Noch nie wurden in einem Quartal mehr CFO-Wechsel kommuniziert als Q3 2019.

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10.10.19
CFO

Rekordzahl bei CFO-Wechseln im dritten Quartal 2019

Das gab es noch nie: Im dritten Quartal teilten Unternehmen in 128 Fällen mit, dass sich auf der Position des Finanzvorstands etwas ändern wird. Gleichzeitig deutet sich eine Trendumkehr beim Alter der neu bestellten CFOs an.

Im zweiten Quartal 2019  war schon viel los, jetzt rotieren die Türen scheinbar noch schneller: Seit Beginn der FINANCE-Zählung von CFO-Wechseln in der DACH-Region Anfang 2014 gab es kein Vierteljahr, in dem mehr CFO-Wechsel oder Wechsel der kaufmännischen Geschäftsführung öffentlich kommuniziert wurden als im vergangenen dritten Quartal. Von Juli bis September kündigten Unternehmen in bisher einmaligen 128 Fällen an, ihre Finanzchefs auszutauschen oder tauschten sie bereits aus. Zum Vergleich: Bis dato war die Zahl an publizierten CFO-Transaktionen je Quartal immer zweistellig.

Nur acht CFO-Wechsel in der ersten Börsenliga

Dabei hat besonders die Zahl der Abgänge einen Sprung gemacht: in 83 Fällen verließen – aus eigenem Willen oder nicht – Finanzchefs ihr Unternehmen. Kein erfasster Wert der vorherigen 22 Quartale kommt auch nur annähernd an diesen Wert heran. Im Schnitt über alle 22 vorherigen Quartale nahmen pro Vierteljahr etwa 55 Finanzchefs ihren Hut – also ein Drittel weniger als im dritten Quartal 2019. Den historischen zweiten Platz belegt das erste Quartal 2015 mit 68, Platz drei geht an Q1 2016 mit 67 CFO-Abgängen.

Auch bei den Zugängen wurde vergangenes Quartal ein neuer Spitzenwert erreicht: in 107 Fällen kündigten Unternehmen an, einen neuen Finanzchef eingestellt zu haben oder dies in naher Zukunft zu planen. Das entspricht einer Zunahme von 30 Prozent zum Vorquartal (82) und liegt ein Drittel über dem historischen Durchschnitt (80) seit dem ersten Quartal 2014.

Dass es sich bei der Differenz zwischen Zu- und Abgängen um eine Ausweitung der CFO-Funktion handelt, ist allerdings unwahrscheinlich. Oftmals kommunizieren die Unternehmen nicht eindeutig, ob eine Position neu geschaffen oder nur eine Vakanz gefüllt wurde. Was allerdings auffällt ist, dass von allen 128 Finanzchef-Wechseln lediglich acht auf Unternehmen aus Dax, MDax und SDax entfallen. Die übrigen 120 Wechsel gab es im Mittelstand.

Generationswechsel bei Fresenius und Heideldruck

Auch wenn Frauen in CFO-Positionen immer noch selten anzutreffen sind, wurde im vergangenen Quartal bekannt, dass drei Frauen wichtige Ämter übernehmen werden: Helen Giza wird zum 1. November die Nachfolge der Fresenius-Medical-Care-Institution Michael Brosnan antreten, der sich nach fast zehn Jahren im Amt und über zwanzig Jahren im Unternehmen in den Ruhestand verabschieden wird. Damit wird Giza die fünfte Finanzchefin im Dax – bei 25 männlichen Mit-CFOs. So hoch war der Anteil noch nie.

FINANCE-Köpfe

Stephan Engels, Commerzbank AG

Engels startet seine Karriere von 1988 bis 1993 bei Daimler-Benz in der Konzernrevision. Ab 1991 ist er Abteilungsleiter. Von 1993 bis 2000 arbeitet er bei Debis. Die ersten drei Jahre leitet er das Regionalcontrolling für Europa, bevor er 1996 CFO für Debis AirFrance wird.

2000 wechselt Engels zu DaimlerChrysler und unterhält bis 2003 diverse Positionen innerhalb der DaimlerChrysler Bank. Zuletzt trägt er als Vorstandsmitglied die Verantwortung für den Bereich Kredit und IT und wird später CFO. 2003 bis 2007 verantwortet er schließlich für DaimlerChrysler Services verschiedene Aufgabenbereiche, zuletzt als CFO Finance, Controlling, Risk Management und Strategy.

2007 bis 2012 leitet Engels als Mitglied des Executive Committee der Mercedes-Benz Car Group den Bereich Finance & Controlling, sowie das Daimler-Konzerncontrolling. Ab April 2012 ist Engels Finanzvorstand der Commerzbank. Im September 2019 entscheidet er sich, seinen im April des folgenden Jahres auslaufenden Vorstandsvertrag nicht zu verlängern und stattdessen als Finanzchef zur Danske Bank nach Kopenhagen zu wechseln.

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Eine Etage darunter im MDax wird Bettina Orlopp bei der Commerzbank spätestens im kommenden April das Finanzruder vom scheidenden CFO Stephan Engels übernehmen und die Umbaupläne der Bank vorantreiben müssen. Orlopp ist aktuell im Vorstand schon für Personal, Compliance und Recht zuständig, wird diese Ressorts aber an die Privatkundenmanagerin Sabine Schmittroth abtreten.

Die dritte neue Finanzchefin ist Britta Schmidt, die das noch zu schaffende Amt der Finanzchefin bei der Scout24-Tochter Autoscout24 übernehmen wird. Dort wartet vermutlich eine große Aufgabe auf die bisherige IR-Chefin der Konzernmutter: Es wird spekuliert, dass Scout24 auch aufgrund des Drucks des aktivistischen Investors Elliot einen Börsengang oder Verkauf der Sparte in Betracht zieht.

Der zweite bekannt gewordene Wechsel im MDax ist der Abschied von Carlo Crosetto von Dürr. Der gebürtige Italiener wird seinen Vertrag bei dem schwäbischen Maschinenbauer nicht verlängern und spätestens im Februar 2020 abtreten.

Auch im SDax machte ein unternehmensprägender CFO Platz für jemand neues: Dass Dirk Kaliebe die Heidelberger Druckmaschinen verlassen wird, ist bereits seit Mai bekannt. Sein Nachfolger ist jetzt im Amt: Marcus Wassenberg übernahm Anfang September die Finanzen des Maschinenbauers.

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Carlo Crosetto, Dürr AG

Carlo Crosetto startet seine berufliche Laufbahn 1993 bei Daimler. In seinen ersten Jahren ist der gebürtige Italiener vor allem im asiatischen Raum tätig. 2005 wird Crosetto Finanzchef des Mercedes-Joint-Ventures mit dem chinesischen Autobauer BAIC in Peking, bis es ihn 2008 als kaufmännischen Leiter zu Mercedes-AMG ins baden-württembergische Affalterbach zieht.

2010 kehrt er zurück nach Asien zum Mischkonzern RMA Group, wo er bis Ende 2016 als Finanzvorstand maßgeblich an der Expansion des Unternehmens mitarbeitet. Nach einem kurzen Stopp als Managing Director bei der Unternehmensberatung Bucheim wird Crosetto im März 2017 CFO des Maschinen- und Anlagenbauers Dürr.

Im Juli 2019 gibt Dürr bekannt, dass Crosetto seinen bis Februar 2020 laufenden Vertrag nicht verlängern und das Unternehmen verlassen wird.

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CFOs werden wieder etwas jünger

Gleichzeitig scheinen die CFOs wieder jünger zu werden: Mit durchschnittlich 47,1 Jahren ist das dritte Quartal 2019 das jüngste des laufenden Jahres. Trotzdem liegt die Alterskurve noch leicht über dem historischen Schnitt von 46,7 Jahren. Dieses junge Alter profitiert allerdings von den Jahren 2014 bis 2017, als das Durchschnittsalter der neuen CFOs noch 46,2 betrug. Die Vorquartale deuteten auf ein Älterwerden der CFOs hin, im vierten Quartal 2018 erreichte das Alter der Neuberufenen mit 50,6 Jahren einen Höchststand.

Die Berufung des erst 30-Jährigen Patrick Zabel zum Finanzvorstand bei dem Batteriehersteller Voltabox ist ein Beispiel für eine Trendumkehr beim Alter und mehr Mut der Unternehmen bei der Bestellung neuen Spitzenpersonals. Bereits im ersten Quartal war mit Philipp Lauenstein ein gerade einmal 28-Jähriger zum CFO des Asset Managers MPC Capital ernannt worden.

dominik.ploner[at]finance-magazin.de

Noch sind Finanzexpertinnen in Führungspositionen in der Minderheit. Doch der Anteil an Frauen auf dem CFO-Posten und in Aufsichtsräten steigt langsam. Wie geht die Entwicklung weiter? Mehr dazu auf unserer Themenseite Frauen in Finance.

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