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Schmolz+Bickenbach: Erben wollen mehr Einfluss

Schmolz+Bickenbach-Hauptsitz im Schweizerischen Emmenbrücke
Keystone

Den Nachkommen der Gründerfamilie des Stahlkochers Schmolz+Bickenbach (S+B) platzt ob der angespannten finanziellen Lages des Konzerns anscheinend der Kragen: Die Düsseldorfer S+B KG, mit gut 40 Prozent größter Aktionär des Schweizer Konzerns, fordert nun eine außerordentliche Hauptversammlung, um eigene Vertreter im Verwaltungsrat des Unternehmen zu inthronisieren. „Im Interesse des Werterhalts unserer Anteile werden wir mit vier eigenen Vertretern im Verwaltungsrat dafür Sorge tragen, das Unternehmen endlich schnell und nachhaltig wieder in ruhiges Fahrwasser zu bringen. Wir haben ein Restrukturierungskonzept vorgelegt, das der AG neues Kapital in einem Umfang zur Verfügung stellt, welches für die Zukunftssicherung benötigt wird“, erklärte Oliver Thum, Geschäftsführer der S+B KG den Schritt.

Wie einer aktuellen Mitteilung des S+B-Verwaltungsrats zu entnehmen ist, planen die Düsseldorfer, die amtierenden Verwaltungsräte Hans-Peter Zehnder, Helmut Burmester und Alexander von Tippelskirch abzuwählen und die vier neuen Kandidaten Carl Michael Eichler, Oliver Thum, Heinz Schumacher und Roger Schaack neu in das Gremium zu wählen. Man werde Antrag und Begehren prüfen und zu gegebener Zeit dazu Stellung nehmen, ließ der S+B-Verwaltungsrat in der Mitteilung wissen.

Streit über Finanzlage

Die beiden Parteien – der S+B-Verwaltungsrat und die S+B KG – waren zuletzt heftig aneinander geraten. In einem Zeitungsbericht hatten die S+B-Erben jüngst die finanzielle Lage des Konzerns als „angespannt“ bezeichnet und einen Finanzierungsbedarf von 350 Millionen Euro genannt. Verwaltungsratspräsident Hans-Peter Zehnder war von den Querschüssen aus Düsseldorf wenig begeistert und keilte zurück: „Die Aussagen der Gesellschafter liegen an der Grenze zur Kreditschädigung.“

Tatsache ist, dass der hochverschuldete Konzern dringend sein Eigenkapital stärken muss. Nach Informationen von FINANCE ziehen einige Banken bereits die Notbremse und verkaufen Anteile ihrer Senior-Darlehen. Mehrere PE-Investoren prüfen offenbar die Option eines Debt-Equity-Swaps. Auch operativ läuft es bei den Schweizern nicht rund: Ende Februar hatte die Ratingagentur Moody’s die Bonität des Corporate Family Ratings von B3 auf B2 heruntergestuft. Im April erzielte Schmolz-CFO Hans-Jürgen Wiecha zumindest einen Etappensieg: Banken hatten Anpassungen bei bestehenden Kreditverträgen des Unternehmens nach Covenant-Brüchen genehmigt.

Eine Lösung könnte ein Engagement des russischen Oligarchen Viktor Vekselberg sein: Der Milliardär will über seine Beteiligungsfirme Renova gemeinsam mit der Gründerfamilie die Mehrheit bei S+B übernehmen und noch im ersten Halbjahr 2013 eine Kapitalerhöhung über 350 Millionen Euro durchführen.

andreas.knoch[at]finance-magazin.de

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