Wird CFO David Frink neuer Vorstandsvorsitzender bei Gerry Weber?

Gerry Weber

27.02.14
CFO

Gerry Weber: CFO David Frink könnte aufsteigen

Mit dem Rückzug des Konzernpatriarchen Gerhard Weber werden die Karten beim Modekonzern Gerry Weber neu gemischt - wer als Vorstandssprecher nachrücken soll, ist noch nicht entschieden. Gute Aussichten hat CFO David Frink, der die Finanzen im Nebenjob erledigt.

Der ostwestfälische Damenmodekonzern Garry Weber hat den CEO-Posten neu zu vergeben: Nach dem schon vor über einem Jahr angekündigten Rückzug des 72-jährigen Konzerngründers und Vorstandsvorsitzenden Gerhard Weber steigen nun die Aufstiegschancen für CFO und Produktionsvorstand David Frink.

Wer den Vorsitz ab Oktober 2014 übernommen soll, ließ das Unternehmen allerdings noch offen. Bis dahin wird der 41-Jährige den Vorstand mit dem für Großhandel, Lizenzen und Marketing zuständigen Arnd Buchardt und Gerhard Webers Sohn Ralf Weber teilen, der bislang für die Bereiche Retail und Unternehmensentwicklung verantwortlich ist.

Der Aufstieg zum Unternehmenssprecher wäre ein Höhepunkt in der schon steil verlaufenen Karriere Frinks: 2009 wird Gerhard Weber persönlich auf den damals erst 35-Jährigen aufmerksam und wirbt ihn von Schiesser ab. Frink wird Vorstand für Produktion, Logistik und IT ein und übernimmt ein halbes Jahr später den ersten neu geschaffenen CFO-Posten des Unternehmens, den Frink ebenfalls übernimmt - obwohl er kein Wirtschaftsprüfer oder Finanzexperte ist.

„Das ist typisch Gerry Weber. Man bekommt eine neue Aufgabe und versucht diese bestmöglich auszufüllen und wächst dann mit dieser Aufgabe.”, sagte der Betriebswirt im Interview mit FINANCE. Und noch etwas unterscheidet die Arbeitet als CFO bei Gerry Weber von anderen Konzernen: „Wir sind operative Vorstände und keine Holdingvorstände. Das heißt mit Blick auf mein Ressort: Es wird erwartet, dass ich genau weiß, was in der Produktion läuft, in der Logistik und in der IT.”, ergänzt Frick.

CFO David Frink: Wozu mehr Leverage?

Dabei findet er als frischgebackener CFO eines MDax-Unternehmens eine beneidenswerte Situation vor: Der grundsolide Modekonzern hat eine Eigenkapitalquote von 80 Prozent, das gesamte Geschäft inklusive aller Investitionen wird aus dem Cashflow finanziert. Auch wenn die Investoren drängen: Einen Sinn darin, den Leverage zu erhöhen, sieht Frink nicht, wie er im Talk bei FINANCE-TV erklärt .

Vielmehr will das Unternehmen aus eigener Kraft wachsen, vor allem über den Verkauf durch eigene Stores, deren Anteil am Gesamtumsatz mit 363 Millionen Euro bei knapp 43 Prozent liegt. Zuletzt waren die Zahlen des Börsenlieblings wetterbedingt wie bei anderen Modeunternehmen etwas schwächer ausgefallen. An der Internationalisierung des Geschäfts will Gerry Weber festhalten.  

Zu den bisherigen 700 Filialen sollen vor allem neue Verkaufsflächen im Ausland erschlossen werden – auch hier setzt Gerry Weber auf strikte Vertikalisierung und den Ausbau des Onlinehandels. Die Ziele erscheinen ambitioniert und werden den dreifachen Vater wie gewohnt fordern – aber auch sein Ehrenamt als Aufsichtsrat und Finanzexperte bei Arminia Bielefeld dürfte zumindest soviel Arbeit machen wie Vergnügen.  

julia.becker[at]finance-magazin.de

Lesen Sie alles zu David Frink im Steckbrief und im Porträt in unserem CFO-Almanach FINANCE-Köpfe.