Er soll für KKR über eine halbe Milliarde Euro Investitionsvolumen wachen: Jens Müller wird neuer CFO bei dem Kabelnetzkonzern Deutsche Glasfaser.

FINANCE-TV

15.12.16
CFO

KKR holt Jens Müller als CFO zu Deutsche Glasfaser

„Cable Guy“ Jens Müller verlässt Tele Columbus und heuert als CFO bei der Deutschen Glasfaser an. Dort verfolgt der US-PE-Investor KKR eine der gewagtesten Wachstumsstrategien in der deutschen Telekomindustrie.

Tele-Columbus-CFO Frank Posnanski verliert einen seiner engsten Mitstreiter: Wie FINANCE erfahren hat, wird Jens Müller, der Chief Integration Officer des Kabelnetzbetreibers, Tele Columbus zum Jahreswechsel verlassen. Müller ist einer der wenigen deutschen „Cable Guys“ – hochrangige, voll auf die Kabelnetz-Industrie konzentrierte Manager, wie es sie sonst vor allem in den USA gibt. Sein Handwerk hat Müller unter anderem bei Unity Media gelernt.

Zu Tele Columbus stieß Müller im Sommer 2015, als die Berliner den Leipziger Kabelanbieter Primacom übernahmen, dessen CFO Müller zu diesem Zeitpunkt war. Seitdem trug Müller die Verantwortung für die Integration der diversen Zukäufe von Tele Columbus. Kurz nach Primacom hatte Tele Columbus auch noch Pepcom übernommen. Verkäufer war der Finanzinvestor Star Capital Partners.  

KKR will über eine halbe Milliarde in Deutsche Glasfaser pumpen

Müllers neuer Arbeitgeber ist der Kabelanbieter Deutsche Glasfaser, wo der 45-jährige das Amt des Finanzchefs übernimmt. An der Deutschen Glasfaser hat der US-Finanzinvestor KKR im vergangenen Jahr die Mehrheit übernommen. Mitgesellschafter ist der niederländische Baukonzern Reegeborgh.

In den nächsten Jahren wollen die Amerikaner über eine halbe Milliarde Euro investieren, um die Deutsche Glasfaser zum größten Kabelnetzbetreiber im deutschen ländlichen Raum zu machen. Kern des Geschäftsmodells ist es, den Marktführern Unity Media, Kabel Deutschland und Tele Columbus aus dem Weg zu gehen.

Die KKR-Tochter setzt stattdessen auf die rund 30 Prozent der Bundesbürger, die noch keinen Zugang zu Breitbandinternet haben – vor allem in der Provinz. Dort versucht die Deutsche Glasfaser mit Bürgermeistern ins Geschäft zu kommen. Bekommt das Unternehmen ein notwendiges Minimum an Kunden garantiert, schließt es die Gemeinde an ein modernes Glasfasernetz an. Darüber stellt die Deutsche Glasfaser den Kunden dann die üblichen Triple-Play-Angebote aus Internet, Telefon und Kabelfernsehen zur Verfügung – ein potentiell lukratives Geschäft, das aber nur aufgehen kann, wenn es stark skaliert wird.  

Jens Müller hat Verkauf von Primacom an Tele Columbus ermöglicht

Müller hat bereits Erfahrung darin, kleine Kabelnetzbetreiber profitabler zu machen. Bei Primacom – am Rande der Insolvenz von Hedgefonds-Gläubigern übernommen – sorgte Müller für deutlich mehr Effizienz und stark steigende Margen. Sein wichtigster Coup als CFO war aber die Refinanzierung des Fremdkapitals mit Hilfe Londoner Debt-Investoren Anfang 2015. Die komplexe Transaktion war nicht billig, half Primacom aber, Covenants loszuwerden, die dem Unternehmen M&A-Manöver praktisch unmöglich machten – sowohl als Käufer als auch Verkäufer. Die gelungene Refinanzierung machte schließlich den Weg für den Verkauf an Tele Columbus frei.

Die erste Phase der Post-Merger-Integration von Pepcom und Primacom ist nach Aussagen von Tele Columbus inzwischen abgeschlossen, ein Großteil der angestrebten Kostensynergien bereits realisiert. Die Bereinigung des Standortnetzes und der Infrastruktur wird CFO Posnanski aber auch im nächsten Jahr noch beschäftigen – dann ohne seinen Integrationsmanager Jens Müller.    

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Mehr über die interessanten Lebensläufe der beiden Kabelmanager finden Sie in den CFO-Profilen von Jens Müller und Frank Posnanski.