Die Restrukturierung bei Schmolz+Bickenbach macht Fortschritte. Doch auf CFO Hans-Jürgen Wiecha kommt noch viel Arbeit zu.

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31.03.14
CFO

Schmolz+Bickenbach: Führungsduo mit CFO Wiecha und CEO Iller

Die Konzernleitung des Stahlherstellers Schmolz+Bickenbach ist wieder komplett: Morgen übernimmt Clemens Iller die Funktion als CEO, die zuletzt CFO Hans-Jürgen Wiecha als CEO ad interim inne hatte. Erste Restrukturierungserfolge konnte Wiecha kürzlich bereits vermelden, doch noch ist viel zu tun.

Der an der Schweizer Börse notierte Stahlkonzern Schmolz+Bickenbach hat wieder ein vollständiges Führungsduo. Vom morgigen 1. April an wird Clemens Iller neuer CEO. Er kennt die Stahlbranche seit Jahren: Bis Ende 2012 war er Vorsitzender des Bereichsvorstands der Business Area Stainless Global/Inoxum bei ThyssenKrupp und Vorsitzender des Vorstandes der ThyssenKrupp Nirosta, die unter seiner Federführung an Outokumpu verkauft wurde. Im Dezember hatte CFO Hans-Jürgen Wiecha das Amt als CEO ad interim vorübergehend übernommen, nachdem der vormalige CEO Johannes Nonn den kriselnden Konzern nach wenigen Monaten wieder verlassen hatte. Eine Change-of-Control-Klausel erlaubte ihm nach der Machtübernahme durch den russischen Investor Viktor Vekselberg den Ausstieg – früheren Konzernmeldungen zufolge mit einer Millionenabfindung.

Der Verwaltungsrat bedankte sich bei Wiecha ausdrücklich „für sein intensives Engagement und seinen Einsatz in der Doppelfunktion während der Interimsphase“. Das neue Führungsduo bringe alle Voraussetzungen mit, um die anstehenden Herausforderungen zu meistern.

Schmolz+Bickenbach: Sparprogramm zeigt Ergebnisse

Seine für 2013 gesteckten Finanzziele hat Schmolz+Bickenbach nach eigenen Angaben erreicht. Das von CFO Wiecha und Alt-CEO Nonn aufgelegte und bis 2016 reichende Effizienzsteigerungsprogramm zeigt Schmolz+Bickenbach zufolge erste Ergebnisse. 2013 wurden demnach Kosteneinsparungen von 54,0 Millionen Euro realisiert. Schmolz+Bickenbach strebt bis 2016 einen Ergebniseffekt von rund 230 Millionen Euro an. Früheren Mitteilungen zufolge sollen rund 100 Millionen Euro davon durch Kostensenkungen eingespart werden.

Das Verhältnis von Nettofinanzverbindlichkeiten zu bereinigtem Ebitda konnte der Konzern deutlich reduzieren, es lag nach der erfolgreichen Kapitalerhöhung und dank eines verbesserten Free Cashflows bei einem Faktor von 3.4x (2012: 6.0x). Der Free Cashflow legte von 44,0 Millionen Euro im Vorjahr auf 73,7 Millionen Euro zu.

Die Umsatzerlöse litten dem Konzern zufolge unter sinkenden Basispreisen und gingen gegenüber Vorjahr um 8,5 Prozent auf 2,37 Milliarden Euro zurück (Vorjahr: 3,58 Milliarden Euro). Das bereinigte Ebitda stieg gegenüber Vorjahr um 18,3 Prozent und erreichte  178,8 Millionen Euro, nach  151,1 Millionen Euro im Jahr 2012.

Weitere Pläne zur Refinanzierung

CFO Wiecha steht auch 2014 wieder ein straffes Programm bevor: Der Konzern kündigte bereits an, man wolle im Laufe dieses Jahres die Refinanzierungen des Konsortialkredits und des ABS-Programms in Angriff nehmen.

Im vergangenen Jahr ist der Nettofinanzaufwand gegenüber 2012 zunächst einmal um gut 41 Prozent  auf 105,4 Millionen Euro gestiegen. Das ist auch den zum Teil extrem kurzfristigen Umfinanzierungen geschuldet, mit denen Wiecha in seinen ersten Monaten bei Schmolz+Bickenbach konfrontiert war. Der Konzern führte höhere laufende Zinszahlungen sowie Einmalkosten im Zusammenhang mit dem teilweisen Rückkauf der Anleihe und der Anpassung von Finanzierungsvereinbarungen an.

Die Bilanzstruktur ist durch diese Maßnahmen inzwischen aber deutlich gestärkt: Nach der im Oktober umgesetzten Kapitalerhöhung löste Schmolz+Bickenbach einen Teil der ausgegebenen Anleihe und der Bankverbindlichkeiten ab. Die Nettofinanzverbindlichkeiten sanken auf 610,1 Millionen Euro und liegen damit um rund ein Drittel unter dem Vorjahr (2012: 902,8 Millionen Euro). Das Eigenkapital stieg um 40,6 Prozent auf EUR 889,9 Millionen Euro. Das Verhältnis von Nettofinanzverbindlichkeiten zum Eigenkapital ging gegenüber dem Vorjahr deutlich von 142,6 Prozent auf 68,6 Prozent zurück.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Alles über die wechselhafte Geschichte des Stahlkonzerns finden sie auf unserer Themenseite zu Schmolz+Bickenbach. Ein Portrait des Finanzvorstands und alle Highlights seiner Karriere finden Sie in unserem CFO-Almanach FINANCE-Köpfe im Steckbrief von Hans-Jürgen Wiecha.