Hans-Jürgen Wiecha tritt CFO-Posten bei Schmolz+Bickenbach an

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31.01.13
CFO

Hans-Jürgen Wiecha tritt CFO-Posten bei Schmolz+Bickenbach an

Ex-Gerresheimer Finanzchef Hans-Jürgen Wiecha tritt am 1. Februar sein Amt als neuer CFO bei Schmolz+Bickenbach an. Die Frage ist, ob er den Job im Herbst 2012 auch dann angenommen hätte, wenn er bei Vertragsunterzeichnung das gewusst hätte, was er heute weiß.

Der ehemalige Gerresheimer-CFO Hans-Jürgen Wiecha tritt am 1. Februar sein Amt als neuer Finanzchef des Stahlkonzerns Schmolz+Bickenbach an. Er folgt damit Axel Euchner nach, der im Juni 2012 nach elf Jahren zusammen mit CEO Benedikt Niemeyer geschasst worden war. Im vergangenen halben Jahr hat Controllingchef Oliver Karst das Finanzressort des Edelstahlherstellers interimsweise geleitet.

Mit Wiecha kommt nun frischer Wind in das deutsch-schweizerische Unternehmen. Ihm dürfte es mit dem Blick des Neulings leichter fallen als dem langjährigen Ex-CFO Euchner, Potential für die dringend erforderlichen Kostensenkungen zu finden. Schmolz+Bickenbach ist gezwungen, seine Kostenstruktur schnellstmöglich den gesunkenen Stahlpreisen anzupassen, da die derzeitige Finanzierung mit gerissenen Covenants und hoher Verschuldung keinen Spielraum für eine andauernde Ertragsschwäche lässt.

Wiecha soll es nun als Schuldenmanager bei Schmolz+Bickenbach richten. Er bringt dafür auch einige Voraussetzungen mit: Bei dem MDax-Unternehmen Gerresheimer hat er vier Eigentümer erlebt und ebenso viele unterschiedliche Finanzierungsstrukturen gestaltet. Er kennt sich mit Private-Equity-Investoren und dem Schuldenabbau.

Ausgangslage hat sich seit Wiechas Vertragsunterzeichnung verändert

Das wird er auch brauchen, denn die Ausgangslage bei Schmolz+Bickenbach hat sich seit dem Herbst, als Wiecha den Vertrag unterschrieben hat, verändert. Die Erträge bei dem Stahlkonzern sind immer noch mau. Das betriebliche Ergebnis reduzierte sich in den ersten neun Monaten 2012 um 71 Prozent auf 47,4 Millionen Euro. Die Nettofinanzschulden betrugen Ende September 821 Millionen Euro, das Gearing stieg auf  103,3 Prozent. Offensichtlich ist der Headroom des Stahlkonzerns damit aufgebraucht, denn kurz danach begann  Schmolz+Bickenbach mit den Banken über einen Covenant-Waiver und möglicherweise auch über eine angepasste Finanzierung zu verhandeln. Im November hat das Management mit den Banken zunächst eine Aussetzung des Covenant-Tests zum 31. Dezember vereinbart.

Das Rating-Downgrade durch S&P im vergangenen Dezember auf B-, Ausblick negativ, und die Marktgerüchte über den angeblichen Einstieg der Private-Equity-Investoren Apollo und Triton machen Wiecha das Leben zusätzlich schwer. Denn die Private-Equity-Gesellschaften wollen angeblich die im Frühjahr 2012 begebene Hochzinsanleihe aufkaufen, sie anschließend in Eigenkapital wandeln und am Ende des Prozesses den Aktionären ein Übernahmeangebot unterbreiten. Die Umwandlung der Hochzinsanleihe in Eigenkapital könnte den Stahlkonzern zwar finanziell stark entlasten, aber die aufgekommene Unsicherheit an der M&A-Front macht die Verhandlungen mit den Banken nicht einfacher.

Wiecha wird wohl an Finanzierungsfront agieren müssen

Angesichts dieser komplexen Ausgangslage bei Schmolz+Bickenbach wird es spannend sein zu sehen, auf was sich der neue CFO Wiecha zunächst konzentrieren wird: Costcutting, um die Schulden-Ertrags-Relation wieder zu verbessern, die Bankgespräche inklusive Refinanzierung oder die M&A-Verhandlungen mit den potentiellen neuen Eigentümern. Wahrscheinlich wird er sich zunächst nicht mit den strukturellen Problemen des Stahlkonzerns befassen können, sondern wird die dringendsten Probleme an der Finanzierungsfront angehen müssen – und das, obwohl er den Konzern noch gar nicht kennt.

Hans-Jürgen Wiecha ist durch seine bisherigen Erfahrungen bei Gerresheimer grundsätzlich gut auf seine neuen Aufgaben bei S+B vorbereitet, aber durch den möglichen Einstieg der PE-Investoren und das Covenantproblem sind neue Themen aufgekommen, die es bei seiner Vertragsunterzeichnung im Herbst vergangenen Jahres noch nicht gab.

Zudem gibt es auch Unterschiede zu Gerresheimer: Der Verpackungshersteller ist ein Unternehmen mit stabilen Geschäftsmodell und starkem Cashflow, Schmolz+Bickenbach dagegen ein Zykliker mit schwachem Cashflow. Wiecha steht nun vor der Herausforderung, die Finanzierung des börsennotierten Familienunternehmens auf das neue Ertragsniveau im Stahlmarkt umzustellen. Eine spannende Frage ist, ob sich Wiecha auch dann auf den Job eingelassen hätte, wenn er im Herbst schon das gewusst hätte, was er jetzt weiß. Wie auch immer: Jetzt muss er zeigen, was er kann, denn Schmolz+Bickenbach ist ein ganz anderes Kaliber als Gerresheimer.

sabine.paulus[at]finance-magazin.de

Hans-Jürgen Wiecha tritt am ersten 1. Februar seinen neuen Posten als CFO des deutsch-schweizerischen Stahlhkonzerns Schmolz + Bickenbach an. Er kommt vom Verpackungshersteller Gerresheimer, wo er seit 2005 CFO gewesen ist. Insgesamt war Wiecha zwölf Jahre für das MDax-Unternehmen tätig. Er kam im Jahr 2000 im Zuge der ersten Übernahme durch die Finanzinvestoren J.P. Morgan und Investcorp als Director Corporate Finance zu Gerresheimer und verantwortete dort zunächst das Treasury, das Rechnungswesen und den Bereich Steuern. 2004 wurde er zum Generalbevollmächtigten ernannt und übernahm zusätzlich den Bereich Mergers&Acquisitions. Im gleichen Jahr verkauften J.P. Morgan und Investcorp ihre Beteiligung im Rahmen eines Secondary Buy-outs an Blackstone. Ein Meilenstein während Wiechas CFO-Zeit bei Gerresheimer war der Börsengang des Verpackungsherstellers  im Jahr 2007.

Davor war der gebürtige Kölner sieben Jahre in verschiedenen Führungspositionen bei Veba Öl tätig, zuletzt als Bereichsmanager für Controlling, Accounting und Treasury. Hans-Jürgen Wiecha schloss sein Studium 1989 als Diplom-Kaufmann an der Universität Siegen ab und begann seine berufliche Karriere im gleichen Jahr bei der heutigen PricewaterhouseCoopers in Frankfurt am Main als Wirtschaftsprüfer.