Daimler, Bayer, Ceconomy: 2018 haben wieder zahlreiche CFO-Schwergewichte ihre Posten räumen müssen oder Abschiede angekündigt.

Daimler, Bayer, Ceconomy

27.12.18
CFO

Das waren die spannendsten CFO-Wechsel im Jahr 2018

Von enttäuschten Chefträumen und verfehlten Prognosen: Diese CFO-Wechsel sorgten 2018 für besonders viel Furore.

Platz 5: Bodo Uebber, Daimler

Anfang Oktober überraschte Daimler mit dieser Meldung: Finanzchef Bodo Uebber verlässt den Konzern. Spätestens Ende 2019 soll Schluss sein bei dem Autobauer. Für Daimler ist der Abgang des langjährigen Finanzvorstands besonders schmerzhaft: Der Dax-Konzern befindet sich mitten in einem radikalen Umbau in eine Holding-Struktur. Schon Konzernchef Dieter Zetsche hatte vor Uebber seinen Abschied angekündigt. Er wird sein Amt im kommenden Mai an den Schweden Ola Källenius übertragen, der bereits im Daimler-Vorstand sitzt.

Genau hier liegt dem Vernehmen nach der Grund für den Wechsel von CFO Uebber: Der 59-Jährige soll sich Hoffnungen auf den Chefposten gemacht haben. Die Berufung des zehn Jahre jüngeren Källenius dürften Uebbers CEO-Träume zunichte gemacht haben. Einen neuen Finanzchef hat Daimler noch nicht gefunden, er soll aber aus den eigenen Reihen kommen.

Platz 4: Stefan Kirsten, Vonovia

Gerade war er als „CFO des Jahres 2017“ ausgezeichnet worden, wenige Monate später verließ Stefan Kirsten den Wohnimmobilienkonzern Vonovia. Anfang März gaben die Bochumer seinen Abschied bekannt. Kirsten hatte bei Vonovia, die früher unter Deutsche Annington firmierte, alles erreicht: Er hat die Finanzen der Bochumer restrukturiert, Vonovia durch zahlreiche M&A-Deals wie den Kauf des Konkurrenten Gagfah zu Deutschlands wertvollstem Immobilienkonzern geformt und den Aufstieg in den Dax geschafft.

Ein Drama um seine Nachfolge entfaltete sich aber nicht: Die Bankerin Helene von Roeder hat Kirstens CFO-Posten im Mai übernommen und wurde von ihm zuvor noch eingearbeitet. Kirsten selbst hat noch keinen neuen Posten übernommen, sitzt aber noch im Aufsichtsrat des Vonovia-Zukaufs Buwog.

Platz 3: Johannes Dietsch, ThyssenKrupp

Johannes Dietsch schafft bereits zum zweiten Mal den Einzug in dieses Ranking: Seine Abschiedsankündigung von Bayer war der spektakulärste CFO-Wechsel des vergangenen Jahres. Vor wenigen Tagen überraschte das Bayer-Urgestein dann mit der Ankündigung neuer Finanzchef der Industrieikone ThyssenKrupp zu werden. Damit gelingt Dietsch der seltene Wechsel von einem Dax-Konzern zum nächsten.

Die Aufgabe für den 56-Jährigen wird nicht leicht: Der ThyssenKrupp-Aktionärskreis um die aktivistischen Investoren Cevian und Elliott sowie der Krupp-Stiftung ist tief gespalten. Nach einem Managementbeben mussten die Essener einige Posten in Vorstand und Aufsichtsrat neu besetzen. Zudem befindet sich ThyssenKrupp in einem tiefgreifenden Umbau und will sich in zwei Teile spalten. Das Megaprojekt soll Dietsch nun mit CEO Guido Kerkhoff begleiten.

Große Projekte ist der neue ThyssenKrupp-CFO allerdings gewohnt: Dietsch hat seine gesamte Karriere im Bayer-Konzern verbracht und für diesen die Megaübernahme des Saatgutherstellers Monsanto eingefädelt und in Teilen finanziert.

Platz 2: Helmut Schmale, Gea

Im April musste der Maschinen- und Anlagenbauer Gea Druck vom Kessel nehmen: Der Konzern teilte damals mit, dass CFO Helmut Schmale das Unternehmen ebenso verlassen werde wie CEO Jürg Oleas. Einen genauen Zeitpunkt nannte das Unternehmen damals nicht. Nur so viel: Schmale werde seinen bis 2021 laufenden Vorstandsvertrag nicht erfüllen. Allerdings gestaltet sich die Suche nach einem passenden Nachfolger offenbar schwieriger als gedacht. Denn beide Manager sind nach wie vor im Amt.

Die Gründe für ihre angekündigte Abberufung haben sich indes nicht geändert: Vier Gewinnwarnungen und Prognoseverfehlungen seit Herbst 2016 – die jüngste davon erst vor wenigen Wochen –, irritierende Auftritte auf Investorenkonferenzen und eine Fülle operativer Probleme haben die beiden lange Zeit erfolgreichen Gea-Manager Oleas und Schmale viel Ansehen gekostet.

Die Aktie von Gea hat infolge der Probleme massiv an Wert verloren. Das rief vor allem die beiden Gea-Großaktionäre – der US-Hedgefonds Elliott und der Ex-Bertelsmann-Aktionär GBL – auf den Plan. Auf ihren Druck hin, kündigten die Düsseldorfer die Trennung von CEO Oleas und CFO Schmale an, die bislang allerdings noch nicht erfolgt ist.  

Platz 1: Mark Frese, Ceconomy

Es hätte so schön werden können: Finanzchef Mark Frese hat die Spaltung des Metro-Konzerns maßgeblich vorangetrieben, später wurde er CFO des Elektronikhändlers Ceconomy, zu dem die Fachhändler „Media Markt“ und „Saturn“ gehören.

Doch die Pläne gingen nicht auf: Ceconomy musste zwei Gewinnwarnungen binnen weniger Wochen ausgeben, drei im ersten eigenen Geschäftsjahr, da die Geschäfte nicht laufen. Die Aktie hat 2018 entsprechend massiv an Wert verloren. Das rief Großaktionär Freenet auf den Plan, der öffentlich personelle Konsequenzen forderte.
 
Es war ein Vorgang mit Seltenheitswert, der seine Wirkung nicht verfehlte: Kurz darauf bestätigte Ceconomy eine Runderneuerung der Führungsetage. Vorstandschef Pieter Haas musste sofort seinen Hut nehmen. Aber auch Mark Frese verlässt das Unternehmen Ende dieses Jahres. An seine Stelle tritt der erfahrene Finanzexperte Bernhard Düttmann, früher CFO des Chemiekonzerns Lanxess und Mitglied des Ceconomy-Aufsichtsrats. Düttmann soll die Ceconomy-Finanzen aber nur interimistisch leiten, bis ein dauerhafter Nachfolger für Frese gefunden ist. Hier dürfte sich also auch 2019 noch Spannendes auf dem CFO-Posten tun.

jakob.eich[at]finance-magazin.de