Hochschulen bieten verstärkt spezielle Studiengänge an, um Nachwuchsführungskräfte im Finanzbereich auszubilden.

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04.10.12
CFO

„CFO-Master“: Studiengänge für Finanznachwuchs

Zum Chief Financial Officer braucht es mehr als profunde Fachkenntnisse. Abgesehen vom Umgang mit Zahlen muss er vor allem eines können: kommunizieren. Neuerdings bieten Hochschulen Studiengänge zur gezielten Ausbildung des CFO-Nachwuchses an. Wir haben für Sie herausgefunden, was davon zu halten ist.

„Ich werde CFO. Aber vorher möchte ich studieren. Was ist das richtige für mich? Ich interessiere mich sehr für Marketing, mag aber kein Rechnen“, schreibt ein Gast in einem BWLer-Forum.  So funktioniert es sicher nicht, denn das Berufsbild des CFO ist äußerst komplex. Ein Finanzchef braucht fundierte methodische und fachliche Finanzkenntnisse und muss zusätzlich mit Mitarbeitern und Investoren kommunizieren. Im Studium erwerben angehende Finanzführungskräfte Basiswissen für ihre Karriere. „Für Unternehmen, die geeigneten Finanznachwuchs suchen, ist es aber oft schwierig zu erkennen, welche genauen Inhalte sich hinter einem Studiengang verbergen“, weiß Professor Sven Schäfer von der Fachhochschule Köln.

Deswegen hat die FH Köln ihren neuen Studiengang „Wirtschaftsprüfung, Steuern, Recht und Finanzen“, der zum Wintersemester 2012/2013 startet,  mit dem knackigen Kurztitel „CFO-Master“ überschrieben.  „Das passt einfach am besten, weil ein CFO so viele Bereiche beherrschen muss. Das kann man nicht alles in einem Titel aufzählen“, meint Schäfer.

Schlüsselqualifikation Kommunikationsfähigkeit

Mit dem CFO-Master ist die FH Köln eine von wenigen Hochschulen, die sich bisher explizit die Ausbildung im Finanzbereich von Unternehmen auf die Fahnen geschrieben haben. Der klassische Berufsweg eines CFO beginnt meist mit einem wirtschaftswissenschaftlichen Studium. „Zur Ausfüllung der obersten Führungsposition im Finanzwesen ist jedoch eine entsprechende fachliche Schwerpunktsetzung, etwa im Masterstudium, zwingende Voraussetzung“, sagt Professor Ernst Troßmann von der Universität Hohenheim. Zudem braucht ein CFO Soft Skills.

Troßmann nennt hier vor allem die Kommunikationsfähigkeit. Finanzer haben täglich mit komplexen Zahlengebilden zu tun, die ihre Gesprächspartner nicht unbedingt verstehen. „Es ist im Studium sehr wichtig, dass die Studenten lernen, Botschaften so zu kommunizieren, dass sie auch ein Fachfremder versteht – ohne dabei arrogant daherzukommen.“

CFO darf kein Fachidiot sein

Bei zu speziellen CFO-Studiengängen sieht Troßmann die Gefahr, dass den Studenten nachher der Überblick über BWL-Theorien und betriebliche Abläufe und Strukturen fehlt: „Wir wollen keine Fachidioten, wir wollen Spezialisten mit Blick aufs Ganze.“ Doch auch die FH Köln will mit ihrem CFO-Master umfangreiches Fachwissen vermitteln: „Wir wollen hier keine fertigen CFOs ausbilden. Unsere Studenten sollen lernen, dass zum CFO-Job Berufserfahrung, Verhandlungsgeschick und Führungserfahrung gehören. Wir liefern die fachlichen Grundlagen“, erläutert Schäfer.

Eine Besonderheit ist das verkürzte Wirtschaftsprüfer-Examen. Dadurch können die Studenten sich beim Examen drei von sieben Klausuren sparen. Die Absolventen sollen nach dem Studium eine Karriere als Wirtschaftsprüfer oder Mitarbeiter im Finanzressort eines Unternehmens antreten können. Beide Berufseinstiege ermöglichen den späteren Werdegang als CFO.

Weiterbildungsstudiengänge als Karrieresprungbrett

In kleineren Unternehmen mit wenigen Stellen im Finanzmanagement könnten Hochschulabsolventen im Einzelfall sogar den direkten Weg auf einen finanziellen Führungsposten gehen, sagt Troßmann. In größeren Unternehmen sei jedoch der Weg durch ein – formelles oder informelles – Führungskräfte-Nachwuchsprogramm unumgänglich. Dass Unternehmen bei der Nachwuchsförderung zu diesem Zweck gezielt auf Hochschulweiterbildungsprogramme zugriffen, sei „eher ungewöhnlich“.

Ein Gegenbeispiel findet sich in der Schweiz. Die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) bietet ein berufsbegleitendes Weiterbildungstudium „Corporate Finance CFO“ an. „Unsere Zielgruppe sind Hochschulabsolventen mit sechs bis zehn Jahren Berufserfahrung“, sagt Professor Tobias Hüttche von der FHNW. Finanzer entscheiden sich aus eigenem Antrieb oder auf Betreiben des Unternehmens zu dem Programm, um es als Karrieresprungbrett zu nutzen. Heiko Willauer war zum Beispiel vor dem CFO-Studium Controlling-Chef beim Schweizer Nähmaschinenhersteller Bernina. Bei seinem Abschlusse war er bereits CFO. Das Studium habe seine Wissenslücken gut schließen können: „Jetzt kann ich meinen Posten selbstbewusst ausfüllen.“

Zwei bis drei der Absolventen pro Jahrgang sind sogar bereits als CFO tätig, berichtet  Tobias Hüttche: „Wir füllen den Wissensrucksack nach zehn Jahren wieder auf, wenn die CFOs von der Praxis eingeholt werden. Einerseits geben wir inhaltliche Updates, andererseits wollen wir Umsetzungsdefizite beheben.“ Das Studium biete zudem gute Möglichkeiten zum Netzwerken durch den Kontakt zu renommierten Referenten und anderen Finanzern aus verschiedenen Branchen. „Viele Absolventen sind nach dem Studium recht schnell in eine CFO-Position gekommen, gerade bei KMUs“, bestätigt Tomas Hilfing, Präsident des Alumni-Verbands.

Softskills statt Promotion

Ein berufsbegleitendes Studium gibt es auch an der FH Wien. „Wir haben uns im Vorhinein mit vielen Finanzvorständen zusammengesetzt und geschaut, welche Inhalte wichtig sind“, sagt der betreuende Professor Robert Pichler. Das Ergebnis war auch in Österreich: Neben fachlichen braucht ein CFO vor allem soziale Kompetenzen und eine starke Persönlichkeit. Die Promotion habe keinen hohen Stellenwert mehr für Praktiker im Finanzbereich, beobachtet Pichler. Seine Absolventen können promovieren, doch „das ist nicht mehr wie vor zehn oder 20 Jahren, wo Praktiker noch häufig aus Prestigegründen promovierten.“  

Die verschiedenen Studienangebote zeigen: Was den CFO von heute über seine Fachkenntnisse hinaus auszeichnet, sind eher Softskills. CFOs können auf Hochschulangebote zurückgreifen, um die fachliche und kommunikative Qualifikation des Finanzer-Nachwuchses sicherzustellen. Und selbst für gestandene CFOs gilt: Das Lernen hört niemals auf.

alina.bartscher[at]finance-magazin.de