Schmolz & Bickenbach

19.06.12
CFO

Schmolz zeigt CFO und CEO die Tür

Der CEO und der CFO von Schmolz & Bickenbach, einem schweizerischen Stahlkonzern, mussten das Unternehmen verlassen – aufgrund von Änderungen, die durch die Kapitalerhöhung vor anderthalb Jahren notwendig geworden waren. Die Aktionäre sind geschockt: CFO Axel Euchner und sein Chef waren durch eine Roadshow im Mai bekannt geworden, bei der sie eine neue Anleihe vermarkteten.

Der schweizerische Stahlkonzern Schmolz & Bickenbach hat seinen CFO Axel Euchner und CEO Benedikt Niemeyer mit sofortiger Wirkung freigestellt und verliert dadurch zwei Drittel seines Top-Managements. COO Marcel Imhof und der Leiter des Gruppencontrollings Oliver Karst übernehmen übergangsweise die jeweiligen Positionen, bis Ersatz gefunden werden kann, verkündete Schmolz & Bickenbach gestern in einer nach Handelsschluss veröffentlichten Pressemitteilung.

Das Unternehmen und die Manager hätten „nicht mehr zusammengepasst“, begründet Verwaltungsratsrpräsident Hans-Peter Zehnder die Entscheidung. Seit einer Kapitalerhöhung vor etwa anderthalb Jahren wird die Mehrheit an dem Unternehmen im Free Float gehalten; das habe Änderungen an der Corporate Governance nötig gemacht und unter anderem den Austausch des Top-Managements erzwungen. Die „erheblichen Differenzen“ hätten auch eine graduellere Lösung unmöglich gemacht. Deswegen habe sich der Verwalttungsrat entschlossen, die nun anstehenden automatische Verlängerung der Verträge zu stoppen und die Kontrolle einem neuen Managementteam zu übertragen.

 

Aktienkurs fällt

Allerdings empfanden die Investoren die Entlassungen als drastische Maßnahme: der Aktienpreis fiel nach Eröffnung des Handels heute um knapp 7 Prozent. Euchner und Niemeyer sind bei den Aktionären und Investoren erst kürzlich bekannter geworden, nachdem sie im Mai während einer Roadshow die Emission einer neuen Anleihe beworben hatten.

In letzter Zeit hat Schmolz & Bickenbach trotz der Schwäche des europäischen Marktumfelds eine akzeptable Performance gezeigt. Der Stahlkonzern präsentierte im Mai gute Zahlen für das erste Quartal des Jahres. Trotzdem wurde der jüngste High-Yield-Bond von S&P nur mit B+ bewertet. Gründe dafür sind der hohe Fremdkapitalanteil, die „weniger als ausreichende“ Liquidität und zu wenig Puffer bei verschiedenen finanziellen Covenants. Ende 2011 lag das Schulden-zu-Ebitda-Verhältnis bei 2,9.

Der scheidende Finanzvorstand Axel Euchner war seit 2001 bei Schmolz & Bickenbach tätig. Er war maßgeblich daran beteiligt, das Stahlunternehmen durch seine schlimmste Krise zu führen. Schmolz & Bickenbach war durch die weltweite Finanzkrise in Folge der Lehman-Pleite in die Krise geraten, erst eine Kapitalerhöhung konnte die Lage beruhigen. Euchners letzter Erfolg war die Platzierung der Hochzins-Anleihe, die dem Unternehmen längere Rückzahlungszeiten einräumt, wenn auch zu sehr teuren Zinsen von nahezu 10 Prozent.


steven.arons[at]finance-magazin.de