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„Solarwatt könnte jetzt durchstarten“

Die Dresdener Solarwatt AG baut ihren Vorstand um. Auf das neue Führungsduo aus CEO und CFO kommen schwierige Aufgaben zu. Denn das Solarunternehmen steht kurz vor der Insolvenz und hat heute beim Amtsgericht Dresden einen Antrag auf ein Schutzschirmverfahren in Eigenverwaltung eingereicht. "Wie es weitergeht, das hängt zunächst einmal von der Entscheidung des zuständigen Insolvenzgerichts ab", sagt der künftige CFO Carsten Bovenschen gegenüber FINANCE. Der Antrag wurde noch am selben Nachmittag bewilligt.

In den vergangenen Wochen hat der bisherige Vorstand mit den Eigen- und Fremdkapitalgebern des Unternehmens verhandelt, um ein geschlossenes Finanzierungskonzept zu beschließen. Sie konnten jedoch keine Einigung erreichen. Obwohl die Zahlungsfähigkeit von Solarwatt laut Unternehmensinformationen sichergestellt sei, geht der Vorstand von einer Überschuldung aus. Im Rahmen eines Schutzschirmverfahrens in Eigenverwaltung lenkt, anders als bei einem normalen Insolvenzverfahren, der Vorstand gemeinsam mit einem Sachwalter das Unternehmen.

Auf Kurs bringen

Gleichzeitig verlässt Jürgen Bruns, seit 2009 Finanzvorstand, das Unternehmen planmäßig zum 30. Juni 2012. Sein Nachfolger wird zum 1. Juli 2012 Carsten Bovenschen. Er wird bereits mit sofortiger Wirkung dem Vorstand des Solarunternehmens angehören. Unter dem angestrebten Schutzschirmverfahren ist es die erste Aufgabe des neuen CFO, die eigenverwaltete Sanierung des Unternehmens voranzutreiben. "Dies beinhaltet für uns die Möglichkeit, innerhalb von drei Monaten Maßnahmen vorzubereiten, ohne dabei der Gefahr von Zwangsvollstreckungen ausgesetzt zu sein", sagt Bovenschen.

 

Bovenschen kommt aus der Solarbranche. Er war von 2007 bis Ende 2010 CFO des Solaranlagenbauers Roth & Rau (R&R). Dort hat er die Weiterentwicklung des Unternehmens zum Konzern mitgestaltet und mit der Übernahme des Eindhovener Konkurrenten OTB eine große Akquisition gestemmt. Auch auf Druck von Investoren verließ Bovenschen schließlich den Solaranlagenbauer. Kritisiert wurden seine Bilanzierungsmethoden, der Profitabilitätsverlust und die Entwicklung des Working Capital bei Roth & Rau. Kurz danach wurde R&R vom Schweizer Konzern Meyer Burger übernommen.

Jetzt muss Bovenschen die Finanzen von Solarwatt auf Kurs bringen. "Für den CFO bedeutet das natürlich auch insbesondere die Neustrukturierung der Passiva", sagt Bovenschen gegenüber FINANCE. Er ist jedoch nicht der einzige Neue bei Solarwatt. Außer CFO Bruns verlässt auch Firmengründer Frank Schneider das Unternehmen zum Ende des Jahres 2012. Er übergibt das Amt des Vorstandsvorsitzenden mit sofortiger Wirkung an Detlef Neuhaus, bislang Vorstandsmitglied für Vertrieb und Marketing (CSO). Mit Neuhaus strategischischer Neuausrichtung von Solarwatt auf ein weitgehend von Förderquoten und Einspeisevergütungen unabhängiges Produktportfolio sieht der künftige CFO den "Grundstein für eine Erfolgsstory" unabhängig vom Energieeinspeisegesetz gelegt. "Solarwatt könnte damit, sofern ordentlich durchfinanziert, jetzt durchstarten", sagt Bovenschen zu FINANCE. Jetzt kommt den beiden neuen Vorständen Neuhaus und Bovenschen die Aufgabe zu, das Unternehmen aus der Krise zu führen.

anne-kathrin.meves[at]finance-magazin.de