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06.12.12
CFO

Korruptionsfall Eni: CFO Bernini tritt zurück

Alessandro Bernini, CFO des italienischen Energieriesen Eni, ist zurückgetreten, weil die Behörden Korruptionsvorwürfen gegenüber seinem früheren Arbeitgeber Eni Saipem in Algerien nachgehen. Der Vorgang zeigt, wie teuer Korruptionsfälle eine Firma zu stehen kommen können, und erinnert an den Fall MAN und Karlheinz Hornung.

Noch ist herzlich wenig von dem bekannt, was italienische Behörden Eni Saipem, der Ingenieurs- und Konstruktionstochter von Italiens Energieriesen Eni, vorwerfen. Aber schon jetzt hat der Korruptionsverdacht beide Unternehmen gehörig durchgeschüttelt. Bei Saipem wurden COO Pietro Varone und ein weiterer Mitarbeiter umgehend beurlaubt. Gegen sie liegt offensichtlich konkreter Korruptionsverdacht im Zusammenhang mit Geschäften in Algerien vor. Der Vorstandsvorsitzende Pietro Franco Tali trat freiwillig zurück. Gegen ihn wird bislang nicht ermittelt.

Bei Eni, der 100-Milliarden-Euro-schweren Muttergesellschaft von Saipem, ging als bislang prominentestes Opfer Alessandro Bernini. Auch gegen ihn wird nicht direkt ermittelt, aber er war bis Mitte 2008 CFO bei Saipem und will mit seinem Rücktritt Unternehmensverlautbarungen zufolge den Weg frei für eine rückhaltlose Aufklärung machen. Die Untersuchungen beziehen sich auf eine nicht näher definierte Periode bis einschließlich 2009.

CFO-Nachfolge bereits geklärt

Berninis Nachfolger ist auch bereits bestimmt: Massimo Mondazzi war von 2006 bis 2009 der Director of Planning and Control bei Eni und zuletzt Executive Vice President für Zentralasien, Asien und den Pazifischen Raum in der Explorations- und Förderabteilung von Eni. Er hat damit dem Augenschein nach bislang keine regionale Beziehung zu Algerien und kaum direkten Kontakt mit seinem Vorgänger Bernini gehabt. Das mag mit ein Auswahlkriterium gewesen sein. Umberto Vergine wird der neue CEO von Saipem und beendet dafür sein Engagement als COO in dessen Gas & Power Bereich.

Offiziell erwartet Saipem von den Korruptionsvorwürfen keinen wesentlichen negativen Einfluss auf das Geschäft. In den ersten drei Quartalen von 2012 hat das Unternehmen gut 3.5 Milliarden Euro erwirtschaftet und daraus einen operativen Gewinn von 400 Millionen Euro generiert. In der Tat kommt davon nur ein verschwindend geringer Teil aus Algerien und Nordafrika. Zum Stichtag 30. September besaß Saipem weltweit 92 Ölbohrinseln, davon 28 in Venezuela, 19 in Peru und gerade einmal 7 in Algerien.

Aber selbst wenn die direkten Effekte eines künftig eingeschränkten Algeriengeschäfts überschaubar bleiben sollten, impliziert schon allein die Bugwelle an Umbesetzungen im Managementteam immense Kosten für das Unternehmen. Die Umstrukturierungen an der Spitze werden durch notwendige Nachrückkandidaten im mittleren Management in beiden Unternehmen fast alle Bereiche betreffen. Ineffizienzen, Fehlbesetzungen oder einfache Reibungsverluste sind vorprogrammiert, hinzu kommen Imageschäden und Opportunitätskosten durch zum Teil eingeschränkte Handlungsfähigkeit während der Untersuchungen.

Einer der bekanntesten Korruptionsskandale der letzten Jahre hat den Siemens-Konzern mehr als 2,9 Milliarden Euro gekostet – nicht nur als Strafzahlungen, sondern auch als interne Kosten oder Anwaltshonorare. Das ist mehr als das Doppelte dessen, was an illegalen Zahlungsvorgängen aufgedeckt worden war. Doch der Eni-Fall erinnert auch an den Korruptionsfall MAN. Dort war CFO Karlheinz Hornung 2009 im Rahmen einer Schmiergeldaffäre freiwillig zurückgetreten. Heute ist der Manager unversehens selbst im Visier der Ermittler. Ob der Ex-Eni-CFO Bernini auch noch vom langen Arm der Korruption bei Saipem eingeholt wird, muss sich noch zeigen. Dass der Skandal den italienischen Konzern teuer zu stehen kommt, ist aber schon heute klar.

armin.haeberle[at]finance-magazin.de