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Vivendi am Scheideweg

Auf Vivendi-CFO Philippe Capron warten schwierige Aufgaben.
E. de Malglaive Gamma

Radikale Umbrüche liegen bei Vivendi in der Luft. Analystenspekulationen reichen vom Verkauf einzelner Aktivitäten bis hin zum vollständigen Zerfall des Unternehmens in seine Einzelteile aus dem Medien- und Telekommunikationsbereich. Nur eines ist sicher: Irgendeine Art der Restrukturierung ist bitternötig. In den ersten sechs Monaten des Jahres fiel der Umsatz um 1,2 Prozent auf 14,1 Milliarden Euro im Vergleich zum ersten Halbjahr 2011. Das EBITDA sank um 12,7 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro. Die Nettoschulden sind in den letzten Jahren permanent gestiegen und liegen nun bei einem Rekordhoch von 14,1 Milliarden Euro.

Vivendi CFO Philippe Capron muss nun eine Strategie liefern, um den Verfall aufzuhalten. Er hat bereits ein ambitioniertes Kostensenkungsprogramm für die Mobiltelefon-Tochter SFR angekündigt. Dieses Jahr erwartet SFR einen elfprozentigen Rückgang seiner Umsätze und ein zwölf bis 15 Prozent niedrigeres EBITDA. Der Finanzchef plant eine Kürzung von 500 Millionen Euro, ausgehend von der Basis von 2,1 Milliarden Euro an operativen Kosten. Auch wenn das eine massive Reduktion ist, erkauft der CFO damit nur ein wenig Zeit.

Wenige Synergien zwischen Telekommunikation und Medien bei Vivendi

Laut Kepler-Analyst Conor O’Shea wird es wohl etliche Jahre dauern, Vivendi wieder auf die Beine zu bringen. „Es könnte ein erster Schritt sein, das Telefon- und Kabel-TV-Geschäft in Brasilien zu verkaufen, GVT. Doch das wird nicht bis zum Ende des Jahres geschehen“, sagte er CFO Insight. Da bei Vivendi wenig Synergien zwischen Telekommunikations- und Mediengeschäft bestehen und „der Vorstand auch nicht so stark an Telekommunikation orientiert ist wie früher“, könnte eine Aufsplittung des Konzerns der zweite Schritt in einem langwierigen Prozess sein, meint der Analyst. CFO Capron gab dies auch zu. Bei der Präsentation der Zahlen für das zweite Quartal 2012 Ende August sagte er: „Medien auf der einen Seite, Telekommunikation auf der anderen – das funktioniert nicht.“

Dennoch bleiben Capron, der seit 2007 CFO ist, und der Rest des Managementteams vage, wenn es um die Richtung der strategischen Generalüberholung geht. „Wir spüren den Druck gegenüber unseren Aktionären, etwas zu tun, das kann man schon sagen, aber wir haben es nicht eilig“, sagt der Finanzvorstand. Schließlich hat der größte diversifizierte Medien- und Telekommunikationskonzern Europas mit Mehrheitsanteilen an Universal Music, dem französischen Pay-TV-Anbieter Canal Plus, SFR, dem Computer- und Videospielekonzern Activision Blizzard sowie Maroc Telecom einige qualitativ hochwertige Vermögensbestände.

Es besteht kaum Zweifel, dass der 54-jährige Capron letzten Endes Bestände veräußern muss, aber Vivendi lehnte Kommentare zu solch einer Strategie ab. Stattdessen kündigte das Unternehmen neue Werbeangebote für September an, welche die Anzahl von Breitband-Abonnenten erhöhen und Konkurrenten im Telekommunikationsgeschäft wie Free und B-Tel  zurückdrängen sollen. Doch selbst selektive Verkäufe könnten für ein Unternehmen am Scheideweg zu wenig sein.

anne-kathrin.meves[at]finance-magazin.de