Auch Dietmar Heinrich bleibt nicht lange: Im Finanzbereich von Schaeffler herrscht ein Kommen und Gehen.

Schaeffler

05.11.19
CFO

Erneuter CFO-Wechsel bei Schaeffler

Schon wieder kündigt ein Schaeffler-CFO seinen Weggang an. Seit dem Aufstieg des Schaeffler-Retters Klaus Rosenfeld an die Konzernspitze kommt das Finanzressort nicht zur Ruhe.

Schaeffler muss sich schon wieder einen neuen CFO suchen: Diesmal will Finanzchef Dietmar Heinrich seinen im nächsten Juli auslaufenden Vertrag nicht verlängern. Das Unternehmen gibt für diese Entscheidung „persönliche Gründe“ an.

Erst im August 2017 ist Heinrich zum Finanzchef des Automobil- und Industriezulieferers aufgestiegen. Schon damals war Heinrich seit 22 Jahren im Konzern, er arbeitete auf diversen Stationen im Finanz- und Controlling-Bereich. Unmittelbar vor seinem Aufstieg zum CFO leitete der heute 55-Jährige das Europageschäft.

Auffallend ist, dass Heinrich sich in der offiziellen Unternehmensmitteilung nicht selbst zu seinem Abgang äußert. Dort listet CEO Klaus Rosenfeld, bis 2015 noch selbst Finanzvorstand, die Verdienste seines Nach-Nachfolgers auf: „Dietmar Heinrich hat das Finanzressort gestärkt, die Kapitalmarktkommunikation verbessert und dazu beigetragen, Effizienzprogramme umzusetzen.“

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Dietmar Heinrich, Schaeffler AG

Nach seinem Studium an der Karlsruher Universität für Technologie beginnt Dietmar Heinrich seine Karriere 1990 im Controlling des Familienunternehmens Alfred Kärcher, einem Hersteller von Reinigungssystemen. Fünf Jahre später wechselt Heinrich zu FAG Kugelfischer. 2001 wird dieses Unternehmen von dem Autozulieferer Schaeffler übernommen.

Zwischen 2001 und 2005 ist Dietmar Heinrich Finanzchef des Schaeffler-Außenstandorts in Korea. Dort ist er neben dem Finanzbereich auch für Einkauf, Personalwesen und Informationssysteme zuständig. 2006 übernimmt er die Position des Finanzleiters für die Region Asien/Pazifik. Danach kehrt er als Leiter des Geschäftsbereichs Lineartechnik der Homburger Niederlassung nach Deutschland zurück. Zwei Jahre später wird Heinrich zum CFO der Region Europa (exklusive Deutschland) berufen. 2014 steigt er zum regionalen CEO Europa und somit Mitglied des Executive Boards der Schaeffler-Gruppe auf.

Seit August 2017 ist Dietmar Heinrich Finanzvorstand des Schaeffler-Konzerns. Nur gut zwei Jahre später, im November 2019, kündigt er an, seinen im Juli des Folgejahres auslaufenden Vertrag aus persönlichen Gründen nicht verlängern zu wollen.

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Gemischte Bilanz für Dietmar Heinrich

Heinrich führt das Finanzressort in einer schwierigen Zeit. Die Absatzeinbrüche im weltweiten Automarkt, zu hohe Kosten und diverse Gewinnwarnungen sorgten für eine schwache Performance der Schaeffler-Aktie: Notierte das Papier zu Heinrichs Amtsantritt noch bei 12 Euro, halbierte es sich in Heinrichs ersten zwei Amtsjahren bis auf 6 Euro. Dieser Tiefstand wurde Mitte August verzeichnet.

Doch seitdem erholt sich die Aktie: Allein heute gewinnt sie 10 Prozent auf 8,70 Euro, weil die gleichzeitig mit Heinrichs Weggang verkündeten Quartalszahlen nicht so schlecht ausfielen wie befürchtet. Allerdings gehört zur Einordnung von Heinrichs Bilanz auch die Tatsache, dass die Papiere der meisten anderen Autozulieferer sich seit Mitte 2017 noch schlechter entwickelten als die Schaeffler-Aktie.    

Heinrichs Bilanz (Schaeffler-Aktie seit seinem Amtsantritt)

Schon Ulrich Hauck verließ Schaeffler vorzeitig

Trotzdem weckt die Personalie Fragen, ist Heinrich doch schon der zweite Rosenfeld-Nachfolger, der noch während seiner ersten Vertragslaufzeit die Segel streicht. Sein Vorgänger Ulrich Hauck hatte im Frühjahr 2017 ebenfalls angekündigt, seinen im Folgejahr auslaufenden Vertrag nicht verlängern zu wollen. Die Entscheidung fiel fast zum identischen Zeitpunkt wie jetzt bei Heinrich, nach gut zwei Jahren im Amt. Schon wenige Wochen später ging Hauck von Bord. Inzwischen ist er CFO des wesentlich kleineren börsennotierten Autozulieferers STS.

Ob auch Heinrich nun schon in Kürze abgelöst werden wird, lässt Schaeffler offen. Die Nachfolgeregelung werde „zu gegebener Zeit bekanntgegeben“, erklärte das Unternehmen.

Heinrich will das Geld zusammenhalten

Erkennbar ist allerdings, dass Schaeffler in der aktuellen Phase Ruhe an der Spitze des Finanzressorts gut gebrauchen könnte. Das zeigen die am heutigen Dienstagmorgen vorgelegten Neunmonatszahlen. Obwohl es dem Konzern trotz der Automobilkrise gelang, den Umsatz mit knapp 11 Milliarden Euro konstant zu halten, ging der operative Gewinn (Ebit) vor Sonderposten von 1,15 Milliarden auf 883 Millionen Euro zurück. Die Ebit-Marge fiel von 10,7 im Vorjahreszeitraum auf 8,1 Prozent. Im Geschäft mit Automobilkonzernen, das fast zwei Drittel des Konzerns ausmacht, fiel sie sogar auf 5,5 Prozent.

Bis vor wenigen Jahren konnte Schaeffler noch regelmäßig zweistellige Ebit-Margen erwirtschaften. Aber inzwischen leidet das fränkische Familienunternehmen an zu hohen Kosten und zeitgleich anfallenden massiven Aufwendungen für den Aufbau der Elektromobilitätssparte. In diesem Jahr verschärfte das Management die Kostensenkungsprogramme ein weiteres Mal – einer der Architekten dieser Programme ist der designierte Ex-Finanzchef Heinrich.

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Dr. Ulrich Hauck, STS Group AG

1990 steigt Ulrich Hauck bei Deloitte ein, wo er als Steuerberater und Wirtschaftsprüfer tätig ist. Nach acht Jahren bei der Wirtschaftsprüfung wechselt Hauck zum Automotive- und Rüstungskonzern Rheinmetall. Dort leitet er bis 2003 die Bereiche Konzernrechnungslegung und Bilanzen.

Anschließend wird Hauck Leiter der Ressorts weltweites Rechnungswesen und Controlling beim Pharmariesen Bayer, ehe er im April 2015 den zum Vorstandschef aufgestiegenen Klaus Rosenfeld als CFO bei Schaeffler beerbt. Im Mai 2017 kündigt Hauck an, seinen bis März 2018 laufenden CFO-Vertrag nicht verlängern zu wollen. Er verlässt das Unternehmen zum 1. August 2017. Ab dem 1. April 2019 wird er den CFO-Posten bei dem Automobilzulieferer STS übernehmen. 

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Auf den letzten Metern seiner Zeit bei Schaeffler will Heinrich sich darauf konzentrieren, die Liquidität zu stärken: „Im vierten Quartal werden wir die Investitionsquote weiter zurückführen und uns auf die Generierung von Cashflow konzentrieren“, lässt sich der scheidende Finanzchef zitieren. Auf Schaeffler lasten Nettofinanzschulden von etwas mehr als 2,8 Milliarden Euro. Das entspricht fast genau der Höhe des Eigenkapitals, das der Industriekonzern ausweist.

Wegen des Margenverfalls muss Schaeffler um sein gerade erst zurückerkämpftes Investmentgrade-Rating zittern. Die Ratingagentur S&P hat das Rating von BBB- vor drei Monaten auf „Ausblick negativ“ gestellt.  

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Mehr über die Schaeffler-CFOs lesen Sie in den FINANCE-Köpfe-Profilen von Dietmar Heinrich, seinem Vorgänger Ulrich Hauck und dem heutigen Konzernchef Klaus Rosenfeld.