Stefan Pfaffenbach leitet die Finanzen von Evonik in Asien.

Evonik

24.09.20
CFO

CFO in Singapur: Stefan Pfaffenbach von Evonik

Als CFO des Chemiekonzerns Evonik in Asien leitet Stefan Pfaffenbach die Finanzen in einer Region, die mit am härtesten von der Coronakrise betroffen ist. Mit FINANCE sprach er über diese Herausforderung.

Stefan Pfaffenbach ist seit rund drei Jahren als CFO für Evonik in Singapur. Vor neun Monaten konnte er seinen wohl bisher größten beruflichen Erfolg während seiner Auslandsstation verbuchen: Der Regional-CFO wurde befördert. Leitete er bis Ende 2019 noch die Finanzen der Region Asien-Pazifik Süd, die sich von Pakistan bis Neuseeland erstreckt, untersteht ihm jetzt die komplette Region Asien. Damit fallen nun zum Beispiel auch die Finanzen der wichtigen Evonik-Standorte in China, Japan und Korea in seinen Bereich.

Pfaffenbachs neue Aufgabe geht mit einer internen Umstrukturierung einher. Evonik will sich im asiatisch-pazifischen Raum strategisch noch stärker aufstellen, denn das Chemieunternehmen sieht großes Wachstumspotenzial für den Chemiemarkt in Asien, vor allem in China – und das trotz Corona.

CFO Pfaffenbach muss sich Coronakrise stellen

Auch Pfaffenbach hat Corona „herausfordernde Zeiten“ gebracht, wie der 38-Jährige im Gespräch mit FINANCE einräumt. Da wäre etwa die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen asiatischen Ländern und nicht zuletzt mit dem Headquarter in Essen, denn Dienstreisen sind kaum möglich: „Die Grenzen in Asien sind so gut wie geschlossen, derzeit führen wir alle Meetings virtuell durch.“ Im Austausch mit Essen war Pfaffenbach virtuelle Meetings gewohnt, zwischen den einzelnen Standorten seines Bereichs lief die Zusammenarbeit jedoch bislang anders. So berichtete er noch in einem Interview mit FINANCE im Sommer 2019, dass es zu seinem Arbeitsalltag gehörte, Zeit im Flugzeug zu verbringen. „Dieses Jahr hatte ich dagegen noch keinen einzigen Reisetag.“

Persönlichen Kontakt zum Headquarter in Deutschland kann Pfaffenbach derzeit nicht pflegen – ein Nachteil, da dies während einer Auslandsstation ein wichtiger Faktor ist, auch für die eigene Karriere. Ein Vorteil dagegen: „Da virtuelle Meetings jetzt auch in Deutschland zum Arbeitsalltag gehören, fühlt sich diese Kontaktform nun viel normaler an und ist einfacher geworden als noch vor einem Jahr.“

Corona: Sorgenregion Indien

Reisen in die einzelne Regionen halfen Pfaffenbach bisher auch dabei, sich auf das jeweilige Land und die Mentalität der Mitarbeiter dort einzustellen. Diesen Überblick muss er sich jetzt zentral aus Singapur verschaffen. Dass jedes Land zudem eigene Regeln für den Umgang mit Corona hat, erleichtert die Aufgabe des CFOs nicht .

 „Ich lasse mich regelmäßig per Rundmail von meinen Ansprechpartnern in den einzelnen Ländern über neue Regelungen und Projekte informieren. Der Austausch war noch nie so wichtig wie jetzt“, sagt Pfaffenbach. Die Unterschiede innerhalb seines Zuständigkeitsbereichs sind enorm: „Während Singapur und China einen harten Lockdown durchgezogen haben, ist das in Ländern wie Pakistan und Bangladesch in der Konsequenz kaum möglich“, sagt Pfaffenbach.

Während der Coronakrise hat Pfaffenbach gelernt, dass es darauf ankommt, schnell zu reagieren. So hatte das Team in Malaysia – dort sind Evoniks Global Shared Financial Services – nur 48 Stunden Zeit, sich auf Remote Work einzustellen, nachdem ein Shutdown über Kuala Lumpur verhängt wurde. Der Vorteil: IT-seitig sind nun alle Kollegen so aufgestellt, dass die Arbeit im Home Office funktioniert.

Noch steht die Geschäftsentwicklung stark unter dem Einfluss des Coronavirus. „Während in China eine deutlich spürbare ökonomische Erholung einsetzt, macht uns Indien Sorgen.“ Voraussichtlich noch bis Jahresende wird es dort strenge Einschränkungen geben.

Dies hat für den Evonik-Regional-CFO an ganz unterschiedlicher Stelle konkrete Auswirkungen auf die operativen Aufgaben: So ist beispielsweise in Indien der Zahlungsverkehr nach wie vor in weiten Teilen scheckbasiert oder erfordert das manuelle Einreichen weiterer Belege bei den Banken. Die Hoffnung, in dem Land kurzfristig stärker auf digitale Rechnungsabwicklung umstellen zu können, hat Pfaffenbach nicht. „Das lassen die regulatorischen Anforderungen in Indien nicht wirklich zu.“ Stattdessen setzt er mindestens bis Jahresende auf ein intensives Cash Monitoring. „Wir betreiben ein aktiveres Forderungsmanagement und versuchen zumindest da, wo es geht, Abläufe zu digitalisieren.“

Onboarding während Corona

Auch auf die Mitarbeiterbindung hat Corona Auswirkungen. Das ist für Finanzchef Pfaffenbach, der seit 2012 für die Essener arbeitet, keine neue Herausforderung: Schon vor einem Jahr beklagte er, wie schwierig es in Asien sei, Mitarbeiter länger an das Unternehmen zu binden. Die meisten würden nach spätestens drei Jahren wechseln. „Jetzt kommt noch hinzu, dass ich neue Mitarbeiter virtuell onboarden musste.“ Das betrifft auch den Austausch mit Mitarbeitern an Standorten, für die Pfaffenbach die Zuständigkeit erst neu übernommen hat. „Dort arbeite ich mit Kollegen, die ich noch nie persönlich getroffen habe und leider auch in absehbarer Zeit nicht werde treffen können.“

 „Ich lasse mich regelmäßig über neue Regelungen und Projekte informieren. Der Austausch war noch nie so wichtig wie jetzt.“

Stefan Pfaffenbach, CFO Evonik Asien

Mittlerweile hat er für sich einen guten Workflow gefunden, um das virtuelle Onboarding zu erleichtern. Er prüft vor dem Einarbeiten, was der neue Mitarbeiter im Detail braucht und richtet das Onboarding danach aus. „Vorher lernten die neuen Kollegen spezifische Aufgaben eher on the job“, erklärt er. Nun muss er für jeden neuen Mitarbeiter je nach Aufgabenbereich einen individuellen Onboardingplan erstellen. „Das nimmt zwar mehr Zeit in Anspruch, aber der Einstieg der Mitarbeiter ins operative Tagesgeschäft verläuft sehr effizient“, beobachtet Pfaffenbach. Für die Zukunft wünscht er sich ein hybrides Modell aus virtuellem und persönlichem Kontakt.

Die neuen Aufgaben und Herausforderungen haben für den CFO auch ganz persönliche Konsequenzen: Seine Rückkehr nach Deutschland steht so schnell nicht an. Im Schnitt dauert eine Expat-Station zwei bis fünf Jahre, bei Pfaffenbach dürfte es ein längerer Zeitraum werden. Den CFO stört das aber nicht: „Die Corona-Zeit ist keine einfache – persönlich und beruflich. Ich spüre die Entfernung mehr als vorher. Das hat aber meine Resilienz gestärkt“, bilanziert er. Er ist sich sicher, dass so eine Erfahrung extrem lehrreich ist – „insbesondere, wenn man sie während einer Auslandsstation macht.“  

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

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