Kurz vor dem Absprung bei Hochtief Solutions:CFO Wolfgang Homey.

Hochtief Solutions

12.04.13
CFO

Kreise: Hochtief Solutions-CFO Homey verhandelt über Ausstieg

Der Abgang von Hochtief Solutions-CFO Wolfgang Homey soll nur noch eine Frage der Zeit sein. Hintergrund für die Demission sind nach FINANCE-Informationen Spannungen mit Konzern-CEO Marcelino Fernández Verdes. Der sucht derweil nach Ersatz – auch für den Holdingvorstand.

Seit Wochen kursieren Gerüchte um den Weggang von Vorständen der Hochtief Solutions. Zumindest im Fall von CFO Wolfgang Homey dürfte es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis der Konzern seinen Abgang bestätigt. Bislang schweigt sich Hochtief zu den Gerüchten aus – auch auf Anfrage von FINANCE hin. „Wenn es nicht stimmen würde, hätte der Konzern längst dementiert“, deutet ein intimer Kenner des Konzerns die für Hochtief untypische Zurückhaltung. Wahrscheinlich werde hinter verschlossenen Türen bereits über die Abfindung verhandelt. Für eine außerordentliche Kündigung dürfte es im Fall Homey nämlich keinen Anlass geben.

Mit dem Abgang von Wolfgang Homey und seinem Vorstandskollegen Ullrich Reinke, der ebenfalls kurz vor dem Absprung stehen soll, wäre bei Hochtief Solutions nur noch CEO Nikolaus Graf von Matuschka im Vorstand übrig, der erst im Februar 2013 auf den Posten des Vorstandssprechers berufen wurde. Für den Baukonzern ein weiterer Rückschlag, musste er seit der ACS-Übernahme doch nicht nur auf der Holding-Ebene den Abgang einer Reihe von Experten verdauen, die von ihren Sonderkündigungsrechten Gebrauch machten und sich ihren Ausstieg versilbern ließen – darunter auch der ehemalige Finanzvorstand Burkhard Lohr.

CEO-Posten für Fernández eine Nummer zu groß?

Die Tochter Hochtief Solutions ist geprägt von einer wechselvollen Führungsgeschichte: Homey ist mit einer Amtszeit von gut anderthalb Jahren derzeit dienstältester Vorstand, sein Kollege Reinke ist seit einem Jahr im Führungsgremium. Besonders turbulent ging es in den vergangenen Monaten an der Spitze zu: Matuschkas Vorgänger Bernd Romanski hielt sich gerade einmal sechs Wochen auf dem CEO-Posten.
 
Auslöser der Unruhen dürfte Kennern zufolge der aktuelle Hochtief-CEO Marcelino Fernández Verdes sein. Fernández gilt zwar als kompetenter Ingenieur, der Posten des Vorstandschefs bei dem weltweit operierenden Konzern soll für ihn dagegen eine Nummer zu groß sein. „Er durchblickt die Probleme gar nicht, die die Führung des Konzerns mit sich bringt“, heißt es von einem Unternehmenskenner. Hinzu kommen kommunikative Schwierigkeiten – der Spanier spreche weder verhandlungssicheres Englisch noch Deutsch, das er gerade erst lernt.

Reichlich Konfliktpotential zwischen Homey und Fernández

Mit starken Persönlichkeiten wie Wolfgang Homey dürften Reibereien vorprogrammiert gewesen sein. Homey, der die ACS-Übernahme als Controlling-Chef miterlebt hat, gilt als fähiger Finanzmann – und als ebenso konsequent. Bei der Auseinandersetzung mit einem schwachen Konzernchef sind da Konflikte vorprogrammiert, wenn Homey und Fernández auch einen oberflächlich freundlichen Umgang miteinander pflegen sollen. Auch der seit Langem geplante Verkauf der Servicesparte von Hochtief Solutions, der nicht in die Gänge kommt, dürfte für Konfliktpotential gesorgt haben.

Für Fernández bedeuten die Abgänge von Homey und Ullrich weitere Baustellen, die der Spanier im Moment so gar nicht gebrauchen kann. Denn auch auf der Holding-Ebene ist es personell eng: Einziger Vorstand neben Fernández ist CFO Peter Sassenfeld. Der Zwei-Personen-Vorstand kann aber keine Dauerlösung sein, meinen Experten. Vor allem sei im Moment niemand für die Regionen USA und Asien-Pazifik zuständig – besonders mit der australischen Tochter Leighton kommt es aber immer wieder zu Spannungen, die erst im März zum Ausstieg mehrerer Verwaltungsratsmitglieder geführt hatten.

Hochtief braucht dringend Verstärkung

Fernández braucht deshalb dringend Verstärkung und steht dabei allerdings vor einem weiteren Problem: Nach den großen Pleiten in der Baubranche gibt es in Deutschland kaum noch Top-Manager mit Erfahrungen in großen Baukonzernen. Der Spanier soll deshalb bereits versucht haben, alte Spitzenkräfte wieder für den Konzern zu gewinnen – bislang vergeblich.

sarah.nitsche[at]finance-magazin.de