Rätsel um die Zukunft gelöst: Axel Kaufmann hat Rational den Rücken gekehrt, um zu Nemetschek zu wechseln.

Rational

22.10.19
CFO

Neuer Job für Ex-Rational-CFO Axel Kaufmann

Nur wenige Tage nach seinem überraschenden Abgang bei Rational ist klar, wo es CFO Axel Kaufmann hinzieht. Er wechselt zum Softwarehaus Nemetschek und übernimmt dort ein weit umfangreicheres Aufgabenfeld als bei Rational.

Das Rätsel um den überraschenden Abschied von Finanzchef Axel Kaufmann beim Großküchenbauer Rational ist gelöst: Der 49-Jährige wechselt zum Softwarekonzern Nemetschek und übernimmt dort eine wesentlich breitere Rolle als bei seinem bisherigen Arbeitgeber. Er wird Vorstandssprecher und Finanzchef mit zusätzlicher operativer Verantwortung, was auch sein neuer Jobtitel „CFOO“ ausdrückt.

Konkret übernimmt Kaufmann neben seinen CEO- und CFO-Aufgaben auch noch die Führung des Geschäftsbereichs Media & Entertainment. Dieser ist mit einem Anteil von 6 Prozent am Gesamtumsatz allerdings der kleinste Geschäftsbereich.

Nemetschek entwickelt Bau- und Designsoftware und gehört in dieser Nische des Softwaremarkts zu den weltgrößten Anbietern. Aufsichtsratschef Kurt Dobitsch bezeichnet Kaufmann als „erfahrenen Manager mit langjähriger internationaler Industrieerfahrung und großer Finanzkompetenz“. Kaufmann verfüge über „Führungsstärke, strategisches Denken und Handeln sowie vorbildlichen Teamgeist“. Seine Aufgabe ist es Dobitsch zufolge, „Nemetschek in die nächste Innovations- und Wachstumsepoche zu führen“. 

FINANCE-Köpfe

Dr. Axel Kaufmann, Nemetschek SE

Axel Kaufmann beginnt seine Karriere 1992 als Trainee bei der Deutschen Bank und promoviert berufsbegleitend. Vier Jahre später wechselt der Betriebswirt zu Siemens, wo er 2001 CFO eines Shared-Service-Bereichs im Großraum New York wird. 2004 kehrt Kaufmann nach Deutschland zurück. Dort zeichnet er zunächst für die kaufmännische Leitung einer Supply-Chain-Organisation innerhalb des Siemens-Konzerns verantwortlich. Anschließend wird er im Jahre 2005 kaufmännischer Leiter eines weltweit agierenden Software-Geschäftszweigs in der Konzernzentrale in München.

Nach elf Jahren im Siemens-Konzern zieht es Kaufmann 2007 erneut ins Ausland, er ist Teil der Startformation des Mergers mit der finnischen Nokia (heute: Nokia Networks) und operiert schwerpunktmäßig aus Helsinki. Bei dem deutsch-finnischen Joint Venture übernimmt Kaufmann zunächst die kaufmännische Leitung einer Business Unit, ein Jahr später überträgt man ihm alle vier Business Units, Kaufmann berichtet an den CFO. Im Jahr 2009 wechselt er aus dem Finanzbereich in die Konzernstrategie und übernimmt das Team der „Business Insights“ inklusive der globalen Markt- und Wettbewerbsanalyse.

Im Oktober 2010 erreicht Kaufmann dann die erste Führungsebene: Bei dem börsennotierten Familienunternehmen Koenig & Bauer in Würzburg übernimmt er den CFO-Posten. Als solcher ist Kaufmann für die Ressorts Finance, IT, Tax und Compliance zuständig. Später kommt noch das neu geschaffene Ressort Einkauf hinzu. 2011 wird der Finanzchef auch stellvertretender Vorstandschef bei dem in der Sanierung befindlichen Maschinenbauer.

Ende 2014 verabschiedet sich Kaufmann und nimmt ein Sabbatical, im Sommer 2015 wird sein Einstieg beim ebenfalls im SDax-notierten Groß- und Industrieküchenhersteller Rational bekannt. Dort beginnt er im Oktober 2015 und übernimmt binnen eines Quartals die Funktion des Finanzvorstands. Im Herbst 2019 kündigt er seinen Rückzug von Rational zum Jahresende an. Wenige Wochen später wird bekannt, wo es hinzieht: Er wird im Januar 2020 Vorstandssprecher und CFOO des Softwareentwicklers Nemetschek.

zum Profil

Die Hürde für Axel Kaufmann liegt hoch

Dieser Auftrag ist kein leichter, denn unter dem bisherigen Vorstandschef und CFOO Patrik Heider ist Nemetschek stark gewachsen. Im vergangenen Jahr erzielte das Softwarehaus einen Rekordumsatz von 461 Millionen Euro, fast 17 Prozent mehr als im Jahr davor. 80 Prozent des Wachstums kamen aus eigener Kraft, die Hälfte der Umsätze ist mittlerweile wiederkehrend – eine Marke, die die meisten anderen Softwarehäuser erst in vielen Jahren anstreben. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) wuchs um 12 Prozent auf 121 Millionen Euro, die Ebitda-Marge erreichte 26,3 Prozent. 

Heider hatte das CFOO-Amt seit 2014 inne und wird am Jahresende den Platz räumen, damit Kaufmann zum 1. Januar übernehmen kann. Über die Gründe für den Chefwechsel will Nemetschek erst am Donnerstag kommenden Woche informieren, wenn das Unternehmen neue Quartalszahlen vorlegt.

Für das laufende Jahr prognostiziert Nemetschek einen weiteren Umsatzzuwachs von 17 bis 19 Prozent auf 550 Millionen Euro. Die Ebitda-Marge soll auf 27 bis 29 Prozent steigen.  

FINANCE-Köpfe

Patrik Heider, Nemetschek SE

Seine berufliche Karriere startet Patrik Heider als Berater bei der Unternehmensberatung PriceWaterhouseCoopers (später IBM Global Services) im Bereich Shares Services/Process Reengineering Consulting. Danach wechselt er zur Hoffmann Group, nach eigenen Angaben Marktführer im Bereich technischer Werkzeuggroßhandel.

In den zehn Jahren, die er dort verbringt, durchläuft er unterschiedliche Positionen und ist zuletzt kaufmännischer Geschäftsführer (CFO). In diesem Amt ist er unter anderem für die strategische Ausrichtung und sämtliche M&A-Transaktionen der Unternehmensgruppe verantwortlich. Zusätzlich ist Heider Geschäftsführer internationaler Tochtergesellschaften.

2014 geht er zum Münchener Softwareanbieter Nemetschek, wo er als CFO und COO in den Vorstand berufen wird. Zugleich wird er dessen Sprecher. Ende 2019 macht er Platz für seinen Nachfolger Axel Kaufmann.

Wenige Tage später verkündete der Anbieter für Supply Chain Risk Management Riskmethods, dass Heider zum Jahreswechsel 2019/20 erster CEO des Unternehmens wird.

zum Profil

Nemetschek ist eine Kursrakete

Vor nicht einmal zwei Wochen hatte Axel Kaufmann seinen vorzeitigen Abschied bei Rational angekündigt. Dort agierte er seit Oktober 2015 als Finanzchef. Zuvor war er CFO des Druckmaschinenerstellers König & Bauer, vorherige Managementstationen waren Siemens und Nokia. Kaufmann hat also einen eher klassischen Industrie- und keinen Technologiehintergrund. 

Was ihn an seiner neuen Aufgabe in der Softwarebranche reizt, kommentiert er so: „Nemetschek hat sich von einem nationalen Familienunternehmen zu einem internationalen Softwarehersteller entwickelt, der als einer der weltweiten Marktführer die Digitalisierung der gesamten Baubranche vorantreibt. Dazu genießt Nemetschek am Kapitalmarkt einen hervorragenden Ruf.“   

„Nemetschek treibt die Digitalisierung der gesamten Baubranche voran und genießt am Kapitalmarkt einen hervorragenden Ruf.“

Neu-CFO Axel Kaufmann

In der Tat wechselt Kaufmann von einem Börsenstar zum nächsten: Die Aktie seines bisherigen Arbeitgebers Rational gehört zu den Dauerläufern am deutschen Aktienmarkt und hat sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als versechsfacht. Nemetschek stellt diese Entwicklung noch weit in den Schatten: Im gleichen Zeitraum hat das Papier über 3.300 Prozent an Wert gewonnen. Aktiensplitbereinigt notierte die Nemetschek-Aktie im Herbst 2009 bei Werten um 1,20 Euro, der aktuelle Kurs liegt bei 46 Euro. Der Mittelständler bringt eine Marktkapitalisierung von fast 5,5 Milliarden Euro auf die Waage.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Mehr zum Werdegang des neuen Nemetschek-CFOOs finden Sie im FINANCE-Köpfe-Profil von Axel Kaufmann, zum scheidenden CFOO im Köpfe-Profil von Patrik Heider.