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Peugeot erstickt an Subventionen

PSAs CFO Jean-Baptiste de Chatillon hat wenig Spielraum.
PSA

Jean-Baptiste de Chatillon, CFO von PSA Peugeot Citroen, steht vor einigen Herausforderungen, um es vorsichtig zu formulieren. Im Januar übernahm der frühere Finanzcontroller von PSA die Position des Finanzvorstands von Frederic Saint-Geours und musste sofort handeln. Nach einem katastrophalen Jahr 2011, in dem Peugeots Aktienkurs um 57 Prozent einbrach, stellt sich die Situation 2012 noch schlechter dar.

Europas zweitgrößter Autobauer krankt seit Jahren an denselben Problemen, doch es scheint niemand viel dagegen unternommen zu haben. PSA verkauft rund 60 Prozent seiner Fahrzeuge in Europa, in einem Markt der stetig schrumpft. Die Konsequenzen beschreibt Kepler-Analyst Xavier Caroen in einem aktuellen Report: „Peugeot leidet unter den niedrigen Auslastungsraten in seinen europäischen Werken und unter harten Preiskämpfen.“

Rückläufige Verkaufszahlen bei Peugeot

Die Bilanz von Peugeot unterstreicht die Zwangslage, in welche auch die Finanzkrise das Unternehmen gebracht hat. Im ersten Halbjahr 2012 sank der Umsatz um rund fünf Prozent auf 29,6 Milliarden Euro. Schuld war vor allem der Fahrzeugsektor. Dort sank der Umsatz um 10,5 Prozent auf 20,2 Milliarden Euro. PSA verbuchte einen Gesamtverlust von 819 Millionen Euro für die ersten sechs Monate, verglichen mit einem Gewinn von 806 Millionen Euro in der Vorjahresperiode. De Chatillon will diesem Niedergang mit drastischen Kosteneinsparungen entgegentreten.

Zusätzlich zum Notfallaktionsplan für 2012, der eine Kostenreduktion um eine Milliarde Euro bringen soll, soll der sogenannte Recovery-2015-Plan weitere Einsparungen von 1,5 Milliarden Euro einbringen. Der CFO will unter anderem 600 Millionen Euro sparen, indem er den französischen Produktionsstandort neu organisiert. Weitere 550 Millionen Euro soll eine Reduktion des Investitionsaufwands bringen. Zudem will De Chatillon 350 Millionen Euro durch Synergien mit dem Partner General Motors einsparen. Da all das auch eine Kürzung von zehn Prozent der Stellen bei PSA bedeutet, ist die französische Regierung nicht begeistert.

Subventionen können keine Strukturprobleme lösen

Der Spielraum schwindet für Peugeot und seinen CFO. Massive Subventionen, Brückenkredite der Regierung und die Selbstwahrnehmung als ein Symbol der nationalen Identität reichen nicht mehr aus. De Chatillon will PSAs Präsenz in China, Russland und Lateinamerika stärken. Diese Fahrzeugmärkte sollen erwartungsgemäß noch um bis zu neun Prozent wachsen, aber die Präsenz von PSA dort ist noch viel zu klein, um die Verluste in Europa zu kompensieren. Das Unternehmen wurde viel zu lange davon abgehalten, die Vorteile der Globalisierung für sich zu nutzen. Seine aufpolierte Internationalisierungsstrategie könnte zu spät kommen und nicht weitreichend genug sein.

Die Situation von PSA zeigt, dass Subventionen Strukturprobleme nicht dauerhaft lösen können. Voraussichtlich wird die französische Regierung auf Peugeots Misere mit neuen Subventionen und neuem Druck reagieren. Der jüngste Handel sieht so aus, dass die Regierung die Entwicklung umweltfreundlicher Fahrzeuge unterstützt, wenn Peugeot im Gegenzug verspricht, keine Produktionsstätten in Frankreich zu schließen. Wie dies helfen soll, Marktanteile in Europa zurückzugewinnen, die Verkäufe in aufstrebenden Märkten zu erhöhen, Kosten zu reduzieren, die Effizienz zu steigern, oder irgendeines der anderen Leiden von Peugeot zu heilen, bleibt ein Rätsel. Um langfristig überleben zu können, könnte es jetzt die letzte Gelegenheit für Peugeot sein, seine Probleme endlich anzugehen. Zuerst muss sich die Unternehmensführung jedoch aus der erstickenden Umarmung der Regierung lösen.

anne-kathrin.meves[at]finance-magazin.de