöhte psychische Belastung darstellt. Der Verschleiß von Führungskräften stelle somit ein Performancerisiko da, dem vorgebeugt werden müsse, ist aus dem Markt zu hören. Diese Beobachtung gilt laut einer neuen Robert Half-Studie auch für andere Länder wie UK. Kleinere Teams müssen immer höhere Belastungen schultern.

Aus diesem Grund genehmigen Konzerne Sabbaticals. Die britische Großbank Lloyds lädt ihre Führungsebene beispielsweise einmal im Jahr auf ein Spa-Wochenende ein. In diesem Fall sollte der Spa-Besuch ein Präventivschlag gegen Burnout sein und sich positiv auf die Arbeit des Finanzchefs und anderer Führungskräfte auswirken. Diese Beispiele heben allerdings auch die Problematik des Themas Ausstieg hervor, denn auch wenn das Unternehmen einen langfristigen Ausfall seiner Führungskräfte „vermeidet“, so ist dies kurzfristig mit Kosten verbunden.

CFOs nicht komplett verbrennen

Laut einer Studie amerikanischer Wissenschaftler können die Kosten für einen temporären Ausstieg für Unternehmen unter Umständen erheblich sein, denn es müssten Vertretungen gefunden und eingearbeitet werden. „Andererseits ist es für ein Unternehmen gegebenenfalls besser Projekte, in die ein Topmanager verwickelt ist, abzubrechen, als die Führungskraft komplett zu verbrennen, denn Unternehmen können den kurzzeitigen Ausfall des Finanzchefs kompensieren, sagt ein Vorstand der namentlich nicht genannt werden möchte, gegenüber FINANCE.

Die diversen Beispiele belegen, dass der temporäre Ausstieg von CFOs immer häufiger wird. In einigen Fällen kann die Pause sicherlich einen Karrieresprung beflügeln, wenn man sich mit neuen Kräften besser ins Unternehmen einbringen kann. Ein Topmanager sagt zu FINANCE, dass ein Wiedereinstieg ins Unternehmen nach einer kurzzeitigen Pause von wenigen Monaten kein Problem sei, da man seine Batterien aufgeladen habe und deshalb motiviert und leistungsstark ins Unternehmen zurückkehre. „Eine Pause, die über diesen Zeitraum hinausgeht, gefährdet aber eventuell die Karriere, da man sich dem Unternehmen als entbehrlich zeigt“, warnt der Manager.  In anderen Fällen jedoch, wenn Länge und Form des Ausstiegs undefiniert gelassen werden, könnte die Rhetorik des temporären Ausstiegs auch nur eine Floskel sein, um nach Vertragsbeendigung eine mangelnde Neubeschäftigung zu verheimlichen. Auch wenn CFO-Ausstiege und Sabbaticals häufiger werden ist die Akzeptanz noch unklar. Sie können eine Karriere beflügeln oder einen Karriereknick zur Folge haben.

jennifer.gabler[at]finance-magazin.de