NSN

25.03.13
CFO

NSN muss Ex-CFO Schröter wieder einstellen

Der vor gut einem Monat geschasste CFO Marco Schröter hat auf juristischem Weg seine Wiederbeschäftigung erwirkt. Medienberichten zufolge als Finanzchef der deutschen Niederlassung in Düsseldorf. NSN selbst hüllt sich in Schweigen.

Der Machtkampf im finnisch-deutschen Joint Venture Nokia-Siemens-Networks (NSN) ist um eine weitere Posse reicher: Nach Informationen des Wall Street Journal hat der vor gut einem Monat entlassene CFO des Netzwerkausrüsters, Marco Schröter, auf juristischem Weg seine Wiedereinstellung erwirkt. Nach Informationen des Blatts sei Schröter am vergangenen Freitag zu NSN zurückgekehrt. Das Arbeitsgericht München, bei dem der Fall anhängig ist, hat am 21. März im einstweiligen Verfügungsverfahren entschieden, dass NSN Schröter zu unveränderten Bedingungen als Global Chief Financial Officer bis zum 28. Februar 2015 weiterbeschäftigen muss. Die Urteilsgründe liegen noch nicht vor. Im anhängigen Kündigungsschutzverfahren ist der Termin zur Güteverhandlung vom Arbeitsgericht München auf den 27. März angesetzt. Aus dem Unternehmen selbst war niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Dem Wall Street Journal zufolge werde Schröter allerdings nicht wieder als konzernweiter CFO eingesetzt sondern als Finanzvorstand für die deutsche Niederlassung in Düsseldorf arbeiten. NSN-CFO bleibt nach wie vor Samih Elhage, der Ende Februar auf diesen Posten berufen wurde und der vorher die operative Verantwortung inne hatte. In einem am vergangenen Freitag verschickten Brief an die Führungskräfte von NSN, der dem Wall Street Journal vorliegt, betonte Konzernchef Rajeev Suri, dass noch keine endgültige Entscheidung über die Zulässigkeit von Schröters Entlassung gefällt worden sei, dass sich an den Gründen für seinen Abgang aber auch nichts geändert habe.

Déjà-vu für Schröter

Kreisen zufolge soll der Entlassung ein Streit zwischen Suri und Schröter über die künftige Ausrichtung von NSN vorausgegangen sein. Für Schröter ist es bereits der zweite unfreiwillige Abgang innerhalb von drei Jahren: 2010 musste er beim Halbleiterhersteller Infineon den CFO-Posten mit sofortiger Wirkung verlassen. Damals gab es Gerüchte über Kompetenzgerangel mit Infineon-CEO Peter Bauer, die zum Weggang von Schröter führten. Schröter wollte sich offenbar nicht die Bereiche Strategie und M&A nehmen lassen.

Im April müssen sich Siemens und Nokia entscheiden, wie es mit dem Joint Venture weitergehen soll. Siemens-CFO Joe Kaeser hatte bereits angedeutet, das Kapitel NSN beenden zu wollen. Das Unternehmen, das Hard- und Softwarekomponenten für Sprach-, Daten- und Mobilfunknetze verkauft, war lange Zeit ein Sorgenkind für die beiden Eigner. Inzwischen, so scheint es, ist der Turnaround von einem Restrukturierungsfall gelungen. NSN schaffte zuletzt wieder den Sprung in die Gewinnzone. Im vierten Quartal 2012 kletterte die operative Marge auf den Rekordwert von 14,4 Prozent bei einem Umsatzsprung um 14 Prozent auf 4 Milliarden Euro.

andreas.knoch[at]finance-magazin.de