Bei Ottobock übernimmt Kathrin Dahnke den CFO-Posten von Jörg Wahlers.

Osram

21.07.21
CFO

Kathrin Dahnke soll Ottobock an die Börse bringen

Inmitten der Vorbereitungen zum angepeilten Börsengang muss Ottobock seinen CFO Jörg Wahlers ersetzen. Der Prothesenhersteller baut nun auf die IPO-Expertise von Kathrin Dahnke.

Beim Prothesenhersteller Ottobock findet inmitten der Börsengangvorbereitungen ein Wechsel in der Geschäftsführung statt: CFO Jörg Wahlers verlasse das Unternehmen, wie es in einer Mitteilung heißt. Einen Ersatz konnten die Duderstädter indes sofort präsentieren: Kathrin Dahnke wird Geschäftsführende Direktorin bei Ottobock und soll sich in dieser Funktion um die Finanzen kümmern. Das „Handelsblatt“ hatte zuerst über den Wechsel berichtet.

Kathrin Dahnke kommt mit Kapitalmarkt-Erfahrung

Für Dahnke ist es eine Rückkehr in bekannte Gefilde: Sie war bereits zwischen 1995 und 2005 beim Familienunternehmen Ottobock tätig, seinerzeit hatte die heute 60-Jährige eine Führungsposition im Finanzbereich. „Jetzt kann ich meine vielfältigen Erfahrungen einbringen, um das nächste Kapitel in der Unternehmensentwicklung zu gestalten“, wird sie in einer Mitteilung des Unternehmens zitiert.

Dahnke hatte erst im Juni dieses Jahres als Finanzchefin beim Münchener Leuchtenkonzern Osram aufgehört, nachdem dieser von dem Konkurrenten AMS gekauft und von der Börse genommen wurde. Vor ihrer Zeit bei Osram war sie CFO des Mischkonzerns Werhahn, der sich wie Ottobock in Familienbesitz befindet. Von 2005 bis 2014 war sie erst Finanzdirektorin und später dann CFO des Werkzeugmaschinenbauers DMG Seiki Mori (früher Gildemeister).

„Kathrin Dahnke hat früh Verantwortung für Finanzabteilungen übernommen und sich als CFO sowohl in Familienunternehmen als auch in börsennotierten Unternehmen herausragend bewiesen“, empfängt CEO Philipp Schulte-Noelle die neue CFO mit warmen Worten. Dahnke sitzt zudem im Aufsichtsrat des Bremsenherstellers Knorr-Bremse, dessen IPO sie als Kontrolleurin begleitete.

Ottobock will an die Börse

Von der börsennotierten Ex-Siemens-Tochter Osram geht es für Dahnke nun zu einem Familienunternehmen mit Private-Equity-Hintergrund. Ottobock gehört zu 80 Prozent der Eigentümerfamilie Näder um den Gründer-Nachfahren Hans Georg Näder, der dem Verwaltungsrat vorsitzt. Die restlichen 20 Prozent der Anteile besitzt seit 2017 der schwedische Finanzinvestor EQT, nachdem ein IPO-Versuch damals gescheitert war.

In den kommenden Monaten will Ottobock abermals den Sprung aufs Parkett wagen, die Vorbereitungen laufen Medienberichten zufolge bereits. Die Nachrichtenagentur „Reuters“ berichtete unlängst, dass Ottobock derzeit die Investmentbanken für den IPO mandatiere. Der CFO-Wechsel kommt für das Familienunternehmen entsprechend zu einem sensiblen Zeitpunkt. Für den Abschied von Finanzchef Wahlers führt das Unternehmen „gesundheitliche Gründe“ an. Er werde den Niedersachsen beratend weiter zur Seite stehen.

 Der Medizintechnikkonzern hofft auf eine Bewertung von über 5 Milliarden Euro. EQT hatte sich vor vier Jahren bei einer Bewertung von etwas mehr als 3 Milliarden Euro eingekauft, seitdem ist das Familienunternehmen vor allem durch Zukäufe gewachsen. Offiziell will der Prothesenhersteller bis 2022 Börsen-ready sein, einen offiziellen Zeitplan gibt es aber nicht.

Dass nach Wahlers plötzlichem Abschied mit Kathrin Dahnke eine kapitalmarkterfahrene Managerin kurzfristig zur Verfügung stand, die das Familienunternehmen darüber hinaus gut kennt, darf dennoch durchaus als Glücksfall gewertet werden. Dem Vernehmen nach nimmt sie ihre Arbeit bei Ottobock schon vor dem offiziellen Vertragsbeginn am 1. September auf. Sie soll Kontakt zu Banken und potentiellen Investoren aufnehmen.

FINANCE-Köpfe

Kathrin Dahnke, Ottobock SE & CO. KGaA

Kathrin Dahnke startet ihre Karriere 1982 im Beteiligungscontrolling bei Beiersdorf und leitet dort später die Finanzabteilung.  1987 wechselt sie in die M&A-Beratung der West LB. Von 1995 bis 2005 leitet sie die Geschäfte des Finanzbereichs des Familienunternehmens Otto Bock. 2005 wechselt Dahnke als Finanzdirektorin zum Werkzeugmaschinenbauer Gildemeister

Von Mai 2010 bis März 2014 ist Dahnke Vorstandsmitglied für die Ressorts Controlling, Finanzen, Rechnungswesen, Steuern und Risikomanagement und Versicherungen bei Gildemeister und später bei DMG Mori Seiki, wie Gildemeister seit dem Zusammenrücken mit der japanischen Mori Seiki-Gruppe heißt. Seit dem 1. April 2014 ist Dahnke Finanzvorstand bei dem Familienunternehmen Werhahn. Im Oktober 2019 wird bekannt, dass sie das Unternehmen zum Jahresende verlässt.

Anfang April 2020 wird bekannt, wohin die Finanzchefin wechselt: Sie wird neue CFO bei dem Lichtkonzern Osram, und löst damit Finanzchef Ingo Bank ab, der im Zuge der Osram-Übernahme zum neuen Mehrheitsaktionär AMS wechselt.

Kathrin Dahnke löst im August 2021 Jörg Wahlers als CFO bei dem Medizintechnikunternehmen und Prothesenhersteller Ottobock ab. 

zum Profil

Ottobock holte Jörg Wahlers im Juni 2019 als CFO

Wahlers verlässt Ottobock nun offiziell Ende August, nachdem er die Grundlagen für den Börsengang geschaffen hat. So hatte der gebürtige Niedersachse die Rechnungslegung vom hiesigen HGB-Standard auf das internationale IFRS umgestellt, wie er FINANCE im Interview im Januar 2020 erzählte. Auch das Management-Reporting musste digitalisiert werden.

„Als CFO hat er Ottobock auf seinem Wachstumskurs sicher durch außergewöhnliche Herausforderungen wie die Pandemie geführt und ressortübergreifend Impulse wie zu den Anforderungen an New Work gegeben“, würdigte Verwaltungsratschef Hans Georg Näder Wahlers Arbeit.

jan.schuermann[at]finance-magazin.de

Auf unserer FINANCE-Themenseite finden Sie alles Nützliche zu CFO-Wechseln.

Mehr über Ottobocks neue CFO erfahren Sie in Kathrin Dahnke FINANCE-Köpfe-Profil. Auch den Karriereweg des scheidenden Finanzchef des Prothesenherstellers, Jörg Wahlers, können sie in seinem FINANCE-Köpfe-Profil nachlesen.