12.03.12
CFO

Altbewährt

Hans Dieter Pötsch bleibt sowohl bei Volkswagen als auch bei der Porsche SE für weitere fünf Jahre Finanzvorstand.

Die Verträge des 60-jährigen Österreichers sind Anfang dieses Jahres verlängert worden. Mit dieser Wiederwahl haben sich die Aufsichtsräte bewusst gegen den allgemeinen europäischen Trend, dass CFOs global tätiger Konzerne immer jünger und internationaler werden, gestellt. Der Schweizer Lebensmittelkonzerns Nestle bekommt mit Ling Martello, Jahrgang 1958, im April dieses Jahres beispielsweise eine US-amerikanische Staatsbürgerin chinesischer und philippinischer Herkunft als neuen Finanzvorstand. Der 1960 geborene Niederländer Ron Wirahadiraksa führt seit April 2011 die Finanzen bei dem niederländischen Elektronikkonzern Philips. 

Es scheint so, dass die deutschen Unternehmen Veränderungen scheuen: Im europäischen Vergleich sind die Finanzvorstände in Deutschland die ältesten. Zudem stammen die meisten, wie Pötsch selbst, aus dem deutschsprachigen Raum. Man kann den Unternehmen vorwerfen, sie blieben in der Vergangenheit stecken, gärten in ihrem eigenen Saft und verpassen dadurch den Aufsprung auf den fahrenden Zug der Globalisierung. Denn gerade während der Ausbildung haben die jüngeren CFO-Kandidaten schon früh internationale Erfahrungen. Zudem haben sie das neue Handwerkszeug – wie beispielsweise das Know-how über die Bilanzierung nach IFRS – von der Pieke auf gelernt. 

Doch hat VW mit der erneuten Wahl von Pötsch tatsächlich seine Chance vertan, gerade auch international zu expandieren? Was spricht dafür, den CFO gegen einen jüngeren Kollegen auszutauschen, wenn er sich bewährt hat? Jüngere Vorstandsmitglieder sind oftmals risikofreudig und suchen ständig nach Neuem. Pötsch hingegen geht beispielweise bei der Übernahme von Porsche kein finanzielles Wagnis ein. Zudem ist der zahlenaffine, erfahrene, ruhige 60-Jährige krisenerprobt. Er hat den Wolfsburger Autohersteller durch die schwierige Zeit der Finanzkrise gesteuert. 2011 war für Europas größten Autobauer ein Rekordjahr. Seit 2003 hat Pötsch als CFO einen guten Job bei VW gemacht und gehört noch lange nicht zum alten Eisen. Er ist ein  geradliniger Mann, der sich im Hintergrund hält. Mit diesen Eigenschaften ist er der passende CFO für ein Unternehmen mit dem Namen Volkswagen, an dem mit Niedersachsen ein deutsches Bundesland 20 Prozent der Anteile hält. Die Zeit für einen jungen CFO aus den Emerging Markets ist bei VW noch nicht gekommen.


sabine.paulus(*)finance-magazin(.)de