Aurelius

01.09.20
CFO

Aurelius-CFO Steffen Schiefer tritt zurück

Aurelius-CFO Steffen Schiefer ist aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten. Bei dem Turnaround-Investor rückte er quasi über Nacht in die erste Reihe und musste gleich mehrere Shortseller-Attacken abwehren.

CFO Steffen Schiefer hat Aurelius verlassen. Der Finanzchef hat das Amt aus gesundheitlichen Gründen mit sofortiger Wirkung niedergelegt, wie die Beteiligungsgesellschaft bekannt gegeben hat. „Wir bedauern das Ausscheiden von Herrn Schiefer außerordentlich und danken ihm sehr für sein jahrelanges und unermüdliches Engagement und die Zusammenarbeit beim Aufbau der Aurelius Gruppe. Wir wünschen ihm alles erdenklich Gute und viel Kraft“, so Aufsichtsratschef Dirk Roesing.

Ein Nachfolger wird bereits gesucht. Bis dahin werden die Aufgaben auf die verbliebenen vier Vorstände verteilt. Schiefer arbeitete seit 2008 für Aurelius und hat für den Turnaround-Investor zunächst als Director Finance den Finanzbereich mit aufgebaut. Seit 2012 verantwortete er als CFO die Bereiche interne und externe Rechnungslegung sowie Bewertung, Steuern, Treasury und Revision. In den Vorstand um CEO Dirk Markus zog Schiefer jedoch erst im Dezember 2017 ein.  

CFO Schiefer musste Shortseller-Attacke abwehren

Aurelius begründete die Beförderung damals damit, dass man den durch das Wachstum gestiegenen Anforderungen an das Führungsgremium gerecht werden wollte. Dass Aurelius bis dahin keinen expliziten Finanzvorstand auswies, brachte dem Investor zuvor Ärger mit dem US-Shortseller Gotham City ein, der zwischenzeitlich anzweifelte, dass Aurelius überhaupt einen CFO hatte. Schiefer wurde bis dahin weder im Geschäftsbericht noch auf der Website als Finanzchef genannt.

Der erste öffentliche Auftritt von Schiefer als Aurelius-CFO war anschließend direkt der Kapitalmarkttag in London, auf dem er sich direkt beweisen und Aurelius gegen die Anschuldigungen von Gotham City verteidigen musste. Der Shortseller hatte der Beteiligungsgesellschaft noch einige Bilanzungereimtheiten vorgeworfen. 

Shortseller-Attacke und Corona setzen Aurelius zu

Schiefer konnte die Aktionäre überzeugen. Der Aktienkurs stürzte Mitte April 2017 nicht weiter ab, sondern näherte sich in den darauffolgenden zwölf Monaten wieder dem Kurs-Niveau vor der Shortseller-Attacke, das bei rund 67 Euro lag.

Von diesem Allzeithoch hat sich Aurelius heute allerdings wieder entfernt. Seit Mai 2018 befindet sich das Papier die Aktie auf Talfahrt. Anfang dieses Jahres geriet Aurelius außerdem erneut ins Visier eines Shortsellers, als Ontake Research eine vermeintlich zu hohe Vergütung der Aurelius-Führung sowie vermeintlich fragliche Methoden bei der Bewertung der eigenen Portfoliounternehmen vorwarf. Auch das belastete die Aktie. 

Aurelius hat millionenschwere Anleihe emittiert

Aktuell steht sie – auch bedingt durch die Coronavirus-Krise – nur noch bei rund 17 Euro. Doch gerade wegen Corona erhofft sich der Turnaround-Investor in den kommenden Monaten lukrative Investmentmöglichkeiten, wie er bei der Vorlage der Halbjahreszahlen Mitte August bekannt gab.

Finanziell hat CFO Schiefer Aurelius für Zukäufe Handlungsspielraum verschafft. Ende 2019 platzierte Aurelius eine 75 Millionen Euro schwere Anleihe, die bis auf 200 Millionen Euro aufgestockt werden kann.