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Nach der Wahl: Diese Koalition wünschen sich CFOs

Am Wahlabend zeigten sich die Parteispitzen offen für Koalitionsverhandlungen. Foto: dpa/Sebastian Gallnow
Am Wahlabend zeigten sich die Parteispitzen offen für Koalitionsverhandlungen. Foto: dpa/Sebastian Gallnow

Deutschland hat gewählt: Am gestrigen Sonntag fand die 20. Bundestagswahl statt – unter besonderen Vorzeichen, denn Kanzlerin Angela Merkel trat nach 16 Jahren im Amt nicht mehr an. Wer wird sie beerben? Wie schlagen sich Olaf Scholz, Armin Laschet als neuer CDU-Kandidat oder Annalena Baerbock als erste grüne Kanzlerkandidatin?

Das vorläufige Wahlergebnis bringt Klarheit: Der SPD ist es gelungen, sich auf 25,7 Prozent ganz nach vorne zu schieben. Knapp dahinter, aber mit deutlichen Verlusten im Vergleich zur 2017er Wahl, rangiert die CDU mit 24,1 Prozent. Abgeschlagen, aber mit deutlichen Gewinnen gegenüber der letzten Wahl liegen die Grünen mit 14,8 Prozent. Die FDP steht bei 11,5 Prozent, die AfD bleibt trotz Verlusten mit 10,3 Prozent zweistellig. Und die Linke zieht ganz knapp wieder in den Bundestag ein.

Damit ist klar, dass Deutschland nur von einer Koalition regiert werden kann. Große Koalition oder ein Dreierbündnis mit FDP und Grünen („Ampel“) wären unter der Führung von Olaf Scholz möglich. Aber auch unter Armin Laschet könnte sich eine Regierung mit FDP und den Grünen bilden („Jamaika“). So bleibt am heutigen Montag noch unklar, welche Koalition Deutschland in den kommenden vier Jahren regieren wird.

CFOs mögen Jamaika-Koalition

Welche Konstellation würden CFOs bevorzugen? Wir haben Finanzvorstände im Vorfeld der Bundestagswahl gefragt. Bei der nichtrepräsentativen Umfrage, an der sich rund 80 CFOs aus dem deutschsprachigen Raum beteiligten, gab es ein eindeutiges Ergebnis. Etwa jeder dritte Befragte wünscht sich eine Koalition von CDU, den Grünen und der FDP. Diese „Zukunftskoalition“ hat Armin Laschet bereits am Wahlabend ins Rennen geschickt. Nicht ohne Grund: Jamaika wäre die einzige Variante, bei der er Kanzler werden könnte.

Knapp dahinter an zweiter Stelle liegt bei den befragten CFOs die Koalition von CDU und FDP. 28 Prozent bevorzugen diese Konstellation mit Union und Liberalen, die nach dem Wahlausgang aber keine Mehrheit im Bundestag gefunden hat.

Ampelkoalition und GroKo bei CFOs wenig beliebt

Deutlich weniger, nämlich lediglich 8 Prozent, stimmen der Ampel zu. Die Koalition von SPD, den Grünen und FDP würde all diejenigen Parteien vereinen, die Zuwächse verzeichnen konnten. Mit Olaf Scholz würde sie den bei den Wählern beliebtesten Kanzlerkandidaten stellen.

Fast keine Zustimmung (4 Prozent) findet die Fortsetzung der Großen Koalition, die nur unter einer SPD-Führung möglich wäre. Wenig beliebt sind ebenfalls die rein rechnerisch unmöglichen Koalitionen aus CDU und Grünen oder die nicht realistische Konstellation SPD, CDU und FDP.

Diese Koalition bevorzugen CFOs (in Prozent)

CDU/Die Grünen/FDP 32,4Regierungsbildung möglich
CDU/FDP28,4Keine Mehrheit
SPD/Die Grünen/FDP8,1Regierungsbildung möglich
CDU/Die Grünen6,7Keine Mehrheit
SPD/CDU/FDP4,1Unrealistische Variante
CDU/SPD 4,1Regierungsbildung möglich
Keine Nennung: SPD/Die Linke/Die Grünen; CDU/SPD/Die Grünen
Quelle: FINANCE

Viele CFOs wollen Armin Laschet

Die wahrscheinlich beste Nachricht für CFOs ist, dass ein Linksbündnis keine Mehrheit fand. Eine Koalition aus SPD, Die Linke und die Grünen, vor der etwa FINANCE-Kolumnist Holger Schmieding (Berenberg) gewarnt hatte, wäre diejenige Konstellation gewesen, die an den Märkten für die größte Unruhe gesorgt hätte. Da es nicht dazu kam, notieren die Märkte gemessen am deutsche Leitindex Dax am Morgen nach der Wahl leicht im Plus.

Gefragt nach dem bevorzugten Kanzlerkandidat liegt Armin Laschet bei den CFOs mit 29 Prozent deutlich vorne. Er hat einen deutlichen Abstand vor Olaf Scholz, der nur auf 16 Prozent der Stimmen auf sich vereinen konnte. Abgeschlagen erhält Annalena Baerbock lediglich rund 5 Prozent der Stimmen. Besonders auffällig ist aber, dass die Hälfte der Befragten auf diese Frage keine Antwort gegeben hat, was an der allgemeinen Unbeliebtheit der Kanzlerkandidaten liegen kann.

Welche(r) Kanzlerkandidat(in) ist Ihr(e)Favorit(in)? (in Prozent)

Armin Laschet29,7
Olaf Scholz 16,2
Annalena Baerbock 5,4
keine Antwort47,3
Quelle: FINANCE

Restrukturierer bevorzugen CDU

FINANCE hat im Vorfeld der Wahl ebenfalls Restrukturierer im Rahmen des Restrukturierungsbarometers befragt (die vollständigen Ergebnisse erscheinen Anfang November). Dabei lautete die Frage: „In welchem Parteiprogramm finden Sie sich aus Restrukturierungssicht am ehesten wieder?“ Bei den Befragten lag die CDU mit rund 40 Prozent vorne, gefolgt von der FDP (27,5 Prozent). SPD und die Grünen vereinen auf sich lediglich 10 Prozent. Weitere 10 Prozent wollten keine Antwort abgeben.

Jetzt werden spannende Tage und Wochen folgen: Wird es ein Dreierbündnis geben – und wenn ja unter Führung von SPD oder CDU? Oder läuft es doch wieder auf eine große Koalition hinaus? Wie auch immer: Herausforderungen wie die Coronakrise, internationale Konflikte und Handelsstreitigkeiten wollen bewältigt werden. „Auch wenn die Ausgangslage herausfordernd ist: Deutschland braucht nun schnell Klarheit, wer die kommende Bundesregierung stellt“, forderte Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing in seiner Funktion als Bankenpräsident nach der Wahl.

markus.dentz[at]finance-magazin.de


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Markus Dentz ist Chefredakteur von FINANCE und der Fachzeitschrift DerTreasurer. Seine journalistischen Schwerpunktthemen sind Unternehmensfinanzierung, Restrukturierung und Treasury. Nach dem Studium und dem Volontariat beim F.A.Z.-Institut stieß Dentz zur FRANKFURT BUSINESS MEDIA GmbH, einer Tochter der F.A.Z.-Verlagsgruppe und Herausgeberin von DerTreasurer und FINANCE. Mehrfach wurden seine Artikel aus den Bereichen Private Equity und M&A mit Journalistenpreisen ausgezeichnet.

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