André Krause steigt zum CEO des kombinierten Unternehmens Sunrise UPC auf.

Sunrise

17.11.20
CFO

Ex-CFO Krause profitiert vom M&A-Wirrwarr bei Sunrise

Erst Anfang des Jahres wurde der damalige Sunrise-CFO André Krause zum CEO ernannt. Nach der komplizierten Fusion mit UPC wird er nun Vorstandschef des kombinierten Unternehmens.

Gleich zwei Beförderungen in nur einem Jahr: Dieses Kunststück ist André Krause gelungen, dem ehemaligen Finanzchef des Schweizer Telekomanbieters Sunrise. Erst im Januar wurde der damalige CFO zum CEO von Sunrise befördert. Er folgte damals auf Olaf Swantee, der nach der geplatzten Übernahme des Kabelunternehmens UPC Schweiz seinen Hut nahm.

Im Sommer starteten die beiden Telekomunternehmen dann einen zweiten Anlauf für einen Zusammenschluss – der glückte, und Krause nun die zweite Beförderung des Jahres beschert: Der ehemalige CFO soll CEO des kombinierten Unternehmens Sunrise UPC werden. Das teilte die UPC-Mutter Liberty Global mit.

Krause hat sein Amt als Vorstandschef von Sunrise UPC bereits angetreten. Darüber hinaus wird er auch Mitglied des Liberty Global Executive Teams. In dieser Funktion berichtet er direkt an den Liberty-CEO Mike Fries. Der bisherige CEO von UPC Schweiz, Baptiest Coopmans, erhält hingegen eine führende operative Rolle im Liberty-Global-Konzern, wie der US-amerikanische Konzern mitteilte.

Ex-CFO André Krause kam von Telefónica Germany

André Krause kennt die Telekommunikationsbranche sehr gut: Nach dem Studium der Wirtschaftswissenschaften und Stationen bei dem Wirtschaftsprüfer Arthur Andersen (heute Ernst & Young) sowie der Unternehmensberatung McKinsey zog es den Manager im Jahr 2004 zu Telefónica O2 Germany. Dort war er zwei Jahre als Vice President Strategy & Consulting tätig. Im Jahr 2006 stieg Krause dann zum CFO auf.

Nach fünf Jahren als Finanzchef wechselte Krause in gleicher Funktion zu Sunrise, wo er bis Ende 2019 arbeitete. Während seiner Zeit bei den Schweizern war er dem Unternehmen zufolge für die Transformation von Sunrise in den Bereichen Netzwerk, Kundenservice, Brand und Unternehmenskultur verantwortlich. Zudem begleitete Krause den Börsengang von Sunrise im Jahr 2015.

UPC-Übernahme durch Sunrise scheiterte

Der zweiten Beförderung für den ehemaligen Finanzchef ging ein komplizierter M&A-Prozess voraus. Ursprünglich wollte Sunrise den Kabelnetzbetreiber UPC übernehmen und bot dazu bereits im Februar 2019 6,3 Milliarden Schweizer Franken. Um die Akquisition zu finanzieren, wollte Sunrise Geld über eine Kapitalerhöhung einsammeln.

Mit diesem Plan stieß Sunrise allerdings auf Widerstand des Großaktionärs Freenet: Dem Telekomkonzern um CFO Ingo Arnold war der Kaufpreis zu hoch und die Synergien des Deals zu gering. Doch auch Nachbesserungen der Transaktionskonditionen seitens Sunrise blieben erfolglos, der Deal scheiterte letztlich am Veto von Freenet.

Liberty Global im zweiten Anlauf erfolgreich

Im August dann die überraschende Wende: Um einen Zusammenschluss von Sunrise und UPC doch noch zu ermöglichen, hat die UPC-Mutter Liberty Global ein 6,3 Milliarden Euro schweres Übernahmeangebot für Sunrise abgegeben. Den M&A-Deal konnten die Unternehmen in der vergangenen Woche abschließen.

Ein Happy End auch für Freenet: Die Schleswig-Holsteiner haben im Rahmen der Transaktion ihren kompletten Sunrise-Anteil von 24 Prozent angedient und damit rund 1,1 Milliarden Euro erlöst. Mit dem frischen Geld sollen vor allem Schulden getilgt werden.

Insgesamt kommt Liberty Global nach Ablauf der Übernahmefrist auf einen Sunrise-Anteil von 98 Prozent. Die restlichen Aktionäre sollen nun im Rahmen eines Squeeze-outs abgefunden und Sunrise von der Schweizer Börse genommen werden.

Perspektivisch sollen Sunrise und UPC zu einem Unternehmen verschmelzen. Die Post-Merger-Integration dürfte auch André Krause vorantreiben. Bis Anfang 2021, wenn die Integration voraussichtlich abgeschlossen sein wird, sollen beide Konzerne aber noch unter dem Dach von Liberty Global als eigenständige Einheiten operieren.

olivia.harder[at]finance-magazin.de