Finanzchefin Barbara Stolz verlässt QSC. Das Unternehmen ist auch dank ihr solide finanziert, operativ aber angeschlagen. Mit Stefan Baustert übernimmt ein krisenerprobter Manager.

QSC

16.12.14
CFO

CFO-Wechsel bei QSC: Barbara Stolz geht, Stefan Baustert kommt

Die enttäuschende Geschäftsentwicklung und die Talfahrt des Aktienkurses führen zu einem CFO-Wechsel bei QSC. Die glücklose Finanzchefin Barbara Stolz zieht sich zurück, Stefan Baustert rückt nach. Stolz ist schon die dritte weibliche Finanzchefin binnen kürzester Zeit, die ihren Posten verliert.

Der unter Druck geratene IT- und Telekommunikationsdienstleister QSC vollzieht einen Wechsel an der Spitze des Finanzressorts: Die erst seit Juni 2013 amtierende Finanzchefin Barbara Stolz – ein QSC-Eigengewächs – wird das Tec-Dax-Unternehmen „in freundschaftlichem Einvernehmen“ zum Jahresende verlassen.

Ihr Nachfolger wird Stefan Baustert, bis zum vergangenen Oktober CFO des inzwischen insolventen Maschinenbauers Rena. Von 2003 bis 2009 war Baustert erst CFO, später auch CEO des Maschinenbauers Singulus, der schon seit vielen Jahren im einer hartnäckigen Krise steckt. Davor war er fünf Jahre lang kaufmännischer Geschäftsführer des Mobilfunkers E-Plus.

Bernd Schlobohm, Gründer und Aufsichtsratschef von QSC, empfängt Baustert mit freundlichen Worten, die aber auch einen Hinweis darauf geben, was von Baustert bei QSC erwartet wird: „Stefan Baustert bringt umfangreiche Erfahrungen in verschiedenen Märkten und Transformationssituationen und unternehmerisches Denken mit. Für die Weiterentwicklung von QSC sind diese Fähigkeiten sehr wertvoll.“

QSC hat Investoren mit Gewinnwarnung schockiert

QSC ist in diesem Jahr vom langjährigen Erfolgskurs abgekommen, der das Unternehmen bis in den Tec-Dax geführt hatte. Noch im Mai bestätigte das Management die Jahresziele für 2014, die noch ein Umsatzwachstum von 456 auf 450 bis 470 Millionen Euro, regulierungsbedingt aber schon einen leichten Rückgang des Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 77,8 auf 60 bis 70 Millionen Euro vorgesehen hatten.

Das zweite und dritte Quartal verliefen aber so enttäuschend, dass QSC im Oktober die Jahresprognose deutlich zusammenstrich: 430 Millionen Euro Umsatz und 40 Millionen Euro Ebitda lauten die neuen Vorgaben. Das macht sich auch in der Unternehmenskasse stark bemerkbar: Die Prognose für den Free Cashflow musste QSC von 26 bis 32 auf nur noch „mindestens 6 Millionen Euro“ zurücknehmen.

Mit Hilfe von zwei großen Zukäufen hatte sich QSC neu positioniert und nach abgeschlossener Integration in Erwartung steigender Umsätze in neues Personal investiert. Doch schon im Sommer zog das Management die Notbremse und setzte das Kostensenkungsprogramm „Clarity“ auf, das im Oktober noch verschärft wurde und 2015 „erhebliche“ Kosteneinsparungen bringen soll.

Die Investoren sehen den Turnaround aber noch nicht, im Gegenteil: Seit Januar ist der Kurs der QSC-Aktie von 4,60 auf 1,40 Euro eingebrochen, die Tendenz zeigt weiterhin nach unten.

Covenants beim QSC-Schuldschein "kein Thema"

Allerdings gelang es Barbara Stolz noch im Mai – vor Beginn der Talfahrt – ein Schuldscheindarlehen über 150 Millionen Euro aufzulegen, das mehrfach überzeichnet war. Mit den frischen Mitteln fuhr Stolz einen Konsortialkredit und ein Factoring-Programm zurück, was das Fälligkeitenprofil und die Finanzierungskosten verbesserte.

Der Schuldschein sichert dem Unternehmen theoretisch eine komfortable Liquiditätsausstattung, um das Geschäft wieder zu drehen. Mit aktuell 54,7 Millionen Euro Nettoschulden – rund das zweifache erwartete Ebitda – sind die Bilanzrelationen zudem noch in Ordnung.

Trotz der negativen Geschäftsentwicklung scheinen auch die Covenants des Schuldscheins noch ein Stück weit entfernt zu sein, so dass Neu-CFO Baustert zumindest das Thema Schuldschein in seinen ersten hundert Tagen offenbar wohl nicht forciert angehen muss. „Die Covenants sind überhaupt kein Thema“, sagte ein Unternehmenssprecher gegenüber FINANCE. „Wir sind solide finanziert.“

Welle von Abgängen weiblicher CFOs

Barbara Stolz ist schon die dritte weibliche Finanzchefin, die in den vergangenen Wochen nach vergleichsweise kurzer Zeit den CFO-Posten schon wieder räumen musste: Bertelsmann-Finanzchefin Judith Hartmann wird den Medienkonzern nach nur zwei Jahren wieder verlassen, und der Pumpenhersteller Pfeiffer Vacuum trennte sich mit sofortiger Wirkung von CFO Nathalie Benedikt – ebenfalls nach schlechten Zahlen. Benedikt – wie Stolz bei dem Unternehmen groß geworden – war Anfang 2013 zur Finanzchefin des Tec-Dax-Konzerns befördert worden.  

Vorstandschef bei QSC ist Jürgen Hermann, der bis 2013 selbst das Finanzressort leitete.

michael.Hedtstueck[at]finance-magazin.de