Der IR-Manager - Jobs in FINANCE: Berufsbilder im Finanzbereich

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13.05.14
CFO

Der IR-Manager

IR-Manager verbinden auf eine besondere Art und Weise kommunikative Fähigkeiten mit guten Kenntnissen des Kapitalmarkts. Diplomatisches Geschick ist hilfreich. Welche fachlichen Voraussetzungen man für die Investor Relations sonst noch mitbringen sollte, und wie viel im Bereich Investor Relations zu verdienen ist, zeigt Teil 6 unserer Serie Jobs in FINANCE – „Berufsbilder im Finanzbereich“.

Seit seiner Jugend war es der Traum von Patrick Kiss, in einem Börsenberuf zu arbeiten. „Ich habe mit 14 Jahren meine erste Aktie erworben und mir von dem Gewinn einen Walkman gekauft“, sagt der heutige Head of Investor & Public Relations der Deutschen EuroShop. Auch während seines BWL-Studiums hat er sich mit Aktien beschäftigt und in einer großen Kommunikationsagentur gearbeitet. Sogar seine Diplomarbeit handelt von Investor Relations (IR) im Internet. Angesichts dieser strikten Ausrichtung verwundert es nicht, dass Patrick Kiss in einer kleinen Bank seine berufliche Laufbahn im Investor-Relations-Bereich begonnen hat. Das war mitten im Neuen Markt-Hype im Jahr 2000. Seitdem ist er dabei geblieben und einer der dienstältesten IR-Manager in Deutschland.

Solche eine stringente Orientierung auf den Bereich Investor Relations ist indes selten. „Der IR-Job ist ein typischer Quereinsteiger-Job“, sagt Kiss. „Es ist ein Nischenberuf, auf den man eher zufällig stößt.“ Ehemalige Controller, Analysten, BWLer, Juristen, Germanisten und Journalisten arbeiten heute als IR-Manager. Dem DIRK – Deutscher Investor Relations Verband zufolge stammt mehr als die Hälfte der deutschen IR-Manager aus dem wirtschaftswissenschaftlicher Bereich, ein weiterer großer Teil kommt aus dem Kommunikationsbereich. „Etwa jeder Zehnte ist Jurist oder etwas völlig anderes wie beispielsweise Biologe“, sagt Kay Bommer, Geschäftsführer des DIRK.

Keine Spezielle Studiengänge für Investor Relations

Die wenigsten Studienanfänger haben das Ziel, IR-Manager zu werden. „Es gibt keinen direkten Studiengang, der auf die Arbeit eines IR-Managers vorbereitet“, sagt Kiss. Zahlenorientierte Studiengänge und kaufmännische Berufe seien zwar von Vorteil, aber keine unbedingte Voraussetzung für die Kommunikation mit dem Kapitalmarkt.

Vielmehr helfen Zusatzausbildungen, um sich auf die Tätigkeit als IR-Manager vorzubereiten. Dazu zählen der „Certified Investor Relations Officer (CIRO)“, den der Deutsche Investor Relations Verband zusammen mit der Frankfurt School of Finance & Management entwickelt hat, oder der „Certified International Investment Analyst (CIIA)“, der die Weiterbildung zum „Certified European Financial Analyst (CEFA)“ um einen weiteren Themenkomplex ergänzt, um sich auf die Tätigkeit als IR-Manager vorzubereiten.

Hinzu kommt, dass es bei rund 700 börsennotierten Aktiengesellschaften in Deutschland nur sehr wenige Juniorpostionen im Bereich Investor Relations gibt. Etwa fünf bis zehn Juniorpositionen werden im Jahr angeboten, was den Berufseinstieg als IR-Manager nicht gerade einfacher macht.

Insgesamt gibt es derzeit rund 1.000 IR-Manager in Deutschland. Die Mehrheit ist männlich. „Das mag daran liegen, dass der Beruf des IR-Managers eher ein Vollzeitjob ist“, sagt Kiss. Nur so könne man auf die Bedürfnisse der verschiedenen Investorengruppen weltweit eingehen. Auf der anderen Seite wird das Thema Kommunikation oft von Frauen besetzt, weshalb sie sich auch in dem noch recht jungen Berufsbild des IR-Managers genauso heimisch fühlen, wie ihre männlichen Kollegen.

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IR-Manager als Zwei-Wege-Kapitalmarktkommunikatoren

IR-Manager sind für die Kommunikation mit dem Kapitalmarkt verantwortlich, weshalb typische Arbeitgeber kapitalmarktorientierte Unternehmen sind. IR-Manager sind für Investoren und alle anderen Teilnehmer des Kapitalmarktes der Ansprechpartner im Unternehmen. Gleichzeitig sollen sie auch für das eigene Unternehmen am Kapitalmarkt werben. Sie bereiten Hauptversammlungen, Analystenkonferenzen und Roadshows vor und verfassen Geschäftsberichte und Ad-hoc-Meldungen.

Allerdings ist der IR-Manger heutzutage nicht mehr nur der Lautsprecher nach außen, er oder sie führt auch den Dialog nach innen. „Man ist auch für das Unternehmen und den Vorstand ein Mikrofon“, sagt Kiss, IR-Leiter bei der Deutschen EuroShop. Das bestätigt auch DIRK-Geschäftsführer Bommer: „Investor Relations ist keine One-way-Kommunikation. Ein IR-Manager kommuniziert im gleichen Maße nach innen.“

Um diese Aufgaben gut bewältigen zu können, ist es wichtig, kommunikationsfähig und -freudig zu sein gepaart mit dem notwendigen Finanz-Knowhow, da der Bereich Investor Relations wie auch das Treasury, das Controlling oder das Accounting in der Regel zum CFO-Bereich gehört. IR-Manager müssen zudem die börsenaufsichtsrechtliche Verpflichtungen, die Wirkungsweisen des Kapitalmarktes und das Unternehmen, für das sie arbeiten, sehr gut kennen. Gleichzeitig hilft diplomatisches Geschick dabei, um angemessen mit den verschiedenen Zielgruppen kommunizieren zu können – insbesondere in schwierigen Situationen.

Investor Relations als Karrieresprungbrett

Das breite Aufgabenspektrums sorgt für vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten. „Investor Relations ist für viele ein Karrieresprungbrett“, sagt Bommer. IR-Manager könnten IR-Leiter in einem größeren Unternehmen werden oder auch die Leitung einer operativen Einheit übernehmen. Vereinzelt sei es auch möglich, CFO in einem Unternehmen zu werden.

Es gibt einige Beispiele von IR-Managern, die heute an der Spitze des Finanzressort stehen: Der Bielefelder Werkzeugmaschinenhersteller DMG Mori Seiki (ehemals Gildemeister) hat in diesem Frühjahr seinen bisherigen Leiter Capital Markets und Investor Relations, André Danks, zum neuen Finanzvorstand bestellt. Der künftige Publicitas-CFO und ehemalige Versatel-Finanzvorstand, Marius Rispeter, war ebenfalls während seiner beruflichen Laufbahn als Leiter Investor Relations tätig. Der heutige Haniel-CEO und frühere Lufthansa-Finanzchef, Stephan Gemkow, leitete von 1997 bis 2001 den Bereich Investor Relations bei der Deutschen Lufthansa. Und das sind nur einige Beispiele.

Kiss sieht den Beruf des IR-Managers als amerikanisch geprägt: „Dort ist das eine Profession, die man sein (Berufs-)Leben lang ausübt.“ Doch gerade in Großunternehmen würde der Bereich Investor Relations nicht selten als „Durchgangsstation“ verstanden, um Erfahrungen mit dem Kapitalmarkt zu sammeln. Das sei nicht optimal. Denn: „Man kann die beste IR-Arbeit leisten, wenn man das Unternehmen wie seine Westentasche kennt und Vertrauen zu den Investoren und Analysten über mehrere Jahre aufgebaut hat“, ist Kiss überzeugt.

Und gute IR-Arbeit lässt sich auch monetär messen, beispielsweise in einem niedrigeren Kupon bei einer Anleiheemission und einer höheren Bewertung der Aktie am Kapitalmarkt. Die Aktie ist schließlich, wenn man so will, das zweite Produkt, das ein Unternehmen vermarktet.

Was IR-Manager verdienen können

Junior IR-Manager: 45.000 bis 75.000 Euro

Senior IR-Manager: 80.000 bis 120.000 Euro

Leiter Investor Relations: 150.000 bis 200.000 Euro

Quellen: Fricke Finance & Legal und Hays

Für die IR-Manager selbst lohnt sich ihr Beruf ebenfalls monetär. Einer Gehaltsstudie aus dem Jahr 2012 zufolge, die das Beratungsunternehmen Towers Watson im Auftrag des DIRK unter deutschen IR-Manager durchgeführt hat, kann ein Junior IR-Spezialist mit einem Hochschulabschluss ein Grundgehalt von 51.000 bis 58.000 Euro rechnen. Ein IR-Leiter mit einigen Jahren an Berufserfahrung und Mitarbeiterverantwortung verdient nach der Studie zwischen 140.000 und 191.000 Euro.

sabine.paulus[at]finance-magazin.de

Einen detaillierten Überblick über die verschiedenen Berufsbilder im Finanzbereich – einschließlich Ausbildung, Karrierewege und Gehaltsentwicklungen – finden Sie auf unserer Themenseite Jobs in Finance.