Levin Holle gilt als heißer Kandidat auf den CFO-Posten bei der Bahn.

Bundesministerium der Finanzen

26.11.19
CFO

Bund will Ministerialen zum Bahn-CFO machen

Ministerialer statt Investmentbanker: Offenbar will der Bund einen Abteilungsleiter aus dem Finanzministerium zum neuen Bahn-CFO machen.

Nach dem rüden Abgang von Finanzvorstand Alexander Doll soll die CFO-Stelle bei der Deutschen Bahn nicht lange vakant bleiben. Geht es nach Verkehrsminister Andreas Scheuer, soll dabei aber ein anderer personeller Schwerpunkt gelegt werden, berichtet die Nachrichtenagentur dpa. Anstelle des Ex-Investmentbankers Alexander Doll soll der neue Bahn-CFO aus der Ministerialbürokratie kommen.

Favorit auf den Posten ist nach Recherchen der dpa Levin Holle. Er ist Abteilungsleiter im Bundesfinanzministerium, sitzt aber auch im Aufsichtsrat der Bahn. Bereits bei der nächsten Aufsichtsratssitzung am 11. Dezember soll Aufsichtsratschef Michael Odenwald dem Rest des Gremiums die Personalie vorschlagen.

Levin Holle leitet derzeit unter Finanzminister Olaf Scholz die Abteilung Finanzmarktpolitik. Neben dem Schuldenmanagement des Bundes verantwortet er dort auch die Finanzmarktregulierung. Er hat aber keine klassische Beamtenlaufbahn durchlaufen: Vor seiner Zeit beim Bund arbeitete er 15 Jahre lang für die Boston Consulting Group, wo er am Ende als Senior Partner das Berliner Büro der Unternehmensberatung leitete.

Levin Holle kennt die Deutsche Bahn

Als Aufsichtsrat der Bahn dürfte Holle die Ablösung Dolls eng mitverfolgt haben. Diesem wurden intern vorgeworfen, den bislang erfolglosen Verkaufsprozess für die Konzerntochter Arriva schlecht gemanagt zu haben. Dolls interne Kritiker bemängelten eine intransparente Kommunikationspolitik.

Eine andere Lesart des Abgangs vertrat der „Spiegel“: Demnach soll Doll im Rahmen der Vendor Due Diligence auf Altlasten, unter anderem bei den Pensionsverpflichtungen, gestoßen sein, die sein CFO-Vorgänger und jetziger Bahnchef Richard Lutz nicht offengelegt habe. Zudem soll Doll undurchsichtige Beraterverträge aufgedeckt haben, die die Deutsche Bahn mit ehemaligen Managern abgeschlossen hatte.

Lutz war von 2010 bis Ende 2018 Finanzchef der Bahn. Eigentlich gilt er als Triumphator des Machtkampfs im Bahn-Vorstand. Wenn die Spitzenpolitiker im Kabinett aber einen ihrer Vertrauten in unmittelbarer Nähe von Lutz platzieren, könnte sich dies als Pyrrhussieg erweisen. Medienberichten zufolge soll Lutz als neue Finanzchefin eher die KfW-Bankerin Ingrid Hengster favorisieren.

martin.barwitzki[at]finance-magazin.de