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In Auflösung

Nach der Insolvenz infolge der Euro 2012 zog sich CFO Przemyslaw Szkudlarczyk auf Druck der Gläubiger in den PBG-Aufsichtsrat zurück.
PBG

PBG erlebte diesen Sommer eine erstaunliche Personalrochade. Nachdem das Unternehmen im Juni Insolvenz anmelden musste, suchten Finanzvorstand Przemyslaw Szkudlarczyk sowie Geschäftsführer und Gründer Jerzy Wisniewski  Zuflucht im Aufsichtsrat des Unternehmens.  Auf Druck der Gläubiger mussten sie ihre Vorstandsposten räumen.

Mitauslöser für die Krise bei PBG war die Fußballeuropameisterschaft, die in diesem Sommer gemeinsam von Polen und der Ukraine ausgetragen wurde. Sie hat eine ganze Reihe von Insolvenzen von  polnischen Baufirmen ausgelöst. Laut Kreditversicherer Atradius gingen dieses Jahr rund 100 Firmen pleite. Der bislang prominenteste Fall ist PBG.  Anfang Juni meldete PGB Insolvenz beim Bezirksgericht in Poznan an. Im ersten Quartal 2012 erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von 715,8 Millionen Zloty (174,3 Millionen Euro) und meldete einen konsolidierten Nettoverlust von 60,5 Millionen Zloty.

Das Bauunternehmen hatte 2007 den Auftrag bekommen, drei von vier Stadien zu bauen, unter anderem das nationale Fußballstadion in Warschau. Zusätzlich erhielt PBG den Zuschlag für vier große Straßenprojekte in Vorbereitung der Europameisterschaft. Damit wagte sich PBG, das ursprünglich im Energiesektor aktiv war, weit aus seinem Kerngeschäft heraus. Das wurde dem Unternehmen sowie seinem Topmanagement zum Verhängnis.

Zu knappes Working Capital

Wie viele mittelgroße Unternehmen, deren CFOs das  Working Capital bei Großprojekten zu knapp kalkulieren, brachte sich PBG mit viel zu niedrigen Preisen in den Bieterwettbewerben in Schwierigkeiten. Die Situation wurde noch angespannter, als sich Zahlungen verspäteten.

Zur Zeit der Insolvenz war CFO Szkudlarczyk noch damit beschäftigt, die Finanzierung des Unternehmens mit Banken zu verhandeln. Zum Beispiel strebte PBG eine Brückenfazilität an, um die Betriebstätigkeit zu finanzieren und einen Zukauf zu refinanzieren, bis die Firma genügend Mittel aus der Ausgabe von Wandelschuldverschreibungen geschöpft hätte. Um das Unternehmen wieder zurück in sicheres Fahrwasser zu manövrieren suchte Szkudlarczyk bereits nach einem strategischen Investor. Doch es war schon zu spät. Jetzt müssen CFO und CEO aus der Ferne beobachten, wie es mit ihrem Unternehmen weitergeht. Doch viel Hoffnung auf Rettung bleibt nicht.  

anne-kathrin.meves[at]finance-magazin.de