Im M- und SDax war die CFO-Fluktutation im zweiten Quartal am höchsten, im Dax dagegen tote Hose.

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08.08.19
CFO

CFOs sind wieder wechselfreudiger

Im zweiten Quartal haben ungewöhnlich viele Unternehmen ihre Finanzchefs ausgewechselt. Eine besonders hohe Fluktuation gab es vor allem im M- und SDax.

Die Wechselfreude bei den Finanzchefs ist wieder zurück: Zwischen April und Juni kündigten gleich 82 Unternehmen an, einen neuen Finanzchef eingestellt zu haben oder dies in naher Zukunft zu planen. Zum Vergleich: In den ersten drei Monaten 2019 lag die Zahl bei nur 73 und damit so niedrig wie seit dem ersten Quartal 2014 nicht mehr. Damals vermeldeten nur 69 Firmen einen CFO-Wechsel.

Für ein zweites Quartal ist diese Zahl ungewöhnlich hoch: Seit 2014 gab es in Q2 im Schnitt 69 vermeldete Zugänge – 2019 setzt hier 19 Prozent drauf. Auch auf das Halbjahr gerechnet ist 2019 mit bisher 155 Zugängen ein enorm wechselstarkes Jahr. Lediglich 2016 weist mit 161 Wechseln eine größere Zahl aus. Das geht aus einer FINANCE-Analyse aller im April, Mai und Juni öffentlich kommunizierten CFO-Zu- und Abgänge hervor.

Im Vergleich zum Vorquartal fällt allerdings auf, dass sich gerade die Dax-Konzerne mit Neubesetzungen in Q2 zurückgehalten haben. Kein einziger Wechsel in Deutschlands Leitindex wurde vermeldet. Das war in Q1 noch anders: Zu Jahresbeginn wurden die Wechsel von Ex-Airbus-CFO Harald Wilhelm zu Daimler, Infineon-CFO Dominik Asam zu Airbus und Michael Brosnans Rücktritt als Finanzvorstand bei Fresenius Medial Care bekannt.

Hohe CFO-Fluktuation in M- und SDax

Viel dynamischer stellt sich die Situation in M- und SDax dar, wo es insgesamt sechs Auswechslungen gab. Bei dem Energiekonzern Uniper stand in Q2 eine Neuaufstellung des Vorstandes an: Im Juni folgte der Eon-Mann Sascha Bibert auf CFO Christopher Delbrück, der zum Monatsende zum Lufttaxi-Start-up Lilium wechselt. Die übrigen zwei Wechsel sind Ergebnis einer Kettenreaktion, die der Abschied von ProSiebenSat.1-CFO Jan Kemper bereits in diesem Frühjahr in Gang setzte: Für Kemper kam Rainer Beaujean von Gerresheimer zu dem Münchener Medienkonzern.

Gerresheimer wiederum bediente sich bei dem im SDax notierten Werbevermarkter Ströer: Im April wechselte Ströer-CFO Bernd Metzner zu dem Düsseldorfer Pharmazulieferer. Die Kölner von Ströer ihrerseits holten mit Christian Baier einen 39 Jahre jungen Digitalisierungsexperten. Baier kommt von der Zalando-Tochter Zlabels und trat zum 1. August sein Amt an.

Den bunten Reigen im MDax schließt der Wechsel von Ex-ProSiebenSat.1-Mann Dirk Schmelzer zu Scout24 ab, nachdem deren CFO Christian Gisy schon vergangenes Jahr seinen Abschied von dem Portalbetreiber ankündigte.

Dirk Kaliebe verlässt Heidelberger Druckmaschinen

FINANCE-Köpfe

Dirk Kaliebe, Heidelberger Druckmaschinen AG

Nach seinem Studium arbeitet Kaliebe von 1992 bis 1998 bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO. Während dieser Zeit legt er 1997 das Examen zum Steuerberater ab. Als er zwei Jahre später das Examen zum Wirtschaftsprüfer ablegt, arbeitet Kaliebe bereits bei Heidelberger Druckmaschinen, wo er 1999 die Leitung des Finanz- und Rechnungswesens übernimmt. Im Jahr 2000 wird ihm zusätzlich die Leitung des Bereichs Investor Relations übertragen.

Seit Oktober 2006 ist Kaliebe Mitglied des Vorstands (CFO) und verantwortlich für die Sparte Financial Services. Im Sommer 2015 rückt der Manager vorübergehend an die Vorstandsspitze. Im Mai 2019 kündigt Kaliebe an, dass er Heideldruck im September des gleichen Jahres verlassen wird.

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Neben Ströer waren im SDax noch die Versicherung Wüstenrot & Württembergische und der kriselnde Automobilzulieferer Leoni auf dem Transfermarkt aktiv: Zum 1. Juli übernahm das 41-jährige Eigengewächs und Controller der Bausparkasse Matthias Bogk die Finanzverantwortung. Leoni hingegen wurde extern fündig: Mit Ingrid Jägering holten sich die Nürnberger nach ihrem CEO Aldo Kamper bereits den zweiten Top-Manager vom Münchener Lichtkonzern Osram.

Aber die wohl größte Überraschung im SDax kam im Mai aus Heidelberg: Der langjährige Heideldruck-CFO Dirk Kaliebe kündigte seinen Abschied an, sein Vertrag werde „einvernehmlich“ zum 30. September des Jahres aufgelöst. Über einen Nachfolger oder Nachfolgerin ist noch nichts bekannt.

dominik.ploner[at]finance-magazin.de

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