Uni-Erfahrung allein reicht oft nicht: Berufseinsteiger sollten daher gezielt Praktika absolvieren.

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25.04.19
CFO

Das wünschen sich CFOs von Nachwuchs-Finanzern

Wegen des Fachkräftemangels sind die Jobaussichten in der Finanzabteilung für Absolventen eigentlich fast ideal. Doch nicht alle Fähigkeiten sind gleich stark gefragt.

Der Fachkräftemangel grassiert in der Finanzabteilung, es herrscht beinahe Vollbeschäftigung. Viele Unternehmen suchen händeringend nach guten Finanzspezialisten. Das ist eine große Chance für Berufseinsteiger im Finanz- und Rechnungswesen, die frisch von der Uni kommen. Doch welche Fähigkeiten sollten sie mitbringen?

Ganz oben auf der Liste: Software- und Technologiekenntnisse. Das hat eine Umfrage des Personaldienstleisters Robert Half unter 200 CFOs ergeben, deren Ergebnisse FINANCE exklusiv vorliegen. 28 Prozent der Finanzchefs sagten, sie schätzten Wissen in diesen Bereichen bei Young Professionals am meisten. „Das Ergebnis spiegelt unsere Erfahrungswerte gut wider“, sagt Sandra Ramsauer von Robert Half.

Technologien: Hochschulen hinken hinterher

Das Problem ist aber: Die Technologiewelt dreht sich so schnell, dass viele Universitäten mit ihren Lehrplänen nicht hinterherkommen. Die Hochschule ist daher nicht der ideale Ort, um als junger Finanzexperte oder junge Finanzexpertin die wertvollen Fähigkeiten zu erlangen.

Etwas mehr als jeder fünfte Finanzchef gab daher an, Berufskenntnisse via Praktika und Werkstudentenjobs seien am wichtigsten. 80 Prozent sagten sogar, es sei „eher wichtig“ oder „sehr wichtig“, während des Studiums Praxiserfahrung im Finanz- und Rechnungswesen zu sammeln.

„Technologiekenntnisse lassen sich am besten über Erfahrungen in Unternehmen erwerben“, kommentiert Beraterin Ramsauer. „Man sollte neben dem Studium daher darauf achten, nicht im Café zu kellnern, sondern Tätigkeiten nachgehen, die im späteren Berufsleben Mehrwert bringen.“ Dann habe man ein gutes Sprungbrett, um direkt attraktive Angebote einzuheimsen.

Bei den Spezialisierungen setzen CFOs auf altbewährtes. 16 Prozent würden die allgemeine Buchhaltung empfehlen, 15 Prozent das Controlling und 14 Prozent das Interne Audit. Auch die Datenanalyse, die Steueranalyse und die Kostenrechnung sind mit 11 Prozent nicht weit dahinter. „Angehende Finanzexperten sollten hier darauf achten, sich viel mit der Interpretation von Zahlen zu beschäftigen. Das wird immer wichtiger.“

Reicht CFOs ein Bachelor?

Bleibt die wichtige Frage, ob ein Bachelor reicht – oder ob Unternehmen lieber einen Master-Abschluss sehen? „Studenten tendieren dazu, nach dem Bachelor Berufserfahrung zu sammeln. Arbeitgeber bevorzugen eher einen Master“, sagt Ramsauer dazu. Aufgrund der überschaubaren Kandidatenzahl, können Unternehmen aber nicht allzu wählerisch auftreten. Hier haben sich die Machtverhältnisse in den vergangenen Jahren deutlich zugunsten der Bewerber gedreht.

Ramsauers Ansicht nach schadet es daher nicht, nach dem Bachelor zwei bis drei Jahre zu arbeiten und danach das höhere Zertifikat anzugehen. „Das kann dann in Voll- oder in Teilzeit geschehen.“

jakob.eich[at]finance-magazin.de