Ein Buchhalter sollte detailorientiert sein.

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15.04.14
CFO

Der Buchhalter

Schon die kleinsten Unternehmen brauchen Buchhalter. Welche fachlichen und persönlichen Voraussetzungen man in der Buchhaltung mitbringen muss, welche Karrierestufen möglich sind und wie viel ein Buchhalter verdienen kann, zeigt FINANCE in Teil 2 unserer neuen Serie Jobs in FINANCE – „Berufsbilder im Finanzbereich“.

In der Buchhaltung ist der genaue Blick für die Details unerlässlich. Warum, zeigt der schwere Bilanzskandal beim Fahrradhersteller MiFa (Mitteldeutsche Fahrradwerke): Bei der Erstellung des Jahresabschlusses stellt der Konzern fest, dass Vorräte und Materialaufwand falsch verbucht worden sind. Der Grund hierfür ist laut Mifa die Einführung eines neuen Buchungssystems im zweiten Quartal 2013. Dadurch seien die Materialkosten in den Q2- und Q3-Abschlüssen zu gering ausgewiesen worden, teilte der Fahrradhersteller Mitte März mit. Welche Auswirkungen dieser Bilanzskandal haben wird, ist noch nicht abzusehen: „Es ist nicht auszuschließen, dass mehrere der in den Anleihe- und Kreditbedingungen festgehaltenen Financial Covenants nicht eingehalten werden können“, warnte Mifa damals.

Der inzwischen insolvente Windparkprojektierer Windreich hatte in seiner Finanzabteilung offenbar ein strukturelles Problem. Für ein Unternehmen mit mehr als 100 Millionen Euro Umsatz habe Windreich keine passende Organisationsstruktur gehabt, meint Insolvenzverwalter Holger Blümle in einem FINANCE vorliegenden vertraulichen Bericht an die Windreich-Gläubiger. Ein Controlling fehlte demnach völlig. Buchhaltung und Rechnungswesen seien insgesamt eine Schwachstelle gewesen und hätten lediglich dokumentierende Funktion gehabt. Immerhin: „Zum Zeitpunkt der Insolvenzantragstellung war die Buchhaltung, soweit dies feststellbar war, zumindest annähernd à jour“, bemerkte der Insolvenzverwalter.

FINANCE-Gehaltsreport 2017

Welche Karrieretrends im Finanzbereich gibt es, und wer verdient wie viel unter den Finanzexperten? Für den FINANCE-Gehaltsreport 2017 hat FINANCE die Vergütungszahlen für die zwölf wichtigsten Jobprofile in der Finanzabteilung zusammengesucht – darunter Controller, Treasurer, Buchhalter und Steuerberater. Jetzt downloaden »

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Buchhalter haben Debitoren, Kreditoren und Mahnwesen im Blick

Diese Beispiele zeigen, was alles schiefgehen kann, wenn es in der Buchhaltung (Accounting) zu Ungenauigkeiten oder gar Fehlern kommt. Denn der Buchhalter ist im Unternehmen im externen Rechnungswesen für die operative Debitoren-, Kreditoren-, Anlagen- und Hauptbuchhaltung sowie das Mahnwesen und allgemeine Buchhaltungsaufgaben zuständig. Teilweise verantwortet er oder sie auch die Lohn- und Gehaltsbuchhaltung. Zusätzlich erstellt der Buchhalter die Monats-, Quartals- und Jahresabschlüsse nach HGB und leitet sie gegebenenfalls auch in IFRS über. Auch die damit verbundene Intercompany-Abstimmung fällt in den Aufgabenbereich eines Buchhalters. Darüber hinaus betreuen die Mitarbeiter der Buchhaltung steuerliche Themen und arbeiten mit Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern eng zusammen.

Hierfür sind Kenntnisse eines gängigen ERP-Systems wie beispielsweise SAP, Hyperion, Oracle oder Navision und einer Konsolidierungssoftware (IDL) unumgänglich. Darüber hinaus sollte sich ein Buchhalter auch in der Konzernrechnungslegung auskennen und abschlusssicher nach HGB sein. Aus Arbeitgebersicht ist dies zusätzlich für IFRS oder US-Gaap wünschenswert. Wenn man internationale Auslandsgesellschaften betreuen kann, ist das von Vorteil, sagen Personalberater. Zusätzlich zu diesen fachlichen Voraussetzungen sind auch einige Soft Skills für Buchhalter unerlässlich. Sie sollten ein gutes Zahlenverständnis besitzen und analytisch begabt, genau, detailorientiert, loyal sowie vertrauenswürdig sein.

Studium in der Buchhaltung eher selten

Eine eigenständige Ausbildung zum Buchhalter gibt es allerdings nicht. Wer diesen Beruf ergreifen möchte, benötigt mindestens eine Ausbildung zum/r Steuerfachangestellten oder zum/r Industriekaufmann/-frau. Anschließend ist eine Weiterbildung zum Bilanzbuchhalter (national/ international) an einer IHK ein möglicher Entwicklungsschritt. „Die Perspektiven in der Buchhaltung sind gut, sofern man sich regelmäßig weiterbildet“, erklärt Robert Half gegenüber FINANCE.

Karrierestufen und Entwicklungsmöglichkeiten:

Hauptbuchhalter/Alleinbuchhalter, Bilanzbuchhalter, Spezialist Konsolidierung/Konzernrechnungswesen, Leiter Rechnungswesen, Leiter Finanzen, Leiter Finanz- und Rechnungswesen, CFO

Ein abgeschlossenes Studium ist in der Buchhaltung hingegen eher selten. Will man allerdings über die Ebene des Sacharbeiters hinaus bis zum Leiter Rechnungswesen oder Finanzen aufsteigen, ist ein Studium mit Schwerpunkten wie Accounting, Rechnungswesen und Kontrolle oder Controlling hilfreich, wenn auch nicht zwingend erforderlich. Ist man auf der Karriereleiter erst einmal so weit gekommen, ist der Schritt zum CFO durchaus denkbar und möglich, auch wenn nur einige der heutigen Finanzchefs aus dem Accounting kommen. Der CFO des Graphitelektrodenspezialisten SGL Carbon, Jürgen Muth, hat beispielsweise seine berufliche Laufbahn nach seinem Studium 1984 im Finanz- und Rechnungswesen von Rheinbraun in Köln begonnen.

Schon die kleinsten Unternehmen benötigen Buchhalter

Schon die kleinsten Unternehmen ab rund fünf Mitarbeiter brauchen Buchhalter. Viele von diesen Kleinunternehmen greifen dabei aber auf selbstständige Buchhalter zurück. Über 12.000 Mitglieder hat der b.b.h. Bundesverband, der eigenen Angaben zufolge der größte Berufsverband für selbstständige Buchhalter und Bilanzbuchhalter in Deutschland ist. Kleinere Firmen mit bis zu 100 Mitarbeitern stellen Buchhalter an, suchen aber eher Generalisten, die das gesamte Aufgabenspektrum der Buchhaltung abdecken können. Je größer ein Unternehmen ist, um so eher sind Spezialisten gefragt, die auch internationale Aufgaben erfüllen können.

Was Buchhalter verdienen können

Junior Buchhalter/Sachbearbeiter: 35.000 Euro bis 65.000 Euro

Finanzbuchhalter: 33.000 bis 37.000 Euro

Kreditoren-/Debitorenbuchhalter: 30.000 bis 49.000 Euro

Bilanzbuchhalter (national/international): 43.000 bis 70.000 Euro

Senior Buchhalter: 50.000 bis 75.000 Euro

Leiter Buchhaltung: 60.000 bis 120.000 Euro

Quellen: TriFinance, Robert Half, Michael Page, Hays und Fricke Finance & Legal

„Die Nachfrage nach Buchhaltern mit der Qualifikation zum Bilanzbuchhalter (national/international) und gegebenenfalls einem Studium ist hoch“, sagt Erik Heinrich, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens TriFinance. „Doch nur wenige wagen den Schritt aus der Debitoren-/ Kreditorenbuchhaltung heraus, hinein in Themenstellungen aus der nationalen und internationalen Bilanzierung.“ Dass dieser Schritt auch einen großen Einfluss auf das Gehalt hat, zeigt eine Umfrage unter einigen Personaldienstleistern: Kann ein Kreditoren- oder Debitorenbuchhalter bis zu 49.000 Euro im Jahr verdienen, sind bei einem Bilanzbuchhalter, je nach nationaler oder internationaler Ausrichtung, bis zu 70.000 Euro jährlich möglich (siehe Kasten „Was Buchhalter verdienen können“). Das Fixgehalt wird gegebenenfalls durch einen variablen Bonus aufgestockt. In leitenden Funktionen kann auch ein Firmenwagen im Vergütungspaket enthalten sein.

sabine.paulus[at]finance-magazin.de

Einen detaillierten Überblick über die verschiedenen Berufsbilder im Finanzbereich – einschließlich Ausbildung, Karrierewege und Gehaltsentwicklungen – finden Sie auf unserer Themenseite Jobs in Finance.